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Meldung Tipps & Info Tarifrechner 27.06.17
Obergrenzen

Fair-Use-Grenze beim Roaming: Das gilt für jeden Handy-Nutzer

Wir erklären, wann beim EU-Roaming Schluss ist

Justitia vor der Europa-Flagge

Die Fair-Use-Policy soll verhindern, dass Kunden sich die EU-weit günstigsten Tarife herauspicken
Bild: (c) dpa

Roam like at home (RLAH) heißt die seit diesem Juni gültige EU-Verordnung, die im Kern besagt, dass ein Handy­tarif aus Deutschland zu gleichen Konditionen auch im EU-Ausland (sowie Norwegen, Liechtenstein und Island) gelten muss. Doch ganz so einfach ist es doch nicht: Es gibt insbesondere beim Daten-Roaming Ausnahmen, die zu einer Kosten­falle werden können - ab dem ersten Monat im Ausland. Weitere Ausnahmen gibt es für eine dauer­hafte Nutzung eines Tarifes im Ausland. Diese beiden so genannten Fair-Use-Regeln sollen die Anbieter davor schützen, dass sie durch intensive Nutzung des Tarifes im Ausland durch ihren Kunden zuzahlen müssen. Wie Sie das Daten-Roaming am Handy aktivieren können, zeigen wir Ihnen für Android und iOS. Hohes Daten­volumen bei niedrigem Preis: Einschränkung erlaubt

Wenn ein Anbieter seinen Kunden in Deutschland ein hohes Daten­volumen zu einem vergleichsweise niedrigen Preis gewährt, ist er berechtigt, die Datennutzung im Ausland zu beschneiden.

In der Regel nutzen Kunden in Deutschland Tarife mit einem Inklusiv­volumen. Hier heißt es von der EU-Kommission, dass Anbieter ihren Kunden, die kein unbegrenztes Daten­volumen nutzen, einen Betrag für über­mäßiges Roaming in Rechnung stellen dürfen, wenn sie weniger als 4,85 Euro pro Giga­byte bezahlen. Hat ein Kunde zu Hause einen Vertrag mit unlimitierter Telefonie und SMS sowie 3 GB Daten für 30 Euro monatlich, so muss der Kunde 30 (Euro) durch 3 (Gigabyte) teilen - also Grundgebühr geteilt durch Datenvolumen - und bekommt einen Wert von 10 (Euro pro Gigabyte). Dieser Wert liegt über den genannten 4,85 Euro, die gebuchten 3 GB können vollumfänglich im EU-Ausland genutzt werden.

Hat der Kunde zum gleichen Preis aber 15 GB Daten­volumen gebucht, so liegt der rechnerische Wert bei 2 Euro pro GB (30 ÷ 15 = 2). In diesem Fall kommt eine weitere komplizierte Formel zum Einsatz, die den Großhandels­preis für Daten von 9,163 Euro beinhaltet. Dazu wird der Monats­preis des Vertrags durch diesen Großhandels­preis geteilt (30 ÷ 9,163 = 3,27) und dieser Wert von 3,27 verdoppelt. Das Ergebnis von 6,54 ist die Höhe des Gigabyte-Volumens, dass der Nutzer im EU-Ausland ohne weitere Kosten versurfen darf. Darüber hinaus darf der Anbieter Kosten von 9,163 Euro pro GB berechnen.

Wichtig: Der Anbieter muss über dieses Limit informieren und auch mitteilen, wenn das Volumen im Ausland verbraucht wurde.

Für die wenigen Fälle, in denen es unlimitierte Daten­volumen in Deutschland gibt, kommt direkt die Formel (Monatspreis durch Großhandels­preis) x 2 zum Einsatz. Der Großhandels­preis wird im Januar bis zum Jahr 2020 jährlich weiter sinken, die Daten­volumen im Ausland dadurch steigen. Die Großhandelspreise im Einzeln: bis Ende 2017: 9,163 Euro, im Jahr 2018 7,14 Euro, im Jahr 2019 5,335 Euro, ab 2020 4,165 Euro. Dauer­hafte Nutzung im Ausland nicht ohne Weiteres zulässig Der Handy­tarif sollte in dem Land abgeschlossen sein, in dem die Nutzung vorrangig erfolgt. Denn wenn innerhalb von vier Monaten den überwiegenden Teil der Zeit der Tarif im Ausland genutzt wurde, ist der Anbieter berechtigt, einen Nachweis für die Nutzung zu erbringen. Wie die Anbieter das umsetzen, bleibt abzuwarten. Telefónica beispiels­weise will ein dauer­haftes Voll­zeit­beschäftigungs­verhältnis, wieder­kehrenden Voll­zeit­studien­kursen, Erklärungen, Nach­weise von Arbeit­gebern, Bildungs­einrichtungen, Eintragung im Einwohner­register, aus der hervor­geht, dass sich der Kunde im Mitglied­staat dauer­haft aufhält, und anderen vernünftigen Nach­weise, die stabile Bindungen oder den Wohn­ort nach­weisen können (bspw. Miet­verträge) akzeptieren. Erfolgt dieser Nachweis nicht, darf dem Kunden ein Aufschlag zu seinem nationalen Tarif in Rechnung gestellt werden.

Je nach Hand­habung des Anbieters und Möglich­keit des Nach­weises dürften somit also selbst Winter-Residenzler auf Mallorca eine Nutzungs­möglichkeit beim Roaming haben. Auch Pendler haben keine Probleme. Allerdings: Wer sich gezielt im Ausland einen Billig-Vertrag zulegt, ohne jegliche Beziehung zu dem Land zu haben, der wird künftig zuzahlen müssen.

In einem anderen Artikel gehen wir auf allgemeine Fragen zum Ende der EU-Roaming-Gebühren 2017 ein.

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