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02.06.2019 - 19:10
Handelskrieg

Editorial: Huawei wurde getroffen

Runde 1 im Handelskrieg geht an Donald Trump

Runde 1 geht klar an Donald Trump: Sein Handels­embargo gegen Huawei zeigt Wirkung: Google wird nach einer Über­gangs­frist von drei Monaten die Android-Unter­stüt­zung für Huawei einstellen. Für neue Geräte gibt es schon heute keine Zerti­fizie­rungen mehr, wodurch sich die Auslie­ferung des jüngst vorge­stellten Honor 20 Pro auf unbe­stimmte Zeit verschiebt. Auch das klapp­bare Huawei Mate X und der sonst im Herbst zu erwar­tende Nach­folger des aktu­ellen Mate 20 Pro werden mögli­cher­weise länger auf sich warten lassen.

Nach Berichten von Preis­vergleichs­portalen wird inzwi­schen deut­lich weniger auch nach den aktuell noch liefer­baren Huawei-Geräten wie dem Huawei P30 Pro gesucht. In Groß­britan­nien soll der Einbruch beson­ders groß sein und dabei über 50 Prozent betragen. Auch auf teltarif.de hat sich die Zahl der Klicks auf Huawei-Smart­phones im Vergleich zu den Spit­zenwerten von Anfang Mai inzwi­schen mehr als halbiert. Zugleich ist seitdem die Zahl der Klicks auf die Konkur­renten deut­lich gestiegen, allen voran Samsung.

Der tatsäch­liche Rück­gang bei den Verkaufs­zahlen dürfte sogar noch höher ausfallen, denn es ist zu erwarten, dass viele bishe­rige Kauf­inter­essenten von Huawei die Spezi­fika­tionen ihrer bishe­rigen Favo­riten nur dafür nochmal aufrufen, um diese für die Suche nach einem Vergleichs­gerät heran­ziehen zu können. So hat sich der Anteil der Nutzer auf teltarif.de, die vom Daten­blatt eines Huawei-Smart­phones zu einem Samsung-Gerät weiterkli­cken, deut­lich gestei­gert.

Und selbst, wenn Kauf­inter­essenten nach einer Internet-Recherche noch Huawei treu bleiben: Händler, die wegen der unsi­cheren Update-Situa­tion vom Huawei-Kauf abraten, dürften weiteren nega­tiven Einfluss haben. In einem Rund­schreiben an die eigenen Mitar­beiter rät die Deut­sche Telekom beispiels­weise: "Im Sinne des Inves­titions­schutzes sollte auf einen alter­nativen Anbieter ausge­wichen werden". Das bekommen dann natür­lich auch die Kunden im Telekom-Shop zu hören. Eigenes Betriebs­system in der Schub­lade

"make it possible" - Huawei-Leitspruch

Derzeit macht man es Huawei unmöglich, weiteres möglich zu machen
teltarif.de

Als hätte Huawei geahnt, dass es Probleme mit dem wich­tigen Partner Google geben wird, entwi­ckelt Huawei bereits seit einiger Zeit an einem eigenen Betriebs­system. Dieses HongMeng OS genannte System soll bereits 2018 die Einsatz­reife erreicht haben. Bis es auf die aktu­elle Gerä­tege­nera­tion portiert ist, wird es aber noch etwas dauern. Anfang 2020 soll es so weit sein. Das neue System könnte hier­zulande dann "Arc OS" oder "Huawei OS" heißen.

Android-Apps sollen auf Arc OS sogar schneller laufen als unter Android - mögli­cher­weise, weil sie statt in Java-Byte­code direkt in native Prozes­sorin­struk­tionen über­setzt werden. Zudem kann der Effi­zienz­vorteil der nativen Apps nicht nur für eine höhere Ausfüh­rungs­geschwin­digkeit, sondern (durch nied­rigere Taktung der Prozes­soren) zur Reduk­tion des Strom­verbrauchs genutzt werden. So lässt sich die Akku­lauf­zeit weiter stei­gern.

Wenn das alles so klappt, wie von Huawei geplant, und es Huawei zugleich gelingt, die Kamera aber­mals zu verbes­sern, dann wird das Huawei P40 Pro bei seiner Vorstel­lung im nächsten Früh­jahr das tech­nolo­gisch mit Abstand führende Smart­phone sein. Es wird aber das große Manko haben, ohne die Apps von Google (Chrome Browser, Google Maps etc.) und Face­book (neben Face­book auch Insta­gramm und der WhatsApp-Messenger) auskommen zu müssen. Das dürfte die Geräte in vielen Länder, Deutsch­land einge­schlossen, leider nahezu unver­käuf­lich machen. Eigene Prozes­soren!? Gravie­render noch dürfte für Huawei werden, dass auch der Prozessor-Desi­gner ARM die Zusam­menar­beit mit Huawei aufge­kündigt hat. Zwar stellt Huawei die Prozes­soren für seine Smart­phones bereits heute über­wiegend selber her, greift dafür aber zumin­dest zum Teil auf Designs und Patente von ARM zurück. Diese zu ersetzen, dürfte viel schwie­riger werden, als eine Android-Alter­native zu imple­mentieren.

Zu erwarten ist, dass Huawei trotz des Embargos zumin­dest auf dem Heimat­markt weiterhin Smart­phones verkaufen wird. Dort werden sich schnell Alter­nativen zu den Google- und Face­book-Apps finden. Damit sinken die Umsätze der USA in China, das Handels­defizit verstärkt sich damit sogar noch. Im Gegenzug wird man China auf der poli­tischen Bühne vorwerfen, west­liche Patente zu brechen. Das stimmt zwar, doch lässt man Huawei eben keine andere Wahl. Denn bis ein WTO-Schieds­verfahren zum Handels­embargo entschieden ist, dürften Jahre vergehen.

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