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Meldung Tipps & Info Tarifrechner 25.04.19
Nahfunk

Von Bezahlen per Handy bis Chip-Implantat: Das kann NFC

RFID-Ableger macht Datenaustausch kontaktlos

In Deutschland ist es noch immer nicht überall Standard, anderswo jedoch schon gang und gäbe: Das Bezahlen per Handy mittels NFC-Technologie. Der draht­lose Funk­standard ermög­licht den Daten­aus­tausch zwischen zwei Geräten - etwa einem Smart­phone und der Super­markt­kasse. Wer zum Bei­spiel in Schweden in der Schlange wartet, wird ein Groß­teil der Kunden anstelle des Porte­monnaies das Handy zücken sehen. Muss aller­dings an der Kasse zuerst eine Nummer ange­rufen oder eine SMS versen­det und dann eventu­ell noch eine PIN einge­tippt werden, ist das Be­zahlen per EC-Karte oder schlichtem Bargeld doch die ein­fachere Variante. NFC-Chips können den Bezahl­vorgang stark ver­einfachen - das NFC-taug­liche Handy muss ledig­lich kurz über ein Termi­nal gehalten werden, um die Transaktion abzuwickeln. Wie funktioniert das?

NFC (Near-Field-Communication) erfolgt berüh­rungs­los über kurze Distan­zen von bis zu circa 10 Zenti­metern und bietet äußerst viel­fältige Einsatz­möglich­keiten. Auch hier sind die pro­gressiven Schweden uns einen Schritt voraus. Der Stock­holmer Bio­hacker-Verband BioNyfiken arbeitet gar an NFC-Chip-Implan­taten, die sich Nutzer direkt unter die Haut setzen lassen können. Nichts als Zukunfts­musik? Wir werfen einen Blick auf die Möglich­keiten und Funktions­weise von NFC. Die Technik hinter NFC

NFC Chip Implantat

Geht unter die Haut: NFC-Chip-Implantat
Foto: BioNyfiken

Was macht die Nahfunk-Techno­logie so besonders? Im Unter­schied zu WLAN oder Bluetooth müssen NFC-Ver­bindungen nicht erst manu­ell einge­richtet werden. Die Chips ver­knüpfen sich auto­matisch, ohne dass der Nutzer irgend­etwas in sein Smart­phone ein­tippt. So erfolgt die Kopplung zweier Geräte äußerst schnell und unkom­pliziert, allein durch räum­liche Nähe. NFC-Chips können sowohl im aktiven als auch im passiven Modus arbeiten, also senden und empfangen. Der passive Modus funktio­niert selbst dann, wenn das Smart­phone oder Tablet aus­geschal­tet ist. Die nötige Energie liefert in diesem Fall die Radio­frequenz des Partner-Gerätes. Somit ist es auch möglich die Chips ohne eigene Strom­quelle zu ver­bauen, zum Bei­spiel in Arm­bändern, Schlüssel­anhängern, Auf­kle­bern oder sogar im eige­nen Körper.

Soll der NFC-Chip jedoch aktiv Daten versenden oder Infor­mationen von einem anderen Gerät aus­lesen, so benötigt er eine eigene Strom­quelle, zum Bei­spiel den Handy-Akku. Die Chips funken auf einer Frequenz von 13,56 MHz über ein Magnet­feld und über­tragen derzeit bis zu 424 kBit/s. Weil dies ver­gleichs­weise langsam ist und die Technik nur sehr kurze Distanzen von bis zu etwa 10 Zenti­metern erlaubt, sind die Einsatz­möglich­keiten ent­sprechend begrenzt. Anderer­seits hat die Beschrän­kung auf geringe Distanzen den Vorteil, dass ein relativ schwaches Funk­signal genügt, wodurch auch der nötige Aufwand an Energie relativ gering ist. Die größeren Her­steller jeden­falls haben das Potential von NFC erkannt. In den mobilen Betriebs­systemen wurde NFC-Support sukzessive nachgerüstet - mit iOS, Android und Windows Phone sind die großen Plattformen schon jetzt fit für NFC. Von Ticketkauf bis Cyborg: Einsatzmöglichkeiten von NFC

NFC Bezahlen mit dem Handy

NFC: Bezahlen und mehr mit dem Handy
Bild: teltarif.de

Noch hat sich die NFC-Technik nicht flächen­deckend durch­gesetzt, doch sie ist auf dem Vor­marsch. Und die Anwen­dungs­bereiche sind viel­fältig, wie die folgenden Bei­spiele zeigen.

NFC-Bluetooth-Kombination NFC wird als ideale Ergänzung für Bluetooth angesehen. Der etablierte Bluetooth-Funk hat eine größere Reichweite und ermöglicht höhere Daten­über­tragungs­raten, doch die Her­stel­lung einer Verbin­dung ist vergleichs­weise umständ­lich. NFC kann eine Blue­tooth-Verbin­dung schnell und unkom­pliziert aktivieren. Die betref­fenden Geräte werden einfach kurz anein­ander gehalten und können sofort wieder getrennt werden. Das umständliche Pairing - die Erstel­lung von Verbin­dungs­schlüs­seln beim erst­maligen Funk­kontakt zweier Bluetooth-Geräte - ent­fällt. Auf diese Weise können bei­spiels­weise Daten auf Handy und Laptop schneller und einfacher synchro­nisiert werden. NFC und Datenschutz

Touchpint Deutsche Bahn

Das Touch&Travel-System der Deutschen Bahn nutzt NFC
Foto: Deutsche Bahn

Mit der geringen Reich­weite ist ein gewisses Maß an Sicher­heit bereits in den NFC-Stan­dard einge­baut, denn aus der Ferne eine ungebetene Verbin­dung herzu­stellen, ist mit NFC nicht möglich - oder etwa doch? Das von Studenten der TU Darm­stadt ins Leben geru­fene Projekt NFCGate versucht genau dies. Über die App lassen sich NFC-Pay­ment-Vor­gän­ge gezielt mani­pulieren, sodass ein Hacker mehrere hunderte Kilo­meter entfernt mit einer fremden NFC-Kredit­karte bezahlen kann. Eine reale Gefahr für den Alltag bedeute dies jedoch nicht, so die Ent­wickler gegen­über teltarif.de.

Dennoch bleibt die Technologie umstritten. Besonders beim Einsatz in NFC-fä­hi­gen Geld­karten, wie sie bei­spiels­weise seit 2012 von der Sparkasse ausge­geben werden, sehen Daten­schützer ein Risiko. Die elek­tronischen Geld­börsen speichern Infor­mationen über getätigte Trans­aktionen inklu­sive Datum, Uhr­zeit, Betrag und Rest­gut­haben sowie Händler­karten­nummern und eine eindeutige Kenn­nummer, die zur Identi­fikation der Karte dient. Diese Daten können ohne PIN-Num­mer ausge­lesen werden - also theo­retisch von jedem. Ist das wirklich sicher? Die Spar­kasse jeden­falls weist darauf hin, dass das Auslesen durch Dritte mit einer geeig­neten Alumi­nium-Schutz­hülle verhindert werden könne. Selbst das Klein­geld im Porte­monnaie reiche aus, um die Kommu­nikation mit der NFC-Schnitt­stelle zu behindern. Unterschiede zu RFID NFC basiert auf der RFID-Technik, die schon in weitaus größerem Umfang eingesetzt wird und auch ein höheres Maß an Bekanntheit erlangt hat - wohl nicht zuletzt auf­grund von Bedenken um Daten­schutz und Privatsphäre, die sich mit ihr verbinden. Wichtigster Unter­schied neben der geringeren Reich­weite des NFC-Funks ist, dass dieser auch auf zwei aktive Kommuni­kations­teil­nehmer, also Peer-to-Peer-Ver­bindun­gen aus­gelegt ist, während ein RFID-Chip meist nur passiver Gegen­part des aktiven Lese­geräts ist. Der Standard wird daher haupt­säch­lich in Identi­fikations­doku­menten wie Reise­pass oder Personal­ausweis einge­setzt.

Wegen der technischen Verwandt­schaft wird die in Handys einge­setzte NFC-Tech­nik zuweilen den­noch unter dem Etikett RFID behan­delt. Aus­führ­liche Infor­mationen über die Technik hinter "Radio Frequency Identification" finden Sie in unserem Beitrag zur RFID-Technologie. Weitere Ratgeber rund um NFC und RFID in der Übersicht

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