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18.04.2015 - 13:31
Zugunsten von Digitalradio

Norwegen schaltet UKW-Hörfunk ab

Abschaltung im Jahr 2017 geplant

Wer im Sommer 2017 als Deutscher in Norwegen Urlaub macht und ein Radio dabei hat wird – sofern der Empfänger noch kein Digitalradio in den Modi DAB und DAB+ beherrscht - in den meisten Landesteilen nur noch Rauschen hören. Denn das norwegische Kultusministerium hat in dieser Woche bekannt gegeben, dass ab Januar 2017 die fünf nationalen UKW-Sendernetze sukzessive abgeschaltet werden sollen. Lediglich für kleinere Lokalsender gibt es noch eine Galgenfrist: Sie können vorerst weiter auf UKW senden. Die Abschaltung der nationalen Wellen beginnt im Norden und endet voraussichtlich Mitte bis Ende 2017 im dichter besiedelten Süden.

Die norwegische Regierung konnte das Ende von UKW aufgrund der schon heute hohen Durchdringung des Digitalradios in der Bevölkerung verkünden: 56 Prozent der Norweger hören täglich Radioprogramme über DAB und DAB+, mehr als 55 Prozent der Haushalte verfügen über mindestens einen DAB-Empfänger. Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur kündigt Digitalradio-Board an

DAB-Radio

Die Hersteller von DAB-Radios rühren kräftig die Werbetrommel: 2017 schaltet Norwegen den analogen UKW-Hörfunk ab.
Bild: Tivoli Audio

Dennoch war die Entscheidung alles andere als unumstritten und stößt bei vielen Medien­unternehmen auf Unverständnis. Norwegen bleibt in der Welt auch zunächst eine Ausnahme. Denn das digitale Radio mit DAB oder DAB+ ist bisher nur in vier Ländern weltweit eine Erfolgsstory: Neben Norwegen zählen Großbritannien, die Schweiz und Australien dazu. Mäßig erfolgreich ist das Digitalradio in Deutschland: Hierzulande besitzen aktuell rund acht Prozent der Bundesbürger ein DAB+-taugliches Endgerät. Insgesamt gibt es Hörfunk­übertragungen in DAB oder DAB+ bislang nur in rund fünf Prozent aller Länder der Erde.

Einige in Deutschland von der Technik überzeugte Parteien wie das Deutschlandradio, wenige ARD-Anstalten wie der Mittel­deutsche Rundfunk (MDR) sowie einzelne im Konsortium Digitalradio Deutschland vertretenen Privat­radios wollen, dass das Thema UKW-Abschaltung auch in Deutschland auf die Agenda kommt. Hiergegen laufen vor allem die übrigen privaten Sender, die mehrheitlich im Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) vertreten sind, Sturm.

Immerhin haben die Befürworter nun einen Teilerfolg erzielt: Das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat sich dem Thema angenommen und will ein Digitalradio-Board einrichten, um Deutschland auf eine mögliche Abschaltung der analogen Hörfunk­verbreitung vorzubereiten. Das kündigte Staats­sekretärin Dorothee Bär anlässlich der Präsentation der Studie "Terrestrischer Hörfunk: Zukünftige Entwicklung konkurrierender Übertragungswege" in Berlin an. Weitere Details zum Board und Ergebnisse der Studie will das Ministerium in Kürze bekannt geben. Schweden: Kritik an geplanter UKW-Abschaltung Wie kontrovers das Thema diskutiert wird, zeigt sich aktuell in Schweden, wo momentan das Jahr 2022 für eine UKW-Abschaltung im Gespräch ist. Eine Sprecherin des schwedischen Rechnungshofes sagte zuletzt, der Übergang mache volkswirtschaftlich wenig Sinn. Der Rechnungshof hatte zuvor das Digitalradio untersucht und ist zu einer schlechten Bilanz gekommen. Es sei zu bezweifeln, ob sich die Millionen-Investitionen wirklich auszahlen würden. Die Regierung habe zu sehr auf die Bedürfnisse der Branche gehört und die Belange der Hörer missachtet. Der Austausch aller analogen Radios durch digitale DAB-Empfänger koste die Haushalte viel Geld und bringe nur wenig Vorteile. Die Sprecherin verweist dabei auch auf die uneinheitliche Lage beim Digitalradio in Rest-Europa. Der Rechnungshof sieht daher erhebliche Risiken bei einer Umstellung auf DAB+ und empfiehlt, das UKW-Netz zu behalten. Dann könnten auch Hörer, die sich kein neues Gerät leisten könnten, weiter Radio hören. Der Mythos der Unabschaltbarkeit von UKW bröckelt Immerhin hat Norwegen nun bewiesen, dass der Mythos der Unabschaltbarkeit, den gerne kommerzielle Radiostationen in Bezug auf die UKW-Verbreitung anbringen, durchaus bröckeln kann. Doch auch bis 2017 kann noch viel Wasser in Norwegen von den Bergen in die Fjorde fließen: Auch anderswo gab es bereits Regierungs­beschlüsse zur UKW-Abschaltung, die wieder aus den Gesetzen gestrichen und verworfen wurden: Etwa in Großbritannien - oder auch in Deutschland, wo es eigentlich schon seit Ende 2010 auf der UKW-Skala rauschen sollte.

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