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27.06.2018 - 15:50
Schockrechnung

Schiffsnetze: Auch bei Spaziergang am Hafen droht Kostenfalle

Handy bucht sich immer in stärkstes Netz ein

Kostenfallen bei der Mobilfunknutzung im Ausland stehen in diesem Sommer ganz besonders im Fokus der Medien und Verbraucher. Dank EU-Roaming-Regulierung gehen viele Handy-Nutzer davon aus, dass ihnen im europäischen Ausland keinerlei Zusatzkosten mehr drohen. Doch das ist ein fataler Irrtum, wie wir zum ersten Jahrestag des regulierten EU-Roamings aufgezeigt haben.

Besonders krasse Fälle, die in den vergangenen Wochen durch die Medien gegangen sind, handeln beispielsweise von 12 000-Euro-Schockrechnungen auf Kreuzfahrten. Auch über überhöhte Rechnungen bei der absichtlichen oder unbeabsichtigten Nutzung von Mobilfunknetzen in Flugzeugen wird zunehmend berichtet.

Damit ist klar: Die EU hat hier dringenden Handlungsbedarf, um diese Kostenfallen in Zukunft durch eine wirksame Regulierung abzustellen. Denn mittlerweile stellt sich heraus: Auch wer gar nicht Passagier eines Kreuzfahrtschiffs, einer Fähre oder einer Airline ist, steht in der Gefahr, in die Kostenfalle zu geraten. Statement der Bundesnetzagentur zur Situation am Hafen

Nicht immer sind die Funkmasten an Land die mit der stärksten Sendeleistung, vor allem nicht an Häfen

Nicht immer sind die Funkmasten an Land die mit der stärksten Sendeleistung, vor allem nicht an Häfen
Bild: dpa

In der Regel sind die Reedereien, die Kreuzfahrtschiffe oder Fähren betreiben, dazu angehalten, ihre Schiffsnetze an Bord abzuschalten, wenn das Schiff im Hafen liegt oder sich dem Land nähert. Das gilt auch für Flugzeug-Netze, so lange das Flugzeug noch am Boden steht.

Doch offenbar halten sich immer weniger Reedereien und Airlines daran. Und Handys und Smartphones haben die Eigenschaft, sich grundsätzlich in das stärkste verfügbare Mobilfunknetz einzubuchen, mit dem ein Roaming-Abkommen besteht. Aus technischen Gründen ist es ohne weiteres möglich, dass das Schiffs- oder Flugzeugnetz einen stärkeren Empfang bietet als das landgestützte Mobilfunknetz. Die Bundesnetzagentur warnt zum Beispiel davor, dass der Einbuchvorgang schon vor Betreten des Schiffes stattfinden kann und schreibt dazu auf einer Informationsseite zum Roaming:

Auf dem Schiff können für mobiles Telefonieren, SMS oder die Internetnutzung hohe Kosten entstehen. An Bord kommen mitunter spezielle Schiffsnetzbetreiber zum Zuge, die ihre Dienste via Satellit anbieten. Verbraucher sollten sich daher vor Reisebeginn beim Reiseveranstalter oder bei der Kreuzfahrtgesellschaft über das jeweilige Schiffsnetz und die Preise informieren. Vorsicht ist geboten, wenn sich das Schiff im Hafen oder in Landnähe befindet, da hohe Kosten bei Gesprächen über das Schiffsnetz drohen. Sofern das Schiffsnetz in diesen Regionen weiterhin aktiv ist, kann sich das Mobiltelefon dort einbuchen bzw. bleibt eingebucht, wenn die automatische Netzwahl eingestellt ist und das zuvor genutzte "Landnetz" kurzzeitig nicht zu empfangen war. Das kann schon beim Einchecken an Bord sein, wenn man im Inneren des Schiffs kurzzeitig keinen Empfang von Land hatte. Es ist daher ratsam, dass Sie Ihr Netz schon vor Antritt der Reise manuell auswählen und Sie Ihr "Landnetz" nutzen, solange dieses verfügbar ist.

Die Bundesnetzagentur empfiehlt als Gegenmittel also die manuelle Auswahl des Mobilfunknetzes in den Tiefen des Handy-Einstellungsmenüs, was sicherlich bereits einen nicht unbeträchtlichen Teil der Handynutzer vor Herausforderungen stellen dürfte. 1&1 warnt Spaziergänger im Hafen So lange die Kostenfalle bei eingeschalteten Schiffs- und Flugzeugnetzen besteht, müssen also auch Handy-Kunden mit einer Schockrechnung rechnen, die gar keine Passagiere eines Schiffs oder einer Airline sind und die schlicht und einfach vergessen haben, in der Nähe eines Schiffs oder Flugzeugs die manuelle Netzwahl durchzuführen. Mittlerweile warnen auch Mobilfunkprovider vor dem Problem. 1&1 beispielsweise schreibt auf einer speziellen Informationsseite:

Auf großen Kreuzfahrtschiffen sind GSM-Mobilfunknetze installiert, die es Ihnen ermöglichen, auch auf hoher See Gespräche über Ihr Mobiltelefon zu führen. Die Verbindung wird dabei über spezielle Satelliten hergestellt. In der Regel sind die Anbieter der Satelliten auch die Anbieter und Betreiber der Schiffsnetze und die Verbindungsentgelte entsprechend teuer. Die Höhe der Telefonkosten auf einem Kreuzfahrtschiff sind abhängig vom Roaming-Vertrag, den ein Mobilfunkanbieter mit dem Betreiber des Schiffsnetzes hat. Bitte beachten Sie: Sobald Sie im schiffseigenen Netz eingebucht sind, gelten die jeweiligen Konditionen. Diese gelten auch dann, wenn Sie bei 1&1 eine Option zur Auslandstelefonie gebucht haben oder diese Bestandteil Ihres Vertrages ist. Auch eingehende Anrufe können hohe Kosten verursachen.

Im Folgenden empfiehlt auch 1&1 die manuelle Netzwahl als Abhilfe. Schließlich wendet sich der Provider sogar an unbedarfte Spaziergänger, die am Hafen flanieren:

Achten Sie immer, auch bei einem Aufenthalt in Hafennähe, auf den im Display angezeigten Netzbetreiber. [...] Auch wenn Sie sich gar nicht auf einer Kreuzfahrt befinden: Bei einem Hafenspaziergang kann sich Ihr Mobiltelefon ebenfalls in ein teures Schiffsnetz eines angelegten Kreuzfahrtschiffes einbuchen, wenn in Ihrem Telefon die automatische Netzwahl aktiviert ist.

Offenbar gehen sowohl die Bundesnetzagentur als auch Provider mittlerweile davon aus, dass Betreiber von Schiffsnetzen ihre Netze an Land nicht ausschalten. Hier besteht also dringender Handlungsbedarf seitens der EU, diese Kostenfalle wirksam abzustellen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Ratgeberseite zur Kostenfalle bei Schiffsnetzen und Fähren.

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