pda.teltarif.de
Meldung Tipps & Info Tarifrechner 17.02.19
10.02.2019 - 12:32
Russland vs. USA

Yandex und VKontakte: Alternativen zu Google & Facebook?

Wie vertrauenswürdig sind die russischen Pendants

Wer im Besitz eines Android-Smart­phones ist, hat quasi zwangs­weise auch ein Google-Konto und nutzt womög­lich den vorin­stal­lierten Email-Dienst Gmail. Nicht wenige Nutzer loggen sich vermut­lich ebenso täglich bei Face­book ein, um mit Familie, Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben. Wer im Internet nach Infor­ma­tionen sucht, bemüht in der Regel Google. Viel­leicht hat der eine oder andere Kunde darüber hinaus bereits einen Smartspeaker des Internet-Riesen im Wohn­zimmer.

Ein Leben ohne diese Dienste dürften sich viele Menschen im Alltag über­haupt nicht mehr vorstellen können. Schließ­lich sind sie nicht nur unge­mein prak­tisch, sondern in der Regel auch kostenlos. Wobei diese Aussage relativ ist, denn die Währung bei Google und Face­book lautet natür­lich nicht Dollar, sondern Daten. Auf Servern jenseits des Atlan­tiks liegt sozu­sagen das ganze Leben zahl­rei­cher Inter­net­nutzer aus Deutsch­land. Eine beängs­ti­gende Vorstel­lung, mit der sich viele Menschen aber schon längst arran­giert haben. Schließ­lich gibt es ohnehin keine Konkur­renz und einem geschenkten Gaul schaut man bekannt­lich nicht ins Maul. Aber gibt es wirk­lich keine Alter­na­tiven, als seine wert­vollen Daten in die USA zu schi­cken? Blick nach Russ­land

Datenschutz

@ LaCatrina-Fotolia / Montage: teltarif.de

Alter­na­tiven zu den großen ameri­ka­ni­schen Playern im Bereich Internet finden sich übli­cher­weise nicht in Europa. Eigent­lich kommen über­haupt nur zwei weitere Länder infrage, die sich in diesem Bereich stark enga­gieren - genauer gesagt in China und Russ­land. Vor allem in Russ­land haben sich mit Yandex und VKon­takte in den vergan­genen Jahren zwei beson­ders starke Heraus­for­derer posi­tio­niert, die es auf globaler Ebene mit Google und Face­book aufnehmen wollen.

Ganz sicher ist hier gesunde Skepsis ange­bracht. Wer seine Daten nicht in die USA schi­cken will, wird sich beim Thema Russ­land sicher nicht besser fühlen. Denn das riesige Reich Putins gilt im Bereich Daten­schutz und Rechts­staat­lich­keit allge­mein hin ebenso nicht gerade als großes Vorbild. Allein die Hacker­at­ta­cken gegen poli­ti­sche Insti­tu­tionen im Westen wecken unschöne Erin­ne­rungen. Wenn man einen Blick auf die beiden großen Dienste wirft, zeigt sich schnell, dass blindes Vertrauen in die andere Seite eben­falls proble­ma­tisch sein kann. Yandex Bereits vor rund zehn Jahren erreichte Yandex, das vor allem durch die gleich­na­mige Such­ma­schine bekannt wurde, in Russ­land einen Markt­an­teil von 64 Prozent und spielt dort somit eine entschieden größere Rolle als Google in anderen west­li­chen Ländern. Doch die Unter­nehmen sind sich weitaus ähnli­cher, als man viel­leicht auf den ersten Blick denkt.

Wie auch sein ameri­ka­ni­sches Pendant besteht Yandex mitt­ler­weile aus einem regel­rechten Konglo­merat an verschie­denen Internet-Produkten. Im Kern befindet sich natür­lich die Such­ma­schine, darüber hinaus gibt es unter anderem einen Browser, Karten­dienst, Email-Post­fä­cher sowie einen eigenen Apps­tore. Selbst im Bereich auto­nomes Fahren enga­giert sich Yandex mitt­ler­weile und ist damit wohl als (weniger bekannte) Konkur­renz zur Google-Tochter Waymo anzu­sehen. Die meisten von Yandex ange­bo­tenen Dienste sind eben­falls kostenlos und finan­zieren sich weitest­ge­hend durch Werbung.

Es ist offen­sicht­lich, dass Yandex Kunden­daten sammelt, um zum Beispiel Werbung zu adres­sieren. Das alleine wäre nicht der Haupt­kri­tik­punkt, jedoch lohnt es sich durchaus, einen Blick auf die Personen hinter Yandex zu werfen. Gründer und Geschäfts­führer des Unter­neh­mens ist der russi­sche Infor­ma­tiker und Multi­mil­li­ardär Arkadi Wolosch, dem äußerst enge Verbin­dungen zum Kreml nach­ge­sagt werden. Wolosch steht auf der so genannten "Olig­ar­chen-Liste" der US-Regie­rung. Die Liste enthält Namen hoch­ran­giger wohl­ha­bender russi­scher Persön­lich­keiten und Unter­nehmer, die wirt­schaft­lich direkt oder indi­rekt vom Putin-Regime profi­tieren. In der Vergan­gen­heit hatten die USA diese Personen immer wieder mit Sank­tionen belegt.

Was konkret mit Kunden­daten und Infor­ma­tionen passiert, die auf russi­schen Servern liegen, lässt sich nur schwer einschätzen. Es ist aber durchaus sehr wahr­schein­lich, dass Unter­nehmen wie Yandex im Gegen­satz zu Google nicht primär wirt­schaft­liche, sondern viel­mehr poli­ti­sche Inter­essen verfolgen. VKon­takte Bei VKon­takte (vk.com) handelt es sich im Grunde genommen um einen opti­schen Face­book-Klon, für den offen­sicht­lich weite Teile des Face­book-Designs bzw. des User-Inter­face "über­nommen" wurden. In Russ­land zählt das soziale Netz­werk mit Sitz in Sankt Peters­burg bereits zur dritt­po­pu­lärsten Website. Von rund 100 Millionen aktiven Nutzern (Stand 2014) stammen die meisten aus Russ­land und der Ukraine, aller­dings zählt VKon­takte mitt­ler­weile auch in Deutsch­land zu den am häufigsten besuchten Internet-Seiten und schaffte es laut Infor­ma­ti­ons­dienst Alexa Internet auf Platz 9.

Eigen­tümer des sozialen Netz­werks ist die russi­sche Invest­ment­firma Mail.Ru Group, hinter der wiederum unter anderem der russi­sche Olig­arch Alischer Usmanow steht. Auch ihm werden außer­or­dent­lich gute Kontakte zum Kreml nach­ge­sagt, weshalb er US-Sank­tionen fürchten musste und sich aus der opera­tiven Führung des Unter­neh­mens zurückzog.

VKon­takte gilt in Deutsch­land als beson­ders stark umstritten. West­liche Sicher­heits­be­hörden und Geheim­dienste stufen das Netz­werk als "sicheren Hafen" für Rechts­ex­tre­misten, Verschwö­rungs­theo­re­tiker und Propa­gan­da­ma­schine des Kreml ein. Im Gegen­satz zu Face­book werden Beiträge, die in Deutsch­land als straf­recht­lich rele­vant gelten, aus Erfah­rungen prak­tisch nicht gelöscht. Experten gehen davon aus, dass VKon­takte nicht einfach nur als soziales Netz­werk konzi­piert wurde, sondern ganz gezielt Einfluss auf Mitglieder und die Diskus­si­ons­kultur im Westen nehmen will. Ziel sei es, deren poli­ti­sche Systeme von innen zu desta­bi­li­sieren und eine neue Meinungs­he­ge­monie gegen libe­rale Werte zu instal­lieren. Trotz seiner stei­genden Popu­la­rität liegt der Bekannt­heits­grad von VKon­takte in Europa aber insge­samt noch deut­lich hinter dem US-Markt­führer zurück. Fazit Mit Yandex und VKon­takte sind zwei mäch­tige Gegner zu Google und Face­book heran­ge­wachsen. Letzt­end­lich sollte man sich bei Verwen­dung dieser Dienste jedoch darüber bewusst sein, dass diese im Gegen­satz zu ihren ameri­ka­ni­schen Pendants de facto keinerlei rechts­staat­li­cher Kontrolle unter­liegen, zwei­fel­hafte poli­ti­sche Verbin­dungen zum Kreml haben und es keinerlei Kennt­nisse darüber gibt, was mit den Daten der Nutzer auf russi­schen Servern passiert.

Gene­rell gilt der Rat mit seinen eigenen Daten und Infor­ma­tionen im Internet stets sparsam umzu­gehen. Ganz beson­ders, wenn der Webseiten-Betreiber nicht in Deutsch­land oder der EU sitzt.

Björn König

[Newsübersicht] RSS [Newsversand]