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02.02.2019 - 15:19
Gesellschaft

Siri, Alexa, Cortana: Warum sind Sprachassistenten weiblich?

Nur technische Überlegungen oder auch Rollenbild?

Die Schau­spie­lerin Maria Furtwängler räumt gerne mit altmo­di­schen Rollen­bil­dern auf. Ihr ist aufge­fallen, dass die digi­talen Assis­tenten aus dem Laut­spre­cher auf Alexa, Siri und Cortana hören - überall Frauen. "Ich frage mich, ob künst­liche Intel­li­genz uns zu mehr Diver­sität verhilft oder gängige Stereo­typen zemen­tiert", sagte Furtwängler kürz­lich in einer Rede bei einer Konfe­renz in München. Warum die Assis­tenz­sys­teme alle weib­lich seien, fragte sie. "Sie könnten doch auch Hubert, Bern­hard oder Yossi heißen!"

Das war laut Teil­neh­mer­an­gaben auch eine augen­zwin­kernde Anspie­lung auf die männ­li­chen Gäste beim "DLD Chairmen's Dinner" und ihren Mann, den Verleger Hubert Burda. Aber Furtwängler, die sich schon mit Geschlech­ter­bil­dern im Fern­sehen und bei YouTube befasste, hat einen Punkt. Google Assi­stant hat keinen Namen

Beispiel Cortana: Warum sind Sprachassistenten weiblich

Beispiel Cortana: Warum sind Sprachassistenten weiblich?
Bild: Microsoft

Warum eigent­lich Siri, ein skan­di­na­vi­scher Frau­en­name? Und warum Alexa und nicht Alex­ander? "Sprachas­sis­ten­tinnen sind die digi­talen Dienst­mägde unserer Zeit", findet der Klang­for­scher Holger Schulz von der Univer­sität Kopen­hagen. Im Radio­sender Deutsch­land­funk Kultur kriti­sierte er, dass die weib­liche Stimme in die Rolle einer Assis­tentin zurück gedrängt werde.

Ein Praxis­test: Bei Apple klingt die Compu­ter­stimme eindeutig weib­lich. Wenn man Siri, das Sprach­system im iPhone fragt, ob sie ein Mann oder eine Frau ist, sagt sie: "Lass dich durch meine Stimme nicht täuschen: Ich habe kein Geschlecht." Alexa hat da eine eindeu­tige Antwort. Gefragt, ob sie eine Frau sei, antwortet der Laut­spre­cher: "Ich sehe mich als weib­lich. In Strom­kreisen würde man sagen: Ich bin Frau­en­power aus der Steck­dose." Bei Google ist der Assis­tent namenlos. Persön­lich­keit an lokale Gege­ben­heiten ange­passt? Apple will grund­sätz­lich nichts dazu sagen, welche Prozesse zu einem Produkt­namen führen. Aber der Hersteller verweist darauf, dass Siri sowohl mit weib­li­cher als auch mit männ­li­cher Stimme genutzt werden kann. "Dies bleibt jedem Nutzer selbst über­lassen." Bei Amazon erklärt ein Spre­cher, der Name Alexa komme von der Biblio­thek Alex­an­dria, einem Wissens­uni­versum. Was die Stimme angeht: "Überall auf der Welt haben Studien ergeben, dass die weib­liche Stimme als ange­nehmer, freund­li­cher und entspannter wahr­ge­nommen wird."

Bei Micro­soft heißt es, Cortana sei in erster Linie eine dialog­ori­en­tierte Assis­tentin, die Nutzer bei verschie­denen Anfor­de­rungen unter­stütze. Sie versteht sich laut Hersteller nicht als ausdrück­lich weib­lich, sondern allge­mein als Wesen. Und: Die gesamte Persön­lich­keit wird laut Micro­soft an lokale Gege­ben­heiten ange­passt. Die fran­zö­si­sche Cortana ist demnach anders als die japa­ni­sche. Weib­liche Stimmen als ange­nehmer wahr­ge­nommen Miriam Meckel, Profes­sorin für Kommu­ni­ka­ti­ons­ma­nage­ment an der Univer­sität St. Gallen, verweist eben­falls auf eine Reihe von Studien, die zeigten, dass weib­liche Stimmen als ange­nehmer wahr­ge­nommen werden als männ­liche. Deshalb sei die Vorein­stel­lung bei allen Sprachas­sis­tenten weib­lich.

Das Problem ist für Meckel, dass diese eine Service­funk­tion über­nehmen, die im tägli­chen Umgang dadurch mit weib­lich verbunden wird. "Da zuneh­mend auch Kinder im Umgang mit Alexa und Co. aufwachsen, kann das einen Einfluss auf das Geschlech­ter­rol­len­ver­ständnis einer Gesell­schaft haben", erklärt die Buch­au­torin, die auch Grün­dungs­ver­le­gerin des Digi­tal­ma­ga­zins "ada" ist.

Beson­ders dras­tisch habe sich dieses Problem am Beispiel sexu­eller Beläs­ti­gung gezeigt, so Meckel. "Tatsäch­lich müssen sich die Sprachas­sis­tenten da einiges anhören." Inzwi­schen arbei­teten die Hersteller daran, dass es darauf passende und nicht unan­ge­messen höfliche Antworten gibt. "Macht man Siri heute ein unmo­ra­li­sches Angebot, hört man: "Die Antwort lautet nein.""

Das zeigt laut Meckel: "Auch in der Kommu­ni­ka­tion und Inter­ak­tion mit Soft­ware­sys­temen sind Umgangs­re­geln wichtig. Wir lernen ja nicht nur von Menschen, sondern inzwi­schen auch von Maschinen."

Für die modernen Systeme werden echte Stimmen genutzt, die dann tech­nisch zu immer neuen Sätzen zusam­men­ge­baut werden. In der Tech­no­logie-Geschichte und in der Popkultur hat die Frau­en­stimme eine gewisse Tradi­tion. Im Kino­film "Her" (2013) verliebt sich Joaquin Phoenix in seiner Rolle in die Stimme eines Compu­ter­sys­tems, gespro­chen von Scar­lett Johansson. Die Zeit­an­sage am Telefon (ja, die gibt es noch) ist bis heute weib­lich. Tech­nisch kein Problem, wenn Männer­stimmen genutzt werden Die Berliner Forscherin Judith Mein­scha­efer erklärt das aus Sicht der Wissen­schaft: "Frau­en­stimmen sind verständ­li­cher als Männer­stimmen." Das liege daran, dass die Stimm­lippen schneller schwingen. Die Frequenz von Signalen sei höher.

Dass Compu­ter­sys­teme Frauen in eine Assis­tin­nen­rolle bringen, ist keine Sache für Mein­scha­efer als Wissen­schaft­lerin. Aber sie hat eine Vermu­tung als Frau: Wahr­schein­lich liege es daran, dass Männer sich mehr für Technik begeis­tern, und es passe viel­leicht in deren Welt­bild. Tech­nisch sei es kein Problem, wenn Männer­stimmen genutzt würden, so Mein­scha­efer.

Im Internet kann man sich angu­cken, dass es auch anders hätte kommen können. Siri und Alexa haben einen Groß­vater, wie ein altes Video von 1992 zeigt. Darin führen der dama­lige Apple-Chef John Sculley und der Compu­ter­wis­sen­schaftler Kai-Fu Lee im Fern­sehen ein Compu­ter­system vor, mit dem man reden kann. Die Stimme klingt recht hoch. Aber das System heißt: Casper.

Vermut­lich haben Samsung und Micro­soft mit ihren Sprachas­sis­tenten endgültig den Anschluss verpasst.

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dpa /

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