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13.03.2018 - 13:26
Kontroverse

Dommermuths Netz­ge­sell­schaft: Telekom ist "realitätsfern"

Streit um Vorschlag zum koordinierten Netzausbau

1&1 besitzt seit der Übernahme von Versatel ein eigenes Netz, mietet für seine 1&1-DSL-Anschlüsse aber auch die Vorleistung anderer Netzbetreiber an. Angesichts der im Koalitionsvertrag festgelegten Richtlinie, dass zukünftig nur noch der Glasfaserausbau gefördert werden solle, hat United-Internet-Chef Ralph Dommermuth am Wochenende über die Medien einen öffentlichen Vorschlag gemacht. Dommermuth schlägt die Gründung einer Netzgesellschaft für den Glasfaserausbau bis in die Häuser vor, die Anschlüsse sollen allen Anbietern zur Verfügung stehen.

Dommermuth hatte sich explizit gewünscht, dass die Deutsche Telekom bei dieser Sache an Bord ist. Doch die Reaktion der Telekom auf den Vorschlag Dommermuths war - gelinde gesagt - unsanft. Telekom: 1&1 soll bauen statt reden

Die Telekom hat auf Dommermuths Vorschlag einer Netzgesellschaft unsanft reagiert

Die Telekom hat auf Dommermuths Vorschlag einer Netzgesellschaft unsanft reagiert
Bild: dpa

Gegenüber Golem sagte ein Telekom-Sprecher, 1&1 habe bisher nicht zu den Unternehmen gezählt, die ihre Gewinne in den Aufbau eigener, neuer Netze investiert hätten. 1&1 habe es bei "vollmundigen Ankündigungen" belassen.

United Internet hätte laut Auffassung des Telekom-Sprechers längst die Chance gehabt, "statt Worten den Spaten in die Hand zu nehmen." Die Telekom verweist auf ihre seit dem vergangenen Jahr bestehende Kooperation mit kleineren Netzbetreibern. United Internet habe schon seit damals die Möglichkeit, sich "auf Basis des Wettbewerbs und angemessener Investitionsleistung" am Ausbau und an dieser Kooperative zu beteiligen.

Die Telekom rechnet vor, United Internet habe im Jahr 2016 169 Millionen Euro und im Jahr 2015 140 Millionen Euro investiert. Dommermuth hatte vorgeschlagen, dass sein Konzern 1,4 Milliarden Euro Kapital für die Netzgesellschaft beisteuern würde. Diese Diskrepanz kommentiert die Telekom laut dem Bericht so: "Wir sind gespannt, ob 1&1 jetzt wirklich in den Ausbau einsteigen möchte oder wieder mal großen Ankündigungen nur kleine Taten folgen lässt". United Internet: Telekom ist "realitätsfern" Gegenüber teltarif.de zeigte sich ein Sprecher von United Internet enttäuscht über diese Reaktion der Telekom:

Die Reaktion der Deutschen Telekom zeigt erneut die Realitätsferne des ehemaligen Staatsmonopolisten: Bisher gibt es in Deutschland keine Allianz zum koordinierten Netzausbau und keine konkreten Pläne zur flächendeckenden Glasfaser-Versorgung.
Vielmehr haben in den letzten 20 Jahren einzelne Anbieter regionale Glasfasernetze gebaut, die heute rund 3 Mio. Haushalte erreichen. Unser Vorschlag sieht ausdrücklich vor, dass regionale Netze auch in den kommenden Jahren unvermindert ausgebaut werden sollen. Aber das alleine bringt Deutschland keine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser-Anschlüssen.
Deswegen schlagen wir den Gigabit-Ausbaufonds vor - ein Industriebündnis, das auch die ländlichen Gebiete abdeckt und deren Attraktivität steigert. Und das Fördergelder optimal einsetzt und den Wettbewerb um die Gunst der Kunden erhält. Ein "weiter so" im lokalen Maßstab wird die Herausforderung nicht lösen.
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