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21.04.2019 - 12:00
Umbruch

Internet: Taxifahrer, Hoteliers und Ladenbesitzer fürchten sich

Handel, Banken, Taxis, Hotels, Gesundheit und mehr

Die Proteste der Taxi­fahrer gegen die Pläne zur Libe­ra­li­sie­rung des Fahr­dienst­marktes lenken wieder die Aufmerk­sam­keit auf Umbrüche in klas­si­schen Bran­chen durch das Internet. Die Heraus­for­derer sehen dabei ihre Chance darin, besser und/oder güns­tiger als die Platz­hir­sche zu sein. Seit Jahren sind viele Indus­trien im Wandel:

Handel: Im deut­schen Einzel­handel sorgte der Siegeszug des Online­han­dels in den vergan­genen Jahren für einschnei­dende Verän­de­rungen. Lag der Anteil des Online­han­dels an den Einkäufen der Bundes­bürger im Jahr 2000 noch weit unter ein Prozent, so wird inzwi­schen nach Angaben des Handels­ver­bandes Deutsch­land (HDE) mehr als zehn Prozent der Umsätze im Internet gemacht.

Doch sind die Anteile der Online-Händler je nach Branche sehr unter­schied­lich. Im Lebens­mit­tel­handel etwa spielt das Internet mit einem Umsatz­an­teil von rund einem Prozent nach wie vor nur eine unter­ge­ord­nete Rolle. Bei Mode und Acces­soires sowie bei Elek­tronik wandert dagegen inzwi­schen schon mehr als ein Viertel der Konsu­men­ten­aus­gaben in die Kassen von Amazon, Zalando und Co.

Das hinter­lässt mitt­ler­weile auch sicht­bare Spuren in den deut­schen Innen­städten. In immer mehr Einkaufs­straßen klagen die Händler über rück­läu­fige Kunden­zahlen. Gerade in kleinen und mitt­leren Städten, aber auch in den Unter­zen­tren der Metro­polen sind deshalb immer häufiger leer­ste­hende Läden zu finden.

Finanz­dienst­leister: Klas­si­sche Banken und Versi­che­rungen werden in Deutsch­land von einer ganzen Flotte von Finanz-Star­tups ange­griffen. Die jungen Unter­nehmen warben allein im ersten Quartal 2019 von Inves­toren 686 Millionen Euro ein und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, wie aus Zahlen der Bera­tungs­firma Barkow Consul­ting hervor­geht. Ein Star in der Szene ist die Berliner App-Bank N26, die inzwi­schen mehr als 2,5 Millionen Kunden gewonnen hat. N26 musste zuletzt sich aber auch kriti­sche Fragen gefallen lassen, ob die 800 Mitar­beiter beim Kunden­sup­port und der Abwehr von Betrugs­ver­su­chen über­for­dert sind.

Auf große Reso­nanz stoßen auch Fin-Techs wie der Auto­ver­si­cherer Friday, der Policen nach gefah­renen Kilo­me­tern bepreist, oder das Versi­che­rungs-Start-up Wefox, das unter anderem den schnellen Abschluss von Haus­rats- und Haft­pflicht­ver­si­che­rungen per App anbietet. Bei manchen Fin-Techs betei­ligen sich auch Player aus dem Silicon Valley an der Jagd auf die deut­schen Finanz­riesen. So steckte zuletzt der US-Zahl­dienst PayPal 100 Millionen Euro in die Berliner Firma Raisin, die Anle­gern über das Portal "Welt­sparen" Tages- und Fest­gelder bei Banken im Ausland vermit­telt und etwas höhere Zinsen als inlän­di­sche Insti­tute verspricht.

Apotheken: Medi­ka­mente kaufen die Deut­schen immer noch meist in der Apotheke um die Ecke. Doch auch hier wächst die Online-Konkur­renz: Tabletten oder Salben lassen sich längst bei Amazon oder DocMorris kaufen. Vor allem der Handel mit rezept­pflich­tigen Medi­ka­menten über Versand­apo­theken ist der Apotheker-Lobby ein Dorn im Auge. Da DocMorris und Co. Rabatte gewähren, sieht die Apothe­ker­lobby ABDA in ihnen eine Gefahr für die knapp 19 500 Apotheken in Deutsch­land. Auch gibt es seit Jahren Streit zwischen DocMorris und den Apotheken um einen Arznei-Auto­maten in Hüffen­hardt (Neckar-Oden­wald-Kreis).

Die Apothe­ker­ver­ei­ni­gung ABDA fordert ein prin­zi­pi­elles Verbot des Versand­han­dels mit rezept­pflich­tigen Medi­ka­menten im Netz. Das lehnte Gesund­heits­mi­nister Jens Spahn (CDU) aus euro­pa­recht­li­chen Gründen ab. Er will ledig­lich gegen die Rabatte von Versand­händ­lern vorgehen. Bisher ist der Markt­an­teil von Versand­apo­theken hier­zu­lande in dem Geschäft aber ohnehin winzig: 2017 wurde nur ein Prozent des Umsatzes mit verschrei­bungs­pflich­tigen Arzneien im Versand­handel erzielt, so die ABDA. Bei rezept­freien Mitteln lag der Markt­an­teil bei 17 Prozent.

Die Reisebranche verändert sich durch das Internet beispielsweise stark

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Bild: dpa

Gast­ge­werbe: Hotels haben ein gespal­tenes Verhältnis zum Internet. Zum einen kann es ihnen helfen, in letzter Minute noch freie Zimmer zu füllen. Zum anderen sorgen Platt­formen wie AirBnB, auf denen Unter­künfte als Alter­na­tive zum Hotel ange­boten werden, für neue Konkur­renz. AirBnB versucht gerade, ein freund­li­cheres Verhältnis zum Hotel­ge­werbe unter anderem mit dem Kauf der Last-Minute-App Hotel­To­night aufzu­bauen. AirBnB und Co. sind in vielen Metro­polen aber auch unter Druck, weil die Städte den Miet­markt durch solche Kurz­zeit-Ange­bote ausge­höhlt sehen.

Verkehr: In den USA verän­derten Uber und Lyft den Trans­port­markt, indem sie per App auch Privat­leute mit ihren eigenen Autos Fahr­gäste beför­dern ließen. In Europa versuchte Uber das auch, schei­terte aber an recht­li­chen Hürden, sodass die App nur Miet­wagen mit Chauf­feur und Taxis vermit­telt. Zugleich gibt es aber auch Über­le­gungen, Einschrän­kungen für Miet­wagen zu lockern. Dazu gehört zum Beispiel die Rück­kehr­pflicht, die besagt, dass das Fahr­zeug zumin­dest auf dem Rückweg zu seinem Standort sein muss, um einen neuen Auftrag annehmen zu können.

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dpa /

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