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07.01.2009 - 11:42
Test

Auch E-Plus testet mobiles Breitband über Rundfunkfrequenzen

Mobilfunkbetreiber schielen auf niedrigeres Frequenzspektrum für mobiles Internet

Der Mobilfunkbetreiber E-Plus und der Netzwerkausrüster Ericsson testen die Breitband-Versorgung per HSDPA über Rundfunkfrequenzen. 50 Haushalte im Umkreis der aufgestellten Sendestation in Grabowhöfe (Mecklenburg-Vorpommern) sollen bis Ende des Jahres den Breitband-Internetzugang über die Mobilfunktechnologie mit einer Datenempfangsrate von bis zu 7,2 MBit/s ausprobieren können. Die Tester bekommen die Endgeräte und SIM-Karten kostenlos gestellt. Auch die Kosten der Datenübertragung im E-Plus-Netz werden in der Testphase von den Projektbeteiligten getragen. Auch Netzbetreiber T-Mobile hat einen Testbetrieb des mobilen Breitband-Internetzugangs über Rundfunkfrequenzen bereits seit längerem im brandenburgischen Wittwock begonnen (wir berichteten).

Für den Testbetrieb wird das Frequenzspektrum zwischen 790 und 862 MHz genutzt, das im Zuge der Digitalisierung des Rundfunks frei wird und das die Mobilfunkbetreiber zumindest in Teilen gerne für ihre mobilen Breitband-Angebote zugeteilt bekommen möchten. Nach eigenen Angaben könnten die Telekommunikationsanbieter so in einem niedrigen Frequenzbereich ein leistungsstarkes, weitreichendes und gleichzeitig günstig zu betreibendes mobiles Breitband-Netz aufzubauen, das die "weißen Flecken" auf der multimedialen Landkarte tilgen würde. Die zur Diskussion stehenden Frequenzen im niedrigen Frequenzspektrum bieten im Vergleich mit den heute für UMTS genutzten Frequenzen eine höhere Reichweite und könnten deshalb mit weniger Antennenstandorten auch ländliche Gebiete abdecken. Die für den Test notwendigen Frequenzen wurden von der Bundesnetzagentur kürzlich freigegeben. Kein Labortest: Im Einsatz ist kommerziell verfügbare Technik "Der Test in Mecklenburg-Vorpommern wird zeigen, dass die Digitale Dividende den Verbrauchern eine einmalige Chance eröffnet", so Thorsten Dirks, der CEO von E-Plus. "Wir haben damit die Möglichkeit, auch in den ländlichen Gebieten einen effizienten Netzausbau voranzutreiben und den Bürgern eine leistungsstarke, mobile Breitband-Versorgung zu bieten." Dr. Stefan Rudolph, der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das sich wie die dortige Landesrundfunkzentrale ebenfalls an dem Projekt beteiligt, sieht die wirtschaftlichen Chancen für das Bundesland: "Eine flächendeckende Breitband-Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern wäre ein wichtiger Standortfaktor, für Unternehmen und Bürger zugleich."

Netzwerkausrüster Ericsson stellt die Netztechnik für die Sendestation bereit. "Dieses Projekt ist kein Labortest, sondern baut auf kommerziell verfügbarer Technik auf und könnte sofort in Deutschland in der Praxis zum Einsatz kommen, wenn die notwendigen Frequenzen hierzu für die Mobilfunknetzbetreiber verfügbar gemacht werden", erklärt Carsten Ahrens, Geschäftsführer von Ericsson in Deutschland. Deshalb gehe es bei dem gemeinsamen Projekt auch nicht um die technische Machbarkeit sondern vielmehr darum, "das Nutzerverhalten und die notwendige Dimensionierung eines mobilen Breitband-Netzes unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu analysieren". Die genutzte Technik habe sich bereits im Ausland bewährt. Projektteilnehmer wollen Diskussion über Digitale Dividende versachlichen Die beteiligten Unternehmen verfolgen aber laut eigener Aussage auch noch ein anderes Ziel mit dem Test: Sie wollen die Gespräche über die Digitale Dividende versachlichen und so einen Beitrag zur politischen Meinungsfindung leisten. So könnten die intensiv geführten Diskussionen zwischen Mobilfunkern und Rundfunkanstalten einen neuen, fundierten Impuls bekommen. Letztlich, so Dirks, profitierten auch die Programmveranstalter von einer gemeinsamen Verwendung der Digitalen Dividende unter Einbeziehung der Mobilfunker: "So können beispielsweise die immer wichtiger werdenden Internetangebote der Sender endlich auch in strukturschwachen Regionen angeboten werden. Dadurch kommen sie mit Kunden in Kontakt, die sie über ihre klassischen Verbreitungswege mit diesen Angeboten bislang nicht erreichen", sagt der E-Plus-Chef.

Die lückenlose Breitband-Versorgung in Deutschland ist ein momentan vieldiskutiertes Thema. Die Bundesregierung ist inzwischen auf den Kurs der Mobilfunkbetreiber eingeschwenkt und spricht sich für eine Ausschüttung der digitalen Dividende an die Telekomunternehmen aus. Die Bundesländer dagegen unterstützen die Rundfunkanstalten, die sich - bis auf den Sender RTL - bislang gegen eine Abgabe der frei werden Rundfunkfrequenzen ohne entsprechende Kompensation wehren. E-Plus hinkt bei Ausbau des UMTS-Netzes hinterher Im Vergleich mit den anderen drei deutschen Mobilfunkbetreiber mit eigenem Netz hinkt E-Plus beim mobilen Breitband-Internetzugang hinterher. Erst im vergangenen Monat kündigte das Unternehmen an, in seinem GSM-Netz nahezu flächendeckend den EDGE-Standard einzuführen. Bis Ende dieses Jahres sollen 90 Prozent der deutschen Bevölkerung mit EDGE versorgt sein und den mobilen Internet-Zugang mit bis zu 240 kBit/s nutzen können. In diesem Monat will E-Plus zunächst einen Friendly-User-Test für HSDPA mit bis zu 3,6 MBit/s im Downstream in Leipzig starten. Bislang bietet E-Plus maximal UMTS-Geschwindigkeit (384 kBit/s) im Regelbetrieb an.

Auch der DSL-Ausbau der Telekom schreitet fort: Wie das Unternehmen heute mitteilt, wurden im vergangenen Jahr mit weiteren 400 Gemeinden Kooperationen für einen DSL-Ausbau beschlossen. In vielen Fällen übernehmen die Gemeinden Trassenarbeiten für die Breitbandleitung. Weitere Artikel zur digitalen Dividende

Björn Brodersen

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