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13.10.2017 - 12:23
5G Splitter

Telekom: Bei Frequenz-Auktionen verbratenes Geld fehlt beim Ausbau

5G: Netzinvestitionen von etwa 5 Milliarden Euro

Claudia Nemat und Bruno Jacobfeuerborn beim 5G-Event der Telekom

Claudia Nemat und Bruno Jacobfeuerborn beim 5G-Event der Telekom
Bild: teltarif.de

Am Rande der 5G-Veranstaltung der Telekom in Berlin am Donnerstag wurde der Gruppen-CTO der Deutschen Telekom, Bruno Jacobfeuerborn, zum kommenden Netzausbau befragt. Insbesondere ging es um den Detailausbau mit sogenannten "Small Cells". Diese haben eine Reichweite von etwa 400 Meter und werden teilweise im regulären Wirknetz, teilweise auch auf 3,7 GHz erprobt. Auf 3,7 GHz sendet die Telekom mit einer Versuchsfunklizenz der Bundesnetzagentur auch den Vorabtest von 5G in vier Zellen rund um die Winterfeldtstraße in Berlin.

Jacobfeuerborn wies darauf hin, dass die künftigen Frequenzen für 5G in Kürze in Europa ausgeschrieben werden. Dabei werde 5G überwiegend auf Frequenzen unterhalb 6 GHz stattfinden. Derzeit seien Frequenzen zwischen 3,5 und 4 GHz, möglicherweise bei 5,9 GHz, aber auch 1800 MHz oder 2100 MHz denkbar.

Auf die Frage, ob das bei den Auktionen ausgegebene Geld für einen Netzausbau nicht verloren sei, antwortet Claudia Nemat, die im Telekom-Vorstand für die Technik verantwortlich ist. Sie hoffe, dass die Politiker gelernt haben, dass Geld, was in Auktionen "verbraten" wurde, nicht mehr für den Netzausbau verwendet werden kann. Sie hoffe inständig, dass "die Message angekommen ist".

Nemat kündigte Netzinvestitionen von etwa 5 Milliarden Euro an. Dieser Betrag umfasse nicht allein den Mobilfunk, sondern auch Festnetz, Glasfaser und vieles mehr. 99 Prozent Netzabdeckung angestrebt

Beim zukünftigen Netzausbau strebt die Deutsche Telekom mit LTE eine 99-Prozent-Netzabdeckung an. Langfristig soll dann LTE-A (LTE Advcanced) durch 5G ergänzt werden. Und irgendwann in ferner Zukunft könnte 5G auf Frequenzen bei 28 GHz stattfinden, aber im Moment sei das noch kein Thema. Zunächst sei 28 GHz für den sogenannten "Campus Ausbau" denkbar. Damit ist die Abdeckung von größeren Gebäuden oder Geländen gemeint.

Die vom Bundesverband Glasfaser ins Spiel gebrachte Zahl von 1,2 Millionen notwendigen zusätzlichen neuen Antennen wollte Jacobfeuerborn nicht kommentieren. Fest stehe aber, das es in Zukunft deutlich mehr Antennen als bisher geben werde. Alle drei Netzbetreiber hätten derzeit rund 90 000 Antennen in Betrieb. Wie viele Antennen am Ende gebraucht würden, hinge von den zur Verfügung gestellten Sendefrequenzen ab. 5G-Rundfunk statt DAB+? Auch die Frage nach Rundfunkübertragungen (Broadcast) über künftige 5G-Netze fand Jacobfeuerborn sehr spannend. Er hielte das sofort für machbar, "wenn die Rundfunkanstalten" ihre Frequenzen unter 600 MHz dafür zur Verfügung stellen würden. (Derzeit senden sie bei 470 MHz noch die Fernsehprogramme in DVB-T/T2-Technik und bei ca. 220 MHz DAB+ für Radio.) Er gehe davon aus, dass sich hier etwas bewegen werde.

In einigen Ländern ist man dazu übergegangen, verstärkt auch "unlizenzierte" Frequenzen für die Mobilfunkversorgung einzusetzen. Da hier keine Lizenzen notwendig sind, entstehen auch keine Lizenkosten, die Technik wird auch LAA genannt.

In den USA wurde LAA eingeführt, weil es dort zu wenig Frequenzen gebe. Die Technik für LAA gebe es bereits. Auch hier hänge es davon ab, welche Ergebnisse die geplante Frequenzauktion Ende 2018 / Anfang 2019 bringen werde. Telekom: Immer zwei Lieferanten Die Tatsache, dass der chinesische Hersteller Huawei bei den ersten Versuchen in die engere Auswahl gekommen sei, läge an der Innovationskraft des Herstellers.

Es sei aber "Policy" der Deutschen Telekom, mit allen relevanten Herstellern zusammenzuarbeiten. Dabei würden für eine Technologie immer zwei verschiedene Lieferanten ("Vendors") genommen. Derzeit sind die Unternehmen Ericsson und Nokia (vormals Nokia-Siemens) im Gespräch. Digitaler Polizeifunk künftig mit 5G? Könnte 5G eines Tages den heutigen digitalen Behördenfunk (BOS-TETRA) ablösen? Auch das, so Jacobfeuerborn, sei eine hochpolitische Frage. "Technisch ist das machbar. Wir würden einen 'secured Network-Slice' im 5G Netz für die Sicherheitsbehörden vorsehen, streng vom allgemeinen Betrieb abgeschirmt. In Europa verlasse sich nur Großbritanniens Polizei auf ein öffentliches Mobilfunknetz ("Open Wave"), alle anderen Polizeien wollen etwas Eigenes haben. "Da wird viel Geld verbraten!"

Jacobfeuerborn ist sich sicher: Wenn das Geld ausgeht, wird die Diskussion wieder kommen. Hintergrund der Frage dürfte die Tatsache sein, dass beispielsweise die Münchner Polizei spezielle iPhones beschafft hat, um Bilder und Videos schneller übertragen zu können, weil die maximal möglichen Datenraten im TETRA-BOS Behördenfunk viel zu gering sind.

In einem großen Hintergrundbericht zum Pre-5G-Start in Berlin haben wir bereits aufgezeigt, wie 5G zukünftig in der Praxis eingesetzt werden und unser Leben verändern wird.

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