Smarte Alltagshelfer

Das Smartphone als Segen für Blinde

Inzwischen gibt es mehr als hundert Apps, die Menschen mit einer Sehbehinderung den Alltag erleichtern. Allerdings sind noch nicht alle Geräte barrierefrei - es kann noch viel verbessert werden.
Von Stefan Kirchner mit Material von dpa

Smartphones für Sehbehinderte Menschen Für sehbehinderte Menschen wird die Nutzuzng von Smartphone und Co. stetig verbessert
Foto: Monika Skolimowska/dpa
Während einer Tagung im Landesbildungszentrum für Blinde in Hannover checkt Thomas Kahlisch, Präsidiumsmitglied im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, in Sitzungspausen seine E-Mails. Dies geht dank der für Nicht-Sehende revolutionären VoiceOver-Technologie in Sekundenschnelle. Eine weibliche Stimme liest die E-Mails vor, und Kahlisch befiehlt teils schon bei den ersten Worten der Betreff-Zeile: "Löschen!"

Die integrierte Sprach-Funktion in Smartphones und Tablets erleichtere den Alltag ungemein, meint der Honorarprofessor an der Universität Leipzig. "Man wird mobiler, traut sich mehr zu und wird eigenständiger." Gleichzeitig betont Kahlisch: "Ohne weißen Stock bin ich verloren." So könnten Navigations-Apps ihm zwar sagen, in welcher Straße vor welcher Hausnummer er steht, aber nicht, ob sich dort ein Laternenpfahl oder eine schlecht gesicherte Baustelle befindet.

Inzwischen gibt es mehr als hundert Apps, die blinden und sehbehinderten Menschen helfen. Niemand muss mehr große Lupen oder Bildschirmlesegeräte mit sich herumschleppen. "Ich hätte früher nicht geglaubt, dass ein Blinder einen Touchscreen bedienen kann", sagt Franz Rebele, der noch etwa fünf Prozent Sehleistung hat. Der 77-Jährige macht in Berlin sehbehinderte Senioren in Kursen für die digitale Welt fit. Häufig nutzt Rebele die App "KNFB Reader", die gedruckte Texte in Sprachausgaben umwandelt - etwa, wenn er in einem schlecht beleuchteten Restaurant die Speisekarte oder in einer Bibliothek eine Informationstafel lesen möchte.

Bücher und moderne Technik

Smartphones für Sehbehinderte Menschen Für sehbehinderte Menschen wird die Nutzuzng von Smartphone und Co. stetig verbessert
Foto: Monika Skolimowska/dpa
Während in der Vergangenheit nur wenige Bücher in Brailleschrift für Blinde zugänglich waren, können Romane und Sachbücher jetzt von einem E-Reader vorgelesen werden. "Bei vielen digitalen Anwendungen gibt es allerdings noch Entwicklungsbedarf", sagt Kahlisch. "Den E-Book-Reader hätten wir gerne barrierefrei." Derzeit lasse sich zwar die Schrift des Buches, aber nicht die Menüleiste beliebig vergrößern.

Am diesjährigen Sehbehindertentag steht zudem das Thema "Hörfilmempfang" im Mittelpunkt. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bieten inzwischen bei vielen Filmen zusätzliche Beschreibungen von Gestik, Mimik oder Ausstattung für Blinde und Sehbehinderte an. Dies genügt nicht, meint Kahlisch: "Der DBSV wünscht sich, dass sich die Verkaufsberater in Elektromärkten und Fachgeschäften besser in das Thema einarbeiten und den Kunden bei der Einrichtung der Audiodeskription helfen."

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