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20.05.2019 - 09:15
Idee

Bei Hassrede: Screenshot statt geknackte Ver­schlüs­selung?

Messenger-Chef zur Bekämpfung von Propaganda

Der Chef des Chat­dienstes Face­book Messenger ist zuver­sicht­lich, auch nach der geplanten Einfüh­rung von Komplett-Verschlüs­selung Inhalte wie Hass­rede oder Terror­propa­ganda effi­zient bekämpfen zu können. Man werde sich dafür stärker auf Hinweise der Nutzer verlassen müssen - so wie das heute schon bei Face­books zweitem Chat­dienst WhatsApp der Fall sei, sagte Stan Chud­novsky der dpa. "Es ist eine andere Vorge­hens­weise, aber es ist nicht unmög­lich." Face­book habe aber noch Lern­bedarf: "Wir müssen heraus­finden, wir genau wir das machen werden."

Deshalb wolle Face­book sich jetzt zu dem Thema zunächst mit Regie­rungs­behörden, Daten­schüt­zern und Sicher­heits­experten beraten, bevor die Marsch­rich­tung fest­gelegt wird. Diese Gespräche dürften noch bis Ende des Jahres andauern. "Das ist neu für uns, das ist nicht, wie wir sonst vorgehen. Vor nicht so langer Zeit hätten wir einfach etwas entwi­ckelt und ange­kündigt", sagte Chud­novsky. "Jetzt sagen wir: Wir haben nicht für alles Antworten, aber wir haben eine Vorstel­lung davon, in welche Rich­tung wir gehen wollen und die ganze Welt sich entwi­ckelt. Helft uns, den rich­tigen Weg zu finden."

Facebook Messenger erhält generelle Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Facebook Messenger erhält generelle Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Bild: dpa

Nutzer sollen Verstöße per Screen­shot melden Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung sind Inhalte von Kommu­nika­tion grund­sätz­lich nur für Absender und Empfänger im Klar­text sichtbar. Auch Face­book hätte keinen Zugriff darauf. Damit können verbo­tene oder proble­mati­sche Beiträge auch nicht mit Hilfe der Analyse von Inhalten durch Soft­ware aufge­spürt werden. "Wenn aber Nutzer uns Nach­richten mit einem Screen­shot melden, haben wir Zugang zum Inhalt", sagte Chud­novsky. Zusammen mit der Auswer­tung von Meta­daten - also zum Beispiel, wer wann mit wem kommu­nizierte - könne man darauf ein gut funk­tionie­rendes System aufbauen. Mit der Einschrän­kung, dass in Zukunft even­tuell auch Meta­daten nur über beschränkte Zeit­räume gespei­chert werden.

WhatsApp war zuletzt in die Kritik geraten, weil über die App in Indien Propa­ganda und falsche Infor­mationen verbreitet worden waren. Um dagegen anzu­kämpfen, schränkte der Chat-Dienst unter anderem die Möglich­keiten zum Weiter­leiten von WhatsApp-Nach­richten ein.

Face­books Gründer und Chef Mark Zucker­berg hatte ange­kündigt, dass die tech­nische Infra­struktur hinter WhatsApp und Messenger zusam­menge­legt werden sollen und das Online-Netz­werk insge­samt stärker auf verschlüs­selte private Kommu­nika­tion ausge­richtet werde. Dem gegen­über stehen Forde­rungen, Face­book müsse gezwungen werden, seine Zukäufe WhatsApp und Insta­gram wieder abzu­stoßen. "Signal"-Verschlüs­selungs­proto­koll auch bei Face­book Messenger Bislang ist völlig unklar, wie eine tech­nische Lösung aussieht, mit der die unter­schied­lich funk­tionie­renden Systeme hinter den beiden Chat-Diensten ohne einen Eingriff in ihre jewei­ligen Funk­tions­weisen mitein­ander verknüpft werden sollen. Beim Messenger melden sich die Nutzer mit ihrem Face­book-Profil an, bei WhatsApp mit der Tele­fonnummer. Face­book erlaubt ein Login auf mehreren Geräten, WhatsApp dagegen kann nur auf einem Mobil­telefon betrieben werden (bezie­hungs­weise auf dem Computer nur zusammen mit einem Handy). Und während die Messenger-Nach­richten auf Face­books Servern gespei­chert werden, liegen sie bei WhatsApp nur auf den Geräten der Nutzer, wenn kein Backup gemacht wird.

Chud­novsky betonte, dass beim Messenger der Inhalt der Nach­richten nie zur Perso­nali­sierung von Werbung ausge­wertet worden sei. "Das war für uns immer tabu." Face­book habe ledig­lich Inhalte an Behörden auf rich­terliche Anord­nung heraus­gegeben. "In diesem Sinne war der Messenger auch schon vorher privat, auch wenn er bisher nicht stan­dard­mäßig Ende-zu-Ende verschlüs­selt ist." Bereits beschlossen ist, dass beim Messenger das "Signal"-Verschlüs­selungs­proto­koll zum Einsatz kommen wird, auf den bereits WhatsApp setzt. Während WhatsApp grund­sätz­lich Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung hat, können Messenger-Nutzer sie aktuell in einem sicheren Modus für vertrau­liche Infor­mationen zuschalten.

Alter­nativen zu WhatsApp und Face­book Messenger: In einer Über­sicht verglei­chen wir die Funk­tionen der wich­tigsten Messenger mitein­ander.

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dpa /

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