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23.06.2019 - 18:05
Technologie

Editorial: Laptop-Ladepower fürs Handy

Akkus sollen schneller laden. Das geht nur mit mehr Leistung

Die tech­nischen Daten von Smart­phones glei­chen sich immer mehr denen von Laptops an: Mit acht Kernen, Takt­raten von über 2 GHz, 8 GB RAM und 512 GB Flash­spei­cher über­trifft ein High-End-Smart­phone wie das Samsung Galaxy S10+ sogar die meisten Einsteiger-Laptops. Denn irgendwo muss der Hersteller bei Laptops unter 500 Euro ja sparen und so findet man bei diesen dann Zwei­kern­prozes­soren, 4 GB RAM und/oder SSDs mit nur 256 oder gar 128 GB Spei­cher. Auch bei der Bild­schirm­auflö­sung (Full HD Plus) haben die Smart­phone-Boliden inzwi­schen das Gros der Laptops hinter sich gelassen. Die Auflö­sung erreicht selbst bei den besseren trag­baren Compu­tern meist nur Full HD, bei den güns­tigen Einsteiger-Geräten ist gar HD ready mit 1366 x 768 Pixeln immer noch der Stan­dard. Hoch­auflö­sende Retina-Displays sind bei Laptops weiterhin eine Selten­heit, bei Smart­phones hingegen zuneh­mend auch in der Mittel­klasse zu finden.

Nun bläst Vivo zum Angriff auf eine der nächsten Laptop-Bastionen: die Leis­tung des Netz­teils. Bisher war diese bei Laptops mit typisch 65 Watt deut­lich höher als bei Smart­phones mit typisch 10 bis 20 Watt. Zwar gibt es bereits erste 40-Watt-Netz­teile für Smart­phones, doch Vivo will nun gleich den Sprung auf 120 Watt gehen. Mit dieser Leis­tung soll via "Flash Charge" ein Akku mit Stan­dard-Größe (4000 mAh) binnen 13 Minuten komplett befüllt werden. Da die Akku­ladung zum Ende hin lang­samer verläuft, sollte eine Minute ausrei­chen, um die ersten 10 Prozent des Akkus zu laden. Da letz­teres einer Nutzungs­zeit von typi­scher­weise einer Stunde entspricht, reicht also künftig eine Minute am Netz­teil aus, um eine Stunde Nutzungs­zeit zu gewinnen. Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass Smart­phone-Akkus sich bald so schnell "auftanken" lassen?

Die Akkus werden immer wichtiger: Hier ein umweltfreundlicher Folienakku der Firma Solid Energy (Itzehoe)

Die Akkus werden immer wichtiger: Hier ein umweltfreundlicher Folienakku der Firma Solid Energy (Itzehoe)
Foto: Picture Alliance / dpa

Damit sich weder Netz­teil noch Smart­phone bei dieser Super­schnell­ladung unan­genehm aufheizen, muss der Gesamt­wirkungs­grad bei ca. 95 Prozent liegen. Dann bleibt die Verlust­leis­tung mit 6 Watt noch im Rahmen. Möglich wird das insbe­sondere durch verbes­serte Akku-Chemie und neue Strom­wandler mit Tran­sistoren auf GaN-Basis, übri­gens demselben Mate­rial, das in blauen und weißen LEDs den Strom in Licht umwan­delt. Schnell­lade­fähige Akkus haben zudem meist die ange­nehme Eigen­schaft, zyklen­fester als Stan­dard-Akkus zu sein. Dennoch: Beson­ders lange wird der Akku vor allem dann halten, wenn man ihm die 120-Watt-Stromin­fusion nicht allzu oft gibt, und man ihn immer dann, wenn man ausrei­chend Zeit hat, gemüt­lich mit einem normalen 10- oder 20-Watt-Netz­teil lädt.

Die schnelle Ladung mit Quick oder gar Flash Charge wäre auch ganz unnötig, wenn Handy-Akkus endlich genug Kapa­zität hätten, um einen ganzen Tag durch­zustehen. Doch die nächste Akku-Genera­tion mit deut­lich gestei­gerten Kapa­zitäten lässt weiterhin auf sich warten. Bis diese auf den Markt kommt, verrin­gert Flash Charge immerhin die lästigen Warte­zeiten beim Nach­laden.

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