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22.04.2019 - 16:19
Self-Scanning

Shopping: Selbst scannen statt Warten in der Schlange

Systeme von Kunden noch wenig angenommen

Nichts ärgert die deut­schen Verbrau­cher beim Einkaufen so sehr wie lange Schlangen an der Laden­kasse. Das zeigen Studien immer wieder. Kein Wunder, dass inzwi­schen immer mehr Händler nach Wegen suchen, das verhasste Anstehen zu vermeiden. Egal ob bei Rewe, Saturn oder Globus: Der Kampf gegen das Schlan­ge­stehen hat begonnen.

Beispiel Rewe: In einem großen Einkaufs­center in Köln-Roden­kir­chen bietet der Handels­riese den Kunden neuer­dings die Möglich­keit, die Einkäufe direkt zu scannen, wenn sie sie in den Einkaufs­wagen legen. Entweder mit einem vom Laden zur Verfü­gung gestellten Scanner oder auch - nach dem Herun­ter­laden der notwen­digen App - mit dem eigenen Smart­phone. Erster Test funk­tio­niert recht gut

Saturn Smartpay: Artikel am Regal scannen

Saturn Smartpay: Artikel am Regal scannen
Bild: dpa

Beim Selbst­test funk­tio­niert das Ganze schon im ersten Anlauf erstaun­lich gut. Die Milch­pa­ckung, die Dosen­suppe oder der Sprudel werden kurz vor das in eine Halte­rung am Einkaufs­wagen einge­klemmte Handy gehalten, der Strich­code gescannt und schon erscheint der Artikel in einer über­sicht­li­chen Liste auf dem Handy-Display - einschließ­lich des Gesamt­preises der bisher einge­scannten Ware.

Am Ende des Einkaufs wird die Liste mit den einge­kauften Produkten in Sekun­den­schnelle an die Selbst­be­die­nungs­kasse über­tragen und auto­ma­tisch die Rech­nung erstellt. Das lang­wie­rige Aus- und Einpa­cken an der Kasse entfällt. Einzige Voraus­set­zung, um das Angebot nutzen zu können: Eine Payback-Karte.

"Wir wollen die Warte­schlangen an der Kasse redu­zieren", erklärt Rewe-Projekt­lei­terin Julia Volks die Beweg­gründe des Händ­lers. Der Druck auf Rewe und die anderen Händler ist groß. Denn nach dem "Adyen Retail Report 2018", einer reprä­sen­ta­tiven Umfrage unter 1000 Konsu­menten, empfinden 58 Prozent der Kunden Warte­schlangen als größtes Ärgernis beim Shoppen. Fast zwei Drittel der Befragten gaben sogar an, sie hätten wegen einer Warte­schlange schon einmal ein Geschäft ohne einzu­kaufen verlassen - die Höchst­strafe für Händler. Saturn: Zahlung direkt am Regal Allein ist Deutsch­lands zweit­größter Lebens­mit­tel­händler mit seinem Vorstoß deshalb auch nicht. Ob Edeka, Saturn oder Globus - immer mehr Händler suchen im Zeit­alter des mühe­losen Online-Shop­pings nach einer Zauber­formel gegen die ärger­li­chen Kassen­schlangen.

Die Elek­tronik­kette Saturn etwa bietet seit Ende vergan­genen Jahres den Kunden in ihrer größten Filiale in der Hamburger Innen­stadt die Möglich­keit, die mehr als 100 000 Produkte direkt am Regal zu kaufen und per Kredit­karte oder etwa PayPal zu bezahlen. Zwar muss der Kunde dann doch noch an einen Schalter, um die mit dem Smart­phone gescannte Ware frei­schalten zu lassen, damit er die Filiale unbe­hel­ligt verlassen kann. Dennoch ist das Angebot laut Saturn beliebt. "Es läuft sehr gut", fasste eine Saturn-Spre­cherin die ersten Erfah­rungen zusammen. Deshalb habe das Unter­nehmen den ursprüng­lich auf drei Monate begrenzten Versuch inzwi­schen noch einmal um drei Monate verlän­gert. Rewe will sich sogar ein Jahr Zeit für sein Pilot­pro­jekt nehmen. Globus: Scanner und Bezahl­sta­tion Der Konkur­rent Globus ist über das Versuchs­sta­dium längst hinaus. In 30 der 47 großen Einkaufs­märkte der Marke in Deutsch­land können die Kunden die Ware inzwi­schen selbst mit einem Scanner erfassen, bevor sie sie in den Einkaufs­wagen legen und am Ende an einer Bezahl­sta­tion den auto­ma­tisch errech­neten Betrag bezahlen. "Lange Schlangen an der Super­markt­kasse gehören mit dem neuen Bezahl­system von Globus der Vergan­gen­heit an", wirbt der Händler auf seiner Website. Das System werde sehr gut ange­nommen und solle noch weiter ausge­rollt werden, sagte kürz­lich eine Firmen­spre­cherin in St. Wendel.

Klar ist: Der Trend zum Selber-Einscannen gewinnt in Deutsch­land allmäh­lich an Fahrt. Das Scannen direkt beim Einkauf ist zwar noch die Ausnahme, doch finden Selbst­be­die­nungs­kassen, an denen der Kunde die Waren nach dem Einkauf selbst erfasst, inzwi­schen immer mehr Verbrei­tung. "Ende diesen Jahres wird es wahr­schein­lich schon 800 bis 1000 Läden in Deutsch­land geben, die das anbieten", schätzt Frank Horst vom Kölner Handels­for­schungs­in­stitut EHI. "Das bedeutet fast eine Verdop­pe­lung inner­halb von zwei Jahren." Vorreiter waren hier Ikea und Real. Deutsch­land bei Self-Scan­ning noch hinterher Die Selbst­be­die­nungs­kassen seien vor allem bei Kunden mit klei­neren Einkäufen beliebt, die mit zwei oder drei Teilen nicht in der Schlange stehen wollten, weiß Rewe-Expertin Volks. Das Self-Scan­ning unmit­telbar während des Einkau­fens werde dagegen mehr bei großen Einkäufen genutzt.

Im inter­na­tio­nalen Vergleich ist Deutsch­land beim Thema Self-Scan­ning aller­dings ein Nach­zügler. Und das liegt wohl auch an den Verbrau­chern selbst. Viele Konsu­menten frem­deln noch im Umgang mit den unge­wohnten Geräten und stellen sich am Ende doch oft lieber in die verhasste Warte­schlange.

Selbst die mit großem Aufwand ausge­rollten Pilot­pro­jekte von Rewe und Saturn finden bislang nur begrenzten Anklang. Zum Wochen­ende hin werde die Möglich­keit zum mobilen Scannen im Kölner Rewe-Center von rund 100 Kunden pro Tag genutzt, in der Woche seien es weniger, heißt es bei dem Händler. Ähnliche Zahlen nennt Saturn. Ein Rewe-Spre­cher bewertet die Lage denn auch diplo­ma­tisch: "Tech­nisch geht mitt­ler­weile vieles. Der Kunde muss es nur annehmen."

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dpa /

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