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01.03.2020 - 13:12
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Funkloch: Kein Netz in der Londoner U-Bahn

Englands Netzbetreiber sind uneinig über den Ausbau

Wenn über Mobil­funk im Vergleich die Rede ist, hört man oft laute Wehklagen über das ach so „schlechte Netz“ in Deutsch­land. Funk­löcher, Abbrüche, Über­last - jeder kann darüber berichten. Fährt man ins Ausland, fällt sofort die „bessere“ Netz­versor­gung auf. Netz fast überall (wo man sich aufhält). Wirk­lich überall? Nein, eben nicht.

Wer mit der U-Bahn durch deut­sche Groß­städte fährt, geht davon aus, Netz zu haben und im Großen und Ganzen ist das ja auch in Deutsch­land der Fall, wenn auch mit deut­lichen Unter­schieden - je nach Netz­betreiber oder besuchter Stadt. Sei es in Berlin, wo man wenigs­tens mit 2G unter­irdisch tele­fonieren können sollte und - je nach Anbieter und Standort - auch LTE mit halb­wegs brauch­baren Daten­raten erwarten kann.

Euro­päisch gesehen, wäre Barce­lona zu nennen, wo es auch „unter Tage“ überall beste Netz­versor­gung gibt, viel­leicht auch, wegen des alljähr­lichen Mobile World Congress. Wie sieht es in London in der "Tube" („Under­ground“) aus?

Der Eingang zur Londoner U-Bahn: Mobiles Bezahlen ist möglich, mobiles Telefonieren oder Surfen aber nicht

Der Eingang zur Londoner U-Bahn: Mobiles Bezahlen ist möglich, mobiles Telefonieren oder Surfen aber nicht
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

Um es vorweg zunehmen, dort unten gibt es bis heute kein oder kaum Netz. Wer sich die U-Bahn-Stre­cken und deren Tunnel­röhren anschaut, wundert sich nicht. In eine Tunnel­röhre passt gerade so ein U-Bahn-Zug hinein, zwischen Zug und Tunnel­wand reicht es wohl nicht einmal eine aktu­elle Ausgabe der „Times“ zu quet­schen. Einzige Möglich­keit dürften wohl unter den Zügen zwischen den Gleisen verlegte „Schlitz­kabel“ sein.

Dabei ist das Versor­gungs­problem in London schon länger bekannt und es gab wohl auch schon Anläufe, das zu verbes­sern. Der Netz­ausrüster Huawei hatte schon ein Angebot abge­geben, wie Londons Unter­grund versorgt werden könnte. Das Angebot kam nicht zum Zuge. Nicht wegen der poli­tischen Diskus­sion um die Zuver­lässig­keit des Anbie­ters.

Mit der Rolltreppe geht es tief in den Londoner Untergrund. Vor einigen Jahren waren diese Rolltreppen noch weitestgehend aus Holz

Mit der Rolltreppe geht es tief in den Londoner Untergrund. Vor einigen Jahren waren diese Rolltreppen noch weitestgehend aus Holz
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

Nein, die Gemenge­lage ist diese: Haus­herr ist der Londoner U-Bahn-Betreiber London Under­ground/TfL (Trans­port for London). Und der hätte bei einem Netz­ausbau unter Tage die abso­lute Hoheit. Tfl stellt sich - so war zu hören - maximal einen Netz­betreiber vor, der die U-Bahn ausbauen könnte und dürfte. Und daran soll es wohl haken. Die Netz­betreiber o2-UK, EE (früher T-Mobile und Orange), Voda­fone UK und Three UK müssten sich erst einmal auf einen gemein­samen Netz­ausbau einigen und das sei bislang nicht gelungen. Zum Vergleich: In Deutsch­land gibt es Konsor­tien, unter wech­selnder Regie, in Berlin ist da z.B. o2.

Wir sind in London ein paar Linien gefahren. Sobald es in den teil­weise richtig tiefen Unter­grund hinunter geht, ist das Netz komplett weg. „Versorgt“ sind höchs­tens ober­irdi­sche Linien wie die „DLR“, welche unter anderem hinaus in die Dock­lands (Hafen­gebiet) zum Flug­hafen London-City-Airport und darüber hinaus fährt. Vorbild­liches Bezahl­system

Kontaktloses Bezahlen mit Karte, NFC-Handy oder Uhr (z.B. Apple-Watch) in der U-Bahn (und in den Bussen) ist Standard: Ticket nicht mehr notwendig

Kontaktloses Bezahlen mit Karte, NFC-Handy oder Uhr (z.B. Apple-Watch) in der U-Bahn (und in den Bussen) ist Standard: Ticket nicht mehr notwendig
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

In Sachen mobiles Bezahlen sind die Londoner U-Bahnen und Busse ihren euro­päischen Kollegen teil­weise weit voraus. Man hält sein NFC-Handy oder eine NFC-Kredit­karte einfach an der Zugangs­sperre vor den gut sicht­baren Leser: Die Sperre öffnet sich und man fährt los. Wenn die Fahrt beendet ist, verlässt man die U-Bahn über eine weitere Sperre, wo man seine Karte, Uhr oder Handy erneut dagegen hält und damit werden die Fahrt­kosten ermit­telt und der Karte belastet.

Wer ein iPhone und eine Apple-Watch sein eigen nennt, drückt zweimal auf den Taster der Uhr (oder die Home­taste beim iPhone) und hält das Gerät auf die Lese­fläche. Das wars. Immer mit der glei­chen Karte zahlen

Die U-Bahn-Züge sind niedrig und passen "gerade so" in die Tunnelröhre ("Tube"). Für Antennen wäre kein Platz

Die U-Bahn-Züge sind niedrig und passen "gerade so" in die Tunnelröhre ("Tube"). Für Antennen wäre kein Platz
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

Man darf aller­dings nicht den Fehler begehen, mit dem Handy ein- und der Uhr auszu­checken (weil das zwei verschie­dene Karten sind) - und mit verschie­denen Kredit­karten schon gar nicht.

Bei der Zufahrt zum London City Airport gibt es eben­falls eine Fall­türe. Beim Verlassen der U-Bahn kommt man durch keine Durch­gangs­sperre, nur an einem leicht zu über­sehenden Ticket-Leser vorbei, wo man seine Karte, Handy oder Uhr dagegen halten muss. Bis der Fahrt­preis von der Karte komplett und korrekt abge­bucht ist, können bei deut­schen Kredit­karten schon einmal zwei bis drei Tage vergehen. Zu Beginn der Fahrt werden zunächst nur 1 GBP (= 1,20 Euro) belastet (hängt vom eigenen Karten­anbieter ab, teil­weise kurz­fristig auch höher). Sollte man das Ausche­cken „vergessen“, würde am Ende des Tages ein komplettes 24-Stunden-Ticket berechnet. Update: 4G-Netz bis "Mitte der 2020iger Jahre" geplant Aufmerk­same Leser haben uns auf einen Artikel der BBC vom Sommer letzten Jahres aufmerksam gemacht.

So ist geplant, den kompletten Londoner Unter­grund bis "Mitte der 2020iger Jahre" komplett mit 4G/LTE auszu­bauen. Die "Jubilee Line" soll als erstes davon profi­tieren, die Osthälfte der Strecke soll auf beiden Gleisen und in den Tunnels ab März versorgt werden.

So ist in einem Versuch­abschnitt geplant, die "Jubilee Line" von West­minster bis Canning Town, außer den Stationen "London Bridge" und "Waterloo Station" mit 4G auszu­bauen, auch die Gänge und Hallen des weit verzweigten Systems sollen ausge­leuchtet werden. Die Bahn­höfe "London Bridge" und "Waterloo" sollen später dann auch mit LTE ausge­stattet werden, wenn die Tests erfolg­reich verlaufen sind. Das gesamte Projekt wird 2.000 km neu zu verle­gende Kabel umfassen. Die können nur nachts unter der Woche verlegt werden, um die Beein­träch­tigungen der Passa­giere zu mini­mieren. Alter­native WiFi? Es gibt in der U-Bahn wohl auch WLAN, nur bekommen Touristen dafür kaum oder nur sehr umständ­lich die notwen­digen Zugangs­daten, weswegen das für uns keine sinn­voll nutz­bare Alter­native darstellt.

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