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03.04.2018 - 15:19
Fleckenjäger

Jagd auf weiße Flecken im Netz

Minister Scheuer will Funklöcher von den Kunden finden lassen

Bekanntlich hat die Regierungsbildung länger als geplant gedauert, deswegen startet die neue große Koalition jetzt beim Thema Netzausbau und Digitalisierung mit vielen Ankündigungen durch. Was daraus konkret werden könnte, ist noch nicht ganz klar.

So will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gemeinsam mit den großen Netzbetreibern die verbliebenen Funklöcher stopfen. Dazu soll noch vor der Sommerpause in seinem Ministerium ein sogenannter „Mobilfunkgipfel“ stattfinden, wo genau darüber gesprochen werden soll. Nicht im Funkloch stecken bleiben

Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (CSU), will Funklöcher jagen

Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (CSU), will Funklöcher jagen
Foto: Picture Alliance / dpa

„Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Bürger nicht im Funkloch stecken bleiben“, wird der CSU-Politiker laut den Zeitungen der Funke Mediengruppe zitiert. Für eine Wirtschaftsnation sei der Zustand der deutschen Mobilfunknetze untragbar. Noch in diesem Jahr wolle die Bundesregierung die Funklöcher stopfen und einen sogenannten Funklochmelder an den Start bringen. Die Bundesnetzagentur solle dabei eine wichtige Rolle spielen. Geplant: Die Funkloch-Melde-App Ein Funklochmelder soll eine App auf dem Smartphone sein, die ähnlich wie das Programm der ADAC-Staumelder funktionieren könnte, heißt es dazu aus dem Ministerium. Die Idee: Befindet sich ein Bürger in einem Funkloch, soll er das per App melden können – wenn er später wieder Netz hat. Alle Funklöcher würden dann auf einer öffentlich einsehbaren Landkarte veröffentlicht.

Diese Informationen müssten aber erst einmal von neutralen Fachleuten gesichtet, verglichen und ausgewertet werden. Viele ungeklärte Fragen Dabei tauchen viele Fragen auf: Hatte der Nutzer ein defektes oder empfangs­schwaches Mobiltelefon? War der örtliche Sender wegen Wartungsarbeiten offline oder hat der Kunde den für den Ort falschen Anbieter oder den falschen Vertrag (z.B. ohne Freischaltung für LTE) gewählt oder gibt’s dort wirklich überhaupt keine Funkversorgung?

Die Bundesnetzagentur soll jährlich einen Bericht über die Sicherstellung der zugesagten Netzabdeckung veröffentlichen und gegebenenfalls Handlungs­empfehlungen aussprechen. Auf der Grundlage dieser Informationen könnte die Regierung mit den Mobilfunk-Anbietern darüber sprechen, wo weitere Sendemasten aufgestellt werden müssten. Auf der Jagd nach den weißen Flecken Das heißt dann im Politikerjargon „die Jagd auf die weißen Flecken im Mobilfunknetz ist eröffnet“ und klingt natürlich erst einmal toll.

Und selbst wenn die Funklöcher identifiziert sind und ein oder alle Netzbetreiber beschließen, wirklich zu bauen, geht das nicht so schnell, wie es die Politiker gerne hätten.

In der Praxis stoßen die Mobilfunkanbieter konkret vor Ort auf Bedenkenträger, weil Sendemasten „nicht so hübsch“ aussehen oder völlig unbegründete diffuse Ängste vor sogenannter „Strahlung“ die öffentliche Stimmung und Werte von Grundstücken oder Gebäuden beeinflussen können.

Dass mit zunehmender Entfernung der Sendestation vom Nutzer die Strahlungsbelastung beim Nutzer steigt (weil das Mobilgerät „stärker senden“ muss) wird dabei gerne übersehen. Man möchte das maximal beste Netz haben, aber natürlich keine (sichtbaren) Sendemasten. Viel mehr kleine Sender? Es gäbe Alternativen: Kleinzellige Konzepte erlauben kleinere (unauffälligere) Antennen, sind natürlich auch etwas teurer, weil viel viel mehr Sender als bisher aufgebaut werden müssten. Das ist auf Schnäppchen jagenden Kunden nicht so einfach zu vermitteln. Wundernetz 5G Aber nicht nur die Funklöcher sollen von der Netzabdeckungs-Landkarte verschwinden. Für die kommenden Jahre steht überall das Thema 5G (5. Generation) auf der Tagesordnung. Was das genau ist, wissen in der Politik wohl nur Wenige. Technisch gesehen ist 5G der zukünftige Mobilfunkstandard, der ab dem Jahre 2020 mehr Kapazität, höhere Geschwindigkeiten und vor allen Dingen kürzere Antwortzeiten (Ping, Latenzen) bringen soll. Niedrige Ping-Zeiten sind beispielsweise bei zeitkritischen Anwendungen wie dem selbstfahrenden Auto existenziell wichtig. 12 Milliarden stehen bereit Insgesamt wolle die neue Regierung, so hört man aus Berlin, „bis zu zwölf Milliarden Euro für den Ausbau der digitalen Infrastruktur beisteuern“. Darin soll auch der Ausbau des Mobilfunknetzes enthalten sein. Nach den Vorstellungen der Politik soll Deutschland dabei zum „Leitmarkt“ werden. Opposition sieht es differenziert Logisch, dass die Opposition im Deutschen Bundestag das differenzierter sieht. Die netzpolitische Sprecherin der Grünen, Tabea Rößner, erinnerte daran, dass Scheuers Vorgänger Alexander Dobrindt (CSU) bereits die Schließung von Funklöchern versprochen habe und dabei „kläglich gescheitert“ sei. „Wir brauchen keine Gipfel, sondern endlich Investitionen in den Netzausbau“, forderte Rößner. Hier seien auch die Unternehmen in der Verantwortung, die bei der letzten Frequenzversteigerung eine Versorgungsverpflichtung eingegangen seien, die sie auch einhalten müssten. Lösung: National Roaming? Beim National Roaming könnte beispielsweise ein Kunde von Netz A, das am Standort aber nicht versorgt, ins dort sendende Netz B einbuchen. Das geht heute schon bei Notrufen (Notruf 112), aber nicht bei normalen Gesprächen. Die Neigung, den Netzausbau sein zu lassen und lieber bei einem andern Anbieter zu „roamen" könnte bei „kleineren“ Anbietern hoch sein. Große Unternehmen wie die Deutsche Telekom sehen das mit gemischten Gefühlen. Es gäbe dann keinen Wettbewerb mehr bei der Netzqualität, sondern alle würden gerne den billigsten Anbieter wählen und sich bei Bedarf auf das Roaming verlassen, das zu regulierten „Niedrig“-Preisen wenig Spielraum für Investitionen ließe. Was könnte der Nutzer tun?

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