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26.10.2018 - 11:25
Mobilfunk

5G und Rundfunk: Hochzeit mit Hindernissen

Rundfunk über 5G - wie das gehen soll, steht noch nicht fest.

Vor rund einem Jahr wurde auf den Medientagen München die 5G Media Initiative vorgestellt, die dafür sorgen sollte, dass die Belange des Rund­funks bei der Entwicklung des 5G-Standards nicht zu kurz kommen, denn hier prallen zwei Welten aufein­ander: Der Mobilfunk kennt nur die SIM-Karte, über die jeder Kunde identifizierbar ist. Der Rundfunk, speziell der öffentlich-rechtliche, basiert jedoch auf einem völlig anonymen Empfang. Hinzu kommt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen gesell­schaftlichen Auftrag hat, die Mobilfunkunternehmen hingegen nicht.

Huber Telefónica Medientage

Für Gerald Huber von Telefónica Germany sind die Rundfunk- und Mobilfunkwelt nicht vereinbar
MH Media

Für Gerald Huber von Telefónica Germany sind die unterschiedlichen Anforderungen von Mobil- und Rundfunk so groß, dass er nicht glaubt, dass Rund­funk über 5G laufen wird. „Beim Mobilfunk darf das Netz durchaus auch mal ausfallen“, sagte Huber, der bei Telefónica für die technische Einführung von 5G verantwortlich ist, auf den diesjährigen Medientagen. Der Rundfunk hingegen benötigt eine sehr hohe Netzverfügbarkeit. Hubers Meinung nach müsse sich der Rundfunk deshalb quasi ein eigenes Netz im Rahmen des 5G-Standards aufbauen. Da die fünfte Mobilfunkgeneration aus mehreren, komplementären Netzen bestehen wird, wäre das zumindest technisch machbar. Keine 5G-Geschäftsmodelle Die 5G Media Initiative hat inzwischen erreicht, dass der SIM-lose TV-Empfang Be­standteil des 5G-Standards ist. Allerdings sind nicht technische Details das Problem. "Bislang existieren keine konkreten 5G-Geschäftsmodelle“, monierte Holger Mainzer, Mitglied des Vorstands der Deutschen TV-Plattform, auf den Medientagen München. „Die Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichen Interessen zusammenzu­bringen.“ Mainzer verweist auf die DVB-T2-Einführung, die seinen Worten zufolge nur deshalb gelungen sei, weil sowohl öffentliche-rechtliche als auch private TV-Sender ihre Geschäftsmodelle umsetzen konnten. „Wir haben deshalb noch keine Geschäfts­modelle für 5G, weil es keine gemeinsamen Gespräche der einzelnen Stakeholder dazu gibt“, ergänzte Mainzer.

IRT 5G Medientage

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) zeigt auf den Medientagen München Anwendungen für die TV-Verbreitung über 5G
MH Media

Aber nicht nur die betroffenen Unternehmen müssen ins Gespräch kommen. Auch der Regulierer muss mit einbezogen werden, denn Mobil- und Rundfunk haben die terrestrische Verbreitung gemein, für die sie Frequenzen benötigen. „Für den Rund­funk sind Frequenzen günstig zu haben, aber sie sind verknüpft mit hohen Auflagen“, erklärte Helwin Lesch, Leiter Hauptabteilung Verbreitung und Controlling beim Baye­rischen Rundfunk, in München. „Für den Mobilfunk ist es umgekehrt: die Frequenzen sind teuer, aber die Auflagen gering.“ 5G führt nun diese beiden Welten zusammen, worauf jedoch die Regulierung nicht vorbereitet ist. Frequenzen werden für bestimmte Dienste wie eben Rundfunk, Mobilfunk oder etwa Satellitendienste vergeben. Durch 5G verschmelzen aber zwei dieser Dienste. Bedeutung wie Strom und Wasser Die Frage ist daher, wer in Zukunft welche Frequenzen zu welchen Bedingungen erhält. „Durch den Rundfunk erhält 5G auch eine gesellschaftliche Bedeutung wie etwa Strom oder Wasser“, ergänzte Roland Beutler, Distribution Strategy Manager beim Südwestrundfunk, auf den Medientagen. Sowohl öffentlich-rechtliche als auch private TV-Sender äußern sich besorgt über die Zunahme an Gatekeepern wie etwa durch den Sprachassistenten Alexa oder die Portale der Smart-TV-Hersteller. Daher stellt sich für sie auch die Frage, wer die 5G-Netze betreiben wird. Gerade hierüber ist im Rahmen der 5G-Standardisierung eine heftige Diskussion entbrannt.

Noch ist Zeit, die offenen Fragen zu klären. Telefónica-Manager Huber rechnet damit, dass sein Unternehmen 2019 mit dem Rollout von 5G beginnen wird. Der kommerzielle Start soll zwei Jahre danach erfolgen. Spätestens dann sollte fest­stehen, wer unter welchen Bedingungen welche Geschäftsmodelle über die nächste Mobilfunkgeneration betreiben darf.

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Marc Hankmann

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