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15.04.2018 - 12:32
Digitalradio

DAB+ Marke Eigenbau: Projekt in Rheinland-Pfalz mit mehr Reichweite

Gemeinde betreibt Digitalradio-Anlage selbst

Im August 2017 startete im rheinland-pfälzischen Bretzenheim bei Bad Kreuznach erstmals in Deutschland ein Programmbouquet im terrestrischen Digitalradio DAB+, das nicht von der ARD oder dem Sendernetzbetreiber Media Broadcast in den Äther geschickt wurde. Hierüber ausgestrahlt werden – derzeit noch im Testbetrieb – das Pfarrradio Studio Nahe, das neben einem Unterhaltungsprogramm auch Gottesdienste überträgt, und mehrere Testkanäle mit unterschiedlichem Fehlerschutz (Protection Level).

Jetzt zündet der Betreiber, die Gemeinde Bretzenheim, die nächste Stufe: "Mit der Verlagerung der Sendeantenne vom Kirchturm in Bretzenheim auf den Kuhberg nach Bad Kreuznach lösen wir das Problem der bisher schlechten Versorgung im Haus", erklärt Projektleiter Michael Pauken. "Wir sorgen ab sofort nicht nur für eine gute Indoor-Versorgung in der 50 000-Einwohner-Stadt Bad Kreuznach, sondern auch im gesamten unteren Nahetal bis Bingen". Wer Studio Nahe bereits über DAB+ hört, braucht nichts unternehmen, da die Sendeparameter unverändert sind. Nach wie vor wird im Kanal 12A gesendet. Eigene Sende-Infrastruktur garantiert günstige Preise

Die neue Sendeantenne auf dem Kuhberg in Bad Kreuznach

Die neue Sendeantenne auf dem Kuhberg in Bad Kreuznach
Foto: Digitalradio Bretzenheim

Die Besonderheit ist, dass die Betreiber die gesamte Infrastruktur selbst aufgebaut haben: Auf dem Kuhberg wurde die Antenne auf einem ehemaligen US-Gebäude, das heute der Stadt Bad Kreuznach gehört, installiert. Für den Bau der Antenne und die Konzeption der Sendeanlage ist das Unternehmen Milling Broadcast Services aus Nordrhein-Westfalen verantwortlich. Betrieben wird die Anlage derzeit mit einer Sendeleistung von 200 Watt, möglich wäre eine Erhöhung auf bis zu 500 Watt.

Geschäftsführer Christian Milling: "Wir verwenden eine Kombination aus professioneller Sendetechnik und Open-Source-Software auf Linux-Basis. Dieser Mix ermöglicht gerade für kleinere Programmanbieter, wie zum Beispiel Lokalradios oder nichtkommerzielle Projekte, einen kostengünstigen Einstieg in die digitale Rundfunkwelt. Das Prinzip nennt sich Open DAB, steht aber in puncto Zuverlässigkeit und Qualität den deutlich teureren kommerziellen Produkten auf dem Markt in nichts nach". Weitere Programme noch in diesem Jahr? Studio Nahe soll nicht das einzige Programm bleiben, das von der neuen Sendeanlage auf dem Kuhberg ausgestrahlt werden soll. Denn in ein DAB+ Bouquet passen bis zu 16 Sender. Die Betreiber hoffen, dass die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) in Ludwigshafen die Kapazitäten im Sommer offiziell ausschreibt, damit nach dem Testbetrieb der Regelbetrieb starten kann.

„Wir haben bereits einige Interessenten, die gerne unsere Sendeanlage mitnutzen würden“, sagt Michael Pauken. „Während die großen Veranstalter noch zögerlich sind, zeigen vor allem kleinere Projekte, beispielsweise Internetradios, großes Interesse“. Pauken verweist auch auf die große Resonanz vergleichbarer Projekte in den sächsischen Städten Leipzig und Freiberg, und hofft auf ein ähnlich starkes Echo in Rheinland-Pfalz.

Dabei kommt den Veranstaltern auch zu Gute, dass der digitale Radioempfang im Nahetal und speziell in Bad Kreuznach noch unbefriedigend und in geschlossenen Räumen oft gar nicht möglich ist. "Wir ermöglichen Programmveranstaltern, und dazu gehören auch die bestehenden UKW-Veranstalter, eine äußerst kostengünstige digitale Verbreitungsmöglichkeit und sorgen für eine bislang unbekannte Vielfalt im Äther durch neue Programme und Formate", erklärt Michael Pauken. Projekt könnte Modellcharakter haben Das Projekt in Rheinland-Pfalz könnte Modellcharakter für ganz Deutschland haben: Mit einer solchen Eigenbau-Lösung entsteht nicht nur Wettbewerb beim Sendebetrieb, sondern kleinere Lokalradios und nichtkommerzielle Projekte erhalten zu günstigen Preisen schon ab 100 Euro im Monat eine Ausstrahlungsmöglichkeit im terrestrischen Digitalradio. Gebühren, die über die analoge UKW-Technik undenkbar wären: Hier kostet der Betrieb eines Low Power-Senders 5000 Euro monatlich und mehr.

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