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25.02.2019 - 09:55
Internet aus dem All

Wettrennen um das Web aus dem All

OneWeb will Internet in jeden Winkel der Welt bringen

In der Wüste mal eben kurz die Mails checken, im Dschungel die neusten Nach­richten lesen? An mobiles Internet haben sich die meisten Menschen gewöhnt. Aber es gibt Orte, da würden wohl die wenigsten mit Inter­net­emp­fang rechnen. Ganz zu schweigen von nervigen Funk­lö­chern. Neue Projekte verspre­chen nun, die gesamte Welt mit güns­tigem Inter­net­zu­gang zu versorgen - mithilfe von Satel­liten im Welt­raum. Kann das funk­tio­nieren? OneWeb will erster werden OneWeb Satel­lites heißt eines dieser Vorhaben. Es ist ein Gemein­schafts­pro­jekt zwischen dem Luft­fahrt- und Rüstungs­kon­zern Airbus und dem US-Telekommunikations­unternehmen OneWeb, hinter dem der Inter­net­pio­nier Greg Wyler steht.

Airbus ist für die Entwick­lung der Satel­liten zuständig. Am 26. Februar sollen die ersten von ihnen an Bord einer Sojus-Rakete vom Welt­raum­bahnhof Kourou in Fran­zö­sisch-Guayana ins All geschossen werden. Hunderte weitere sollen in den kommenden Jahren folgen - mit dem Rake­ten­bauer Aria­ne­space sind aktuell 21 Rake­ten­starts verein­bart. "Die Konstel­la­tion ist auf 900 Satel­liten ausge­richtet", erklärt Nicolas Chamussy, Leiter der Raum­fahrt­sparte von Airbus.

Das Neue an dem Projekt ist, dass die Satel­liten auf eine nied­rige Erdum­lauf­bahn von 1200 Kilo­me­tern gebracht werden sollen. Aktuell gibt es Satel­liten-basiertes Internet in der Regel von geosta­tio­nären Satel­liten, die die Erde in mehr als 35 000 Kilo­meter Entfer­nung umrunden. Eben­falls beson­ders ist, dass die Satel­liten in Massen­pro­duk­tion gefer­tigt werden - mehrere täglich werden gebaut.

OneWeb will das Internet mit 900 Satelliten in alle Ecken der Welt bringen.

OneWeb will das Internet mit 900 Satelliten in alle Ecken der Welt bringen.
Grafik: picture alliance / Airbus Defence and Space/dpa

Sie sind kleiner und leichter als gewöhn­liche Satel­liten, daher können mit einem Rake­ten­start gleich eine Reihe von ihnen ins All beför­dert werden. Nutzung nur über spezi­elle Termi­nals Auf der Erde kommu­ni­zieren Benut­zer­ter­mi­nals mit den Satel­liten im Welt­raum. Im Fall von OneWeb funk­tio­niert das über kleine Satel­li­ten­schüs­seln, die auf dem Dach montiert sind und mit Solar­strom versorgt werden. Sie können 3G-, LTE- oder 5G- Internet sowie WLAN in die Umge­bung bringen, verspricht OneWeb.

Wie gut die Qualität des Inter­nets sein wird, lasse sich vorher nicht exakt sagen, erklärt Roland Bless vom Karls­ruher Institut für Tech­no­logie (KIT). "Weil die Satel­liten eine relativ nied­rige Umlauf­bahn haben, ist davon auszu­gehen, dass die Verzö­ge­rung im Vergleich zu herkömm­li­chen geosta­tio­nären Satel­li­ten­ver­bin­dungen recht kurz sein dürfte." Eine möglichst geringe Verzö­ge­rung ist ein wesent­li­cher Faktor für schnelles Internet. Aller­dings sieht der Experte auch einen Nach­teil in der Nähe zur Erde. "Die Funk­fre­quenzen dürften relativ hoch sein. Das heißt, Wetter­be­din­gungen wie Nebel oder Wolken können die Empfangs­be­din­gungen beein­flussen."

Außerdem müssen die Satel­liten regel­mäßig ausge­tauscht werden, denn ihre Lebens­zeit ist begrenzt. Dadurch, so Kritiker, entsteht eine Menge Welt­raum­schrott. Chamussy von Airbus verweist auf ein fran­zö­si­sches Gesetz, wonach ein Satellit, der von Frank­reich aus startet oder dort entwi­ckelt wurde, auch wieder aus dem Orbit geholt werden muss. Zwar könne er das nicht für jeden einzelnen der Satel­liten garan­tieren, prin­zi­piell aber bestehe die Verpflich­tung, schon am Anfang der Mission sicher­zu­stellen, dass kein Welt­raum­müll entsteht. Konkur­renz steht in den Start­lö­chern Nicht nur OneWeb Satel­lites tüftelt an derar­tigem Internet aus dem All. Das kana­di­sche Unter­nehmen Telesat will mit seinem Projekt "Telesat-Leo" ab 2022 welt­weiten Service anbieten, eben­falls mithilfe von Airbus.

Auch das ameri­ka­ni­sche Raum­fahrt­un­ter­nehmen SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk arbeitet an einem ähnli­chen Vorhaben und will mit "Star­link" deut­lich mehr Satel­liten ins All bringen als OneWeb: Tausende sollen es werden. Erste Satel­liten wurden Anfang 2018 mit einer Falcon-9-Rakete ins All gebracht. Wenn die Tests damit erfolg­reich sind, soll auch "Star­link" bald starten.

Face­book hatte ein ähnli­ches, seit 2014 entwi­ckeltes Projekt - die Internet-Drohne "Aquila" - im vergan­genen Jahr aufge­geben. Die Flug­ge­räte hätten mona­te­lang autonom in großer Höhe fliegen sollen. Ein erster Test­flug im Jahr 2016 hatte mit einer Bruch­lan­dung geendet. Ein konkur­rie­rendes Projekt mit großen Drohnen war von der Google-Mutter Alphabet schon zuvor aufge­geben worden. Ganz aus dem Rennen ist Alphabet damit aber nicht: An einer Internet-Versor­gung mit Ballons wird weiter getüf­telt. Die "Loon"-Ballons sollen in rund 18 Kilo­me­tern Höhe unter­wegs sein, am Boden sind zumeist spezi­elle Antennen für den Netz­emp­fang nötig.

"Es ist entschei­dend, der erste zu sein, der den Service anbietet", sagt Chamussy von Airbus. "Tempo ist der Schlüssel." Ziel sei es, in den nächsten Jahren so schnell wie möglich sehr viele Satel­liten ins All zu bringen. Solange nur ein Bruch­teil von ihnen im All ist, funk­tio­niert das Welt­raum-Internet nicht richtig. "Das frisst dann nur die Lebens­zeit der Satel­liten", so Chamussy. Geplant ist dem Unter­nehmen zufolge, die digi­tale Kluft welt­weit bis spätes­tens 2027 zu über­winden. An den Start soll das Projekt aber schon viel eher gehen. Viele Fragen offen Gibt es also in wenigen Jahren überall auf der Welt Internet? "Nun ja, vieles ist auch noch unklar", gibt Bless vom KIT in Karls­ruhe zu bedenken. Prin­zi­piell sei es schon denkbar, den Groß­teil der Erde auszu­leuchten. Auch Orte ohne schnelles Internet in Deutsch­land könnten vom Welt­raum-Netz profi­tieren. Aller­dings brauche es eine Viel­zahl von Benut­zer­ter­mi­nals auf der Erde, die das Signal der Satel­liten umwan­deln. "Denn mit dem Smart­phone allein kann man das Signal noch nicht empfangen", so Bless. Das aber könnte teuer und aufwendig werden.

Auch die genaue Zusam­men­ar­beit mit Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­nehmen ist noch nicht im Detail geklärt. Müssen Nutzer mit "OneWeb", "Star­link" oder anderen Anbie­tern einen eigenen Vertrag abschließen? "Das wäre natür­lich eher unprak­tisch", so Bless. Oder koope­rieren bestehende Unter­nehmen mit den Welt­raum-Dienst­leis­tern und zahlen Roaming-Gebühren? Dann würde der Kunde wohl gar nicht mitbe­kommen, wenn er das Welt­raum-Internet nutzt. Offen ist zudem auch die Frage, ob das Netz wirk­lich für Menschen in allen Regionen der Welt erschwing­lich sein wird.

Internet aus dem All ist keine neue Idee. Anfang des Jahres hat Iridium seinen Dienst "Certus" vorge­stellt, der vor allem auch für auto­nome Fahr­zeuge, das welt­weite Tracking von Gütern und für Schiffe und Flug­zeuge gedacht ist. teltarif.de berich­tete

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dpa /

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