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25.03.2018 - 19:12
Übersehen

Editorial: Blind durch die Nacht

Ubers schrecklicher Unfall

Inhaltsverzeichnis:

  1. Übersicht
  2. Das Versagen von Uber

Je mehr Details über den Unfall eines autonom fahrenden Uber-Autos am Sonntag Abend letzter Woche (Ortszeit) in Tempe, Arizona, ans Licht kommen, desto mehr fragt man sich, wie das passieren konnte. Denn eigentlich ist einer der Treiber hinter autonomen Autos, dass sie sicherer sein sollten als von Menschen gesteuerte Fahrzeuge. Denn Computer können schneller reagieren als Menschen, sie können zusätzliche Sensordaten auswerten und damit viel besser "sehen" als der Mensch, und sie sind anders als Menschen auch nicht einfach mal abgelenkt und unaufmerksam. Ebenso halten autonom fahrende Fahrzeuge die Verkehrsregeln strikt ein und erzeugen keine vermeidbaren Gefahren.

So weit die Theorie.

Der Unfall vom letzten Sonntag, bei dem ein Uber-Fahrzeug ungebremst eine die Straße querende Fußgängerin angefahren hat, die wenig später ihren Verletzungen erlag, zeigt, dass davon zumindest bei den von Uber derzeit getesteten Fahrzeugen nichts, aber wirklich nichts stimmt. Denn die veröffentlichte Kameraaufzeichnung beweist:

Die Gründe im Detail für dieses vernichtende Urteil liefere ich im zweiten Teil dieses Editorials. Ich freue mich, wenn diese von Ihnen gelesen und im Forum intensiv diskutiert werden. Es ist aber leider ein emotional (ein Mensch ist umgekommen) als auch teils mathematisch-physikalisch komplexes Thema. Daher komme ich - anders als sonst - im Editorial erstmal zum Fazit. Und im Forum bitte ich um respektvolle Diskussion.

Schaden an einem selbstfahrenden Fahrzeug von Uber nach der Kollission mit einer Fußgängerin

Schaden an einem selbstfahrenden Fahrzeug von Uber nach der Kollission mit einer Fußgängerin
National Transport Safety Board, USA

Zunächst aber doch zumindest eine Zahl zur Einordnung und zum Vergleich: Diversen Medienangaben zufolge hat Uber bisher um die 5 Millionen Kilometer (3 Millionen Meilen) im autonomen Modus zurückgelegt, und dabei nun einen Menschen getötet. Zum Vergleich: Die Gesamtfahrleistung der in Deutschland zugelassen Kraftfahrzeuge betrug vorletztes Jahr 726 Milliarden Kilometer, die Zahl der Verkehrstoten 3214. Das entspricht einem Toten pro 225 Millionen Kilometer, also ca. 45 mal weniger als die Unfallstatistik von Uber. Zwar ist in den USA das Risiko, im Straßenverkehr umzukommen, erheblich höher als in Deutschland, aber schlussendlich sollen die autonomen Autos auch hierzulande zugelassen werden, und deswegen vergleiche ich mit den Zahlen hier.

Meine Hoffnung ist nun, dass der Uber-Unfall zumindest eine positive Funktion hat, nämlich, die staatlichen Zulassungsbehörden wachzurütteln. Deregulierung - wie sie in Arizona gilt, wo für Tests mit autonomen Fahrzeugen so gut wie keine Regeln gelten - hat ganz offensichtlich zur Folge, dass untaugliche und ungetestete Systeme auf die Straße gelassen werden.

Beim Dieselskandal haben wir alle gesehen, wie die Politik vor der Kfz-Hersteller-Lobby einknickt. Das darf beim Thema "selbstfahrende Autos" nicht erneut passieren.

Ich habe übrigens immer noch die früher in Editorials geäußerte Hoffnung, dass autonome Fahrzeuge den Straßenverkehr sicherer machen werden, nicht gefährlicher. Aber damit dieses von einer überwältigenden Mehrheit gewünschte Szenario, dass autonome Autos sicherer sind als menschliche Fahrer, auch eintritt, braucht es klare staatliche Regeln und stringente Zulassungstests. Insbesondere müssen vom Gesetzgeber:

Eine Expertenkommission wird sicher noch weitere Punkte finden, die auf diese Liste staatlicher Regulierung gehören. Die Staaten, die hoffen, dass ihnen das autonome Fahren einen Vorteil bringt, sollten die zugehörigen Regelungen und Gesetze auch schnellstmöglich ausarbeiten, damit die Hersteller möglichst frühzeitig wissen, woran sie sind. Dabei sollten die Staatenbünde (zum Beispiel in den USA die Zentralregierung, in Europa die EU etc.) auch zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass sie gegeneinander ausgespielt werden.

Ab der folgenden Seite lesen Sie meine Begründung, warum Hard- und Software des Uber-Fahrzeugs bei diesem Unfall kläglichst versagt haben

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