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06.01.2020 - 13:54
Kosmetik

Hessen: 5G-Ausbau soll verbessert werden

Funklöcher bleiben bestehen

Die Mobil­funk­anbieter wollen in diesem Jahr die Verfüg­barkeit des Mobil­funks mit dem sehr schnellen 5G-Stan­dard beispiels­weise im Bundes­land Hessen verbes­sern. Dazu planen die Netz­betreiber Telekom, Voda­fone und Telefónica für das Jahr 2020 einen Ausbau des zuletzt eher spär­lichen Ange­bots, wie eine Umfrage der Deut­schen Presse-Agentur für das Bundes­land Hessen ergab.

Bisher gibt es 5G für Kunden der Telekom in Teilen Frank­furts und Darm­stadts. Voda­fone betreibt sieben 5G-Mobil­funk­stationen in Offen­bach (bei Frank­furt), im Land­kreis Kassel, in Darm­stadt, Frank­furt-Sossen­heim und Esch­born (bei Frank­furt). Noch wenig 5G in Hessen

Im Frankfurter Stadtteil Sossenheim steht ein 5G-Sender von Vodafone. Er soll noch ein paar Nachbarn bekommen, die dann auch mit 5G senden.

Im Frankfurter Stadtteil Sossenheim steht ein 5G-Sender von Vodafone. Er soll noch ein paar Nachbarn bekommen, die dann auch mit 5G senden.
Foto: Picture-Alliance / dpa

Dabei ist "5G" im Moment gar kein komplett neues Netz, sondern ein Zusatz zum vorhan­denen Mobil­funk-Netz, erläu­terte beispiels­weise ein Voda­fone-Spre­cher. Voda­fone will nach und nach seine insge­samt 2070 Mobil­funk­stationen in Hessen mit 5G aufrüsten. Von Neubauten in Berei­chen, wo es derzeit noch gar kein oder nur extrem schwa­ches Mobil­funk­netz gibt, war in dem State­ment nicht die Rede.

Dafür soll im laufenden Jahr davon auf jeden Fall die Stadt Frank­furt von 5G profi­tieren, kündigt Voda­fone an. Konkur­rent Telekom will seine Abde­ckung in Darm­stadt und Frank­furt ausbauen, außerdem soll in diesem Jahr 5G in der Landes­haupt­stadt Wies­baden an den Start gehen.

Der dritte Netz­betreiber in Deutsch­land, die Telefónica Deutsch­land (Kern­marke o2) beginnt erst in diesem Jahr mit dem Aufbau eines 5G-Netzes - davon soll eben­falls Frank­furt profi­tieren.

Über die Ausbau­pläne des vierten Netz­betrei­bers 1&1-Dril­lisch gibt es weiterhin keinerlei Infor­mationen. Vermutet wird ein Netz­start am Firmen­sitz in Monta­baur (Rhein­land-Pfalz) auf 2600 MHz, die notwen­digen Frequenzen hat Dril­lisch vom Lizenz­partner o2 gemietet. 5G wird erst mit SA-Technik schnell Im späteren Ausbau mit der SA-(Stand Alone)-Tech­nologie soll 5G die Daten etwa 100 mal schneller trans­portieren als der Vorgänger 4G. Im Moment arbeitet 5G nur im NSA (Non Stand Alone) Modus, d.h. es kann nur mit Hilfe eines vor Ort bereits vorhan­denen oder aufge­bauten 4G-Basis-Netzes funk­tionieren. Hessen hat Aufhol­bedarf Dass in Hessen drin­gend etwas getan werden muss, sollte bekannt sein. So ergaben zufäl­lige Test­fahrten der teltarif.de-Redak­tion in Südhessen (Oden­wald­kreis) noch deut­liche Funk­löcher, wo beispiels­weise ganze Ortschaften entweder gar nicht oder kaum mit Mobil­funk versorgt sind.

Während die Telekom in der letzten Zeit fühlbar neue Sender in Betrieb genommen oder bestehende um LTE-Tech­nologie aufge­rüstet hat, die sogar indoor versorgt (etwa in Erbach), leiden Kunden von Voda­fone und o2 unter mangel­hafter Netz­versor­gung, die maximal Sprach-Tele­fonie, aber kaum nutz­bare Daten bietet. Sender mitten im Wald teltarif.de fand tief im Wald einen Voda­fone-Sender, der diesen Wald und eine Hand­voll Wanderer mit 4G versorgt, aufgrund der Entfer­nung und der Topo­graphie die benach­barten Orte aber kaum erreicht. Dieser Standort (ein ehema­liger TV-Umsetzer) wird auch von der Bundes­anstalt für Digi­talfunk (BDBOS) genutzt und bot sich daher für eine Voda­fone-Antenne an. Groß­stadt mit Versor­gungs­lücken Alleine schon in Südhessen leidet die 2018 neu gegrün­dete Stadt Ober­zent (10 000 Einwohner), die flächen­mäßig die dritt­größte Stadt Hessen bildet, je nach Orts­teil unter mangel­hafter bis gar nicht vorhan­dener Mobil­funk­versor­gung. "Gar nicht" bedeutet, kein 2G, 3G oder 4G. Zu nennen wären hier die Orts­teile Finken­bach (nur Telekom versorgt mit LTE bis Orts­mitte eini­germaßen, Voda­fone und o2 bieten nur schwa­ches oder kein 2G), Hinter­bach (abso­lutes Funk­loch) oder Falken-Gesäß, Airlen­bach (jeweils nur Telekom, andere Anbieter gar nicht). Fest­netz schon mit Glas­faser Das Fest­netz wurde im Auftrag und mit Förder­mitteln des Oden­wald­kreises schon vom hessi­schen Strom­versor­gunger ENTEGA mit Glas­faser (FTTC) erschlossen. Im Orts­teil Beer­felden konnte teltarif.de bei der Telekom 56 MBit/s im Down­stream messen, Voda­fone erreichte knapp 8 MBit/s und o2 blieb bei 1,5 MBit/s. Aufgrund von Leitungs­problemen (bei der Telekom) war in Beer­felden eine Zeit­lang der 3G/UMTS-Sender von o2 gestört. Auch die Telekom will schlecht versorgte Orts­teile von Beer­felden noch weiter ausbauen.

Weitere Regionen im Bundes­land können über ähnliche Erfah­rungen berichten. Die Mitnahme eines Dual-SIM-Tele­fones mit "Zweit­netz" kann die Situa­tion etwas entschärfen. Eine Einschät­zung 5G klingt toll, steht für Zukunft und Moderne. Die Bewohner der Orte, wo es bis heute nicht einmal 2G-Versor­gung gibt, können darüber nur müde lächeln. Dabei würde die Mobil­funk-Grund­versor­gung dieser Orte die gleich­zeitige Einfüh­rung von 2G bis 5G erlauben, weil dem Sende­mast es quasi egal ist, welche Tech­nologie er ausstrahlt, wenn eine nied­rigere weit­reichen­dere Frequenz gewählt wird. In diesen Orten dürfte die Freude über den Anschluss an die Jetzt­zeit den Bedenken über­wiegen, von daher ließen sich die Projekte kurz­fristig verwirk­lichen. Die Aktion "Wir jagen Funk­löcher" der Telekom ist dafür ein Beispiel. Von Voda­fone oder Telefónica sind solche Aktionen bislang nicht bekannt geworden.

Was wäre denn, wenn den Mobil­funk­anbie­tern das Ausrollen neuer Tech­nolo­gien an bereits versorgten Stand­orten so lange unter­sagt würde, bis sie alle nicht versorgten Gebiete erreicht hätten?

Oder haben die Mobil­funk­anbieter einfach den Mut, klar zu sagen: "Wir schaffen das nicht, weil es uns viel zu teuer und zu wenig rentabel ist"? Das wäre wenigs­tens ehrlich und würde dem Kunden klar signa­lisieren, was er "wert" ist.

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