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11.03.2014 - 11:04
Videokonferenz

Snowden schießt scharf gegen NSA-Chef Keith Alexander

Technologie-Festival South by Southwest thematisiert zunehmend Datensicherheit

Es wirkt reichlich provokant. Als der ehemalige US-Geheim­dienst­mit­arbeiter Edward Snowden sich direkt per Video­konferenz der Öffentlichkeit in seinem Heimat­land stellt, prangt im Hinter­grund ein mächtiges amerikanisches Symbol. Eine Kopie der originalen US-Verfassung umrahmt auf dem Bildschirm den wohl meistgesuchten Mann des Landes. Videokonferenz mit Snowden auf dem Technologie-Festival

Snowden wirbt um Verbündete in der Tech-Szene

Snowden wirbt um Verbündete in der Tech-Szene
Bild: dpa

Doch Snowden macht den Tausenden auf dem Technologie-Festival South by Southwest (SXSW) im texanischen Austin schnell klar, dass er es nicht ironisch meint, sondern bitter­ernst. "Ich habe einen Eid geschworen, die Verfassung zu achten und zu beschützen", erklärt er dem Publikum bei der ersten Frage­runde dieser Art seit seiner Flucht ins russische Exil. "Und ich habe gesehen, wie die Verfassung auf massive Weise verletzt wurde", sagt er mit Blick auf die extreme Daten­schnüffelei der US-Geheim­dienste, die er enthüllen half.

Die Zuschauer in den drei prall gefüllten Ver­anstaltungs­hallen im Austiner Kongress­zentrum klatschen und jubeln bei diesen Worten. Snowden hat bei der hier versammelten Technologie-Szene ohnehin ein Heimspiel. Mit der Zur­schau­stellung seines Patriotismus will er wahr­schein­lich zusätzliche Sympathien beim amerikanischen Volk sammeln.

Es scheint zu wirken. "Das war großartig", sagt Steven Coufal nach der rund einstündigen Zuschaltung. Nach Ansicht des 25-Jährigen hat Snowden seine Ansichten sehr wortstark dargelegt. "Das wird die Debatte weiter anheizen", erwartet der Marketingexperte. Die Leute hier seien ganz auf der Seite des Whistleblowers.

Während der Übertragung herrscht zwar weitgehend Stille im Saal. Aber die meisten Beobachter bringen das nicht mit mangelnder Begeisterung, sondern mit der schlechten Tonqualität in Verbindung, die genaues Zuhören erfordert. Das Videobild muss nach Angaben der Organisatoren über sieben verschiedene anonyme Server geleitet werden, um Snowdens Auf­enthalts­ort zu verstecken. Asyl von Snowden läuft bald aus Der 30-Jährige ist eindeutig bemüht, wenige Monate vor dem Ende seines vorläufigen Asyls in Russland in die Offensive zu gehen. Gegen Verantwortliche in Washington wie dem NSA-Chef Keith Alexander, die ihm Verrat vorwerfen, schießt er verbal scharf zurück. Sie seien mit ihrer Spionagewut die wahren Verfassungsbrecher und "schadeten unserer Internetsicherheit und nationalen Sicherheit", sagt er.

Snowden fordert gar einen "Aufseher für den Kongress", der die Öffentlich­keit informiere, was wirklich passiere. Denn die Abgeordneten würden diese Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen. "Wir können nicht Beamte wie (den Geheimdienst­direktor) James Clapper haben, die jeden anlügen können und dafür nicht kritisiert werden."

Der 18 Jahre alte Internet-Entwickler Luke Wright zeigt sich hinterher überzeugt. Snowden habe erstmals richtig verdeutlicht, was er eigentlich mit seinen Enthüllungen erreichen wollte. Dass die IT-Branche mehr dafür tun müsse, die Privatsphäre der Bürger zu schützen. "Ich bin auch sehr besorgt darüber, dass die Regierung all meine Daten speichern kann", sagt er. SXSW-Konferenz befasst sich zunehmend mit Sicherheitsthemen Dabei scheint Snowdens Appell an die Computer-Experten gar nicht unbedingt nötig gewesen zu sein. Die Sicherheit privater Daten in der digitalen Welt ist das beherrschende Thema bei der seit Freitag laufenden SXSW-Konferenz. Viele Firmen, deren Geschäftsmodell auf das Vertrauen der Nutzer baut, zeigen sich hier alarmiert. Giganten wie Apple und Google haben bereits stark in den Datenschutz investiert.

Tim Berners-Lee, einer der Gründerväter des World Wide Web, lässt Snowden während der Videokonferenz sein Lob ausrichten, weil durch ihn die Branche aufgewacht sei. Viele Festivalbesucher sahen es ähnlich und verabschieden Snowden mit Applaus. "Ich will ihn öfter erscheinen sehen, damit er die Menschen daran erinnern kann, was schief läuft", sagt der Zuschauer Devin McCullough.

Einige Politiker in Washington wollen das am liebsten vermeiden. Der Abgeordnete Mike Pompeo forderte die SXSW-Macher gar in einem offenen Brief auf, das Ereignis abzusagen. "Er kümmert sich mehr um seinen persönlichen Ruhm als um persönliche Privatsphäre", schrieb der Republikaner. Festival-Direktor Hugh Forrest konterte den Angriff im Magazin Forbes: "Ich habe noch nie einen Redner ausgeladen. Ich würde es toll finden, wenn die NSA hier mal einen Vortag hält."

Die gesamten Ereignisse seit der Enthüllung von Edward Snowden haben wir in einer Übersicht für Sie zusammengefasst.

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dpa / Jennifer Buchholz

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