pda.teltarif.de
Meldung Tipps & Info Tarifrechner 16.07.19

All-IP: Das verbirgt sich hinter dem Begriff

Analoge Anschlüsse und ISDN durch All-IP ersetzt

Unter dem Begriff All-IP wird die verein­heit­lichende Umstel­lung bishe­riger Übertragungs­techniken in Tele­kommunikations­netzen auf die Basis des Internet-Proto­kolls (IP) verstanden. Dienste wie Tele­fonie, Fern­sehen und Mobil­funk werden in Folge dessen nicht mehr über die klas­sische Leitungs­vermitt­lung, sondern mithilfe des in Computer-Netzen weit verbrei­tenden Netz­werk­proto­kolls durch Paket­vermitt­lung bereit­gestellt. Zügig wird dieses Konzept bei Tele­fonan­schlüssen umge­setzt, wo das soge­nannte Voice over IP ("Internet-Tele­fonie") bereits seit einiger Zeit auf dem Vormarsch ist, während Analog- oder ISDN-Anschlüsse kaum noch neu geschaltet und auf abseh­bare Zeit verschwinden werden.

Ein ähnli­ches Schlag­wort wie All-IP ist "Next Genera­tion Network" (NGN), das als Ober­begriff bezie­hungs­weise Konzept ohne Fest­legung auf das Internet-Proto­koll verstanden werden kann und als Marke­ting-Begriff für das gebün­delte Angebot von Tele­fonie, Internet sowie Fern­sehen respek­tive Video-on-Demand aus der Hand eines einzigen Anbie­ters gebräuch­lich ist - auch als "Triple Play" bezeichnet. Ange­bote, die Mobil­funk-Offerten mit einschließen, werden oft Quadruple Play oder auch kurz Quad Play genannt. All-IP bringt Kosten­ersparnis

All-IP: Das verbirgt sich hinter dem Begriff

All-IP: Das verbirgt sich hinter dem Begriff
Bild: teltarif.de

Für Netz­betreiber bringt die Umstel­lung auf All-IP verschie­dene Vorteile, allen voran Kosten­erspar­nisse. Bei der Tele­fonie entfällt beispiels­weise die Fern­spei­sung der Tele­fondose mit Strom für Analog- und ISDN-Anschlüsse. Diese Strom­versor­gung wird über ange­schlos­sene Netz­abschluss­geräte an den Endkunden weiter­gereicht. Neben den anfal­lenden Betriebs­kosten beim Kunden ergibt sich daraus, dass beispiels­weise Alarm­anlagen oder andere Notruf­geräte älterer Bauart nicht mehr wie bisher über die Tele­fonlei­tung funk­tionieren und bei einem Ausfall des Haus­stroms kein Telefon mehr am Anschluss nutzbar ist. Durch den Abbau vormals benö­tigter Anschalt­technik werden seitens des Netz­betrei­bers zudem Wartungs­kosten gespart und auch Neuschal­tungen gestalten sich mangels Leitungs­gebun­denheit wesent­lich simpler.

Auf Kunden­seite stehen vor allem die gesam­melte Abrech­nung der unter­schied­lichen Dienste sowie der Service aus einer Hand auf der Haben­seite. Darüber hinaus kann der gebün­delte Bezug von Tele­fonie, Inter­netzu­gang, Fern­sehen und gege­benen­falls Mobil­funk in vielen Fällen preis­lich güns­tiger sein, als von verschie­denen Anbie­tern. Netz­betreiber wie die Deut­sche Telekom heben zudem am Beispiel der Tele­fonie hervor, dass sonst kosten­pflich­tige Anschluss­merk­male wie zwei Sprach­kanäle sowie mehrere Rufnum­mern ohne Aufpreis zur Verfü­gung stehen und mittels "HD-Tele­fonie" eine bessere Sprach­qualität erzielt wird. In der Theorie erlaubt die Unab­hängig­keit von einer fest zuge­teilten Leitung auch die orts­unab­hängige Nutzung der Dienste, sofern andern­orts ein Breit­band­zugang besteht. Meldungen zu All-IP

1 211
Telekom will All-IP-Umstel­lung bis 2020 abschließen Die Deut­sche Telekom visiert nach derzei­tigem Plan die komplette Umstel­lung ihres Tele­fonnetzes auf das Internet-Proto­koll für das Ende des Jahres 2020 an. Ledig­lich soge­nannte "Single-Play"-Kunden, also solche, die noch ausschließ­lich Tele­fonie am Anschluss nutzen, sollen dann weiterhin mit einem Analog­signal versorgt und mittels spezi­eller Technik in der Vermitt­lungs­stelle an die All-IP-Welt ange­bunden werden. Nutzer mit ISDN-Endge­räten sollen diese über Router mit S0-Schnitt­stelle weiterhin verwenden können. Im Mai 2014 verzeich­nete die Deut­sche Telekom laut eigenen Angaben über 3 Millionen reine All-IP-Kunden und jeden Monat kommen laut dem Konzern 270 000 neue hinzu. Für die in Maze­donien tätige Toch­terge­sell­schaft Make­donski Telekom wurde die voll­stän­dige Umstel­lung auf ein reines All-IP-Netz bereits Anfang 2014 vermeldet.

Kritiker sehen im All-IP-Konzept unter anderem eine Gefahr für die Netz­neutra­lität, da Netz­betreiber eigene Ange­bote wie beispiels­weise Video-on-Demand bevor­zugen oder sich von Inhal­tean­bietern bezahlen lassen könnten, um deren Daten­pakete gegen­über Wett­bewer­bern zu prio­risieren. Auch wird die Ausfall­sicher­heit moniert, da bei einer Störung des IP-Netzes alle darüber laufenden Dienste gestört werden, während vormals beim Ausfall der Inter­netver­bindung beispiels­weise stets noch die Tele­fonie nutzbar war.