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15.03.2019 - 11:02
(No) Brexit?

Großbritannien und Brexit: Wird Roaming wirklich teurer?

Noch weiß niemand, ob der Brexit vollzogen wird

Zu den aktuellen Themen der Zeit gehört sicher auch der Brexit. Weil Europa zu weit weg und überbürokratisch erscheint, weil viele Menschen sich nur unzureichend über Europa informieren, hat sich in vielen Ländern Frust breit gemacht. Dabei sollten gerade Mobilfunk-Kunden sich bewusst sein, dass die anfangs extrem hohen Roaming-Tarife erst durch das Eingreifen der europäischen Kommission und des EU-Parlaments auf das Niveau gesunken sind, auf dem sie heute sind. Roam like at home wurde nur durch europäische Beharrlichkeit möglich.

In England hatte es eine Abstimmung zu Europa gegeben. Viele Wähler, darunter auch einige Europafans, fanden das Thema damals wohl nicht so "spannend" und nahmen an der Abstimmung nicht teil. Das Lager der Europagegner schaffte es, seine Anhänger zu mobilisieren und mit knapper Mehrheit stimmten die britischen Wähler auf einmal für den "Brexit" ein Kunstwort aus "Britain" und "Exit".

Zwar ist die aktuelle politische Gemengelage im Moment noch mehr als unübersichtlich. Premierministerin Theresa May hat bisher krachende Niederlagen für ihren Brexit-Ausstiegs-Vertrag erhalten, aber einen ungeregelten Exit wollen die britischen Parlamentarier auch nicht. Alles scheint möglich. Brexit: Was wäre wenn?

Bleibt Großbritannien in der EU oder nicht? Welche Auswirkungen hat das auf die gegenseitigen Roaming-Tarife?

Bleibt Großbritannien in der EU oder nicht? Welche Auswirkungen hat das auf die gegenseitigen Roaming-Tarife?
Foto: Picture Alliance / dpa

Was wäre, wenn das britische Parlament den Brexit-Vertrag von Premierministerin Theresa May in letzter Minute doch noch annimmt und Großbritannien ab dem 1. Juli nicht mehr in der EU Mitglied wäre? Dann dürfte der Tag kommen, an dem auch telefontechnisch Großbritannien in eine neue Länderzone gerückt wird. Das würde bedeuten: Ein Anruf von Deutschland nach 0044 (United Kingom, Channel Islands) wäre auch nach der EU-Preisdeckelung für Anrufe ins Ausland in etwa so teuer, wie aktuell in die Schweiz (kein EU-Mitglied) oder nach Andorra (kein EU-Mitglied).

Beim Aufenthalt eines EU-Land-Kunden in Großbritannien würden die EU-Roaming-Tarife ebenfalls nicht mehr gelten, d.h. das Land könnte in teure Tarifzonen rutschen, wie es heute schon bei Fahrten in die Schweiz (für Kunden von Vodafone oder o2) gilt. Sprich: Ankommende Anrufe würden von derzeit 0 auf Werte von unter einem Euro pro Minute oder sogar darüber rutschen, abgehende Verbindungen könnten zwischen einem Euro und zwei Euro pro Minute liegen. Denkbar wären auch Straftarife, wo Großbritannien in die teuerste "Restliche Welt"-Zone verschoben würde.

Wir haben bei Telekom, Vodafone und Telefónica mal nachgefragt. Deutsche Telekom teltarif.de: Hallo nach Bonn, ein heißes Eisen: Unterstellt, der "Brexit" würde formal Wirklichkeit, ab wann würden dann für Kunden der Deutschen Telekom neue Roaming-Tarife gelten und wenn ja, welche Preise wären das? Welche Regeln würden für Telekom-Kunden im formal nicht mehr zu EU gehörenden Großbritannien dann gelten? Umgekehrt: Welche Tarife können britische Kunden der Deutschen Telekom (über BT) erwarten?

Die Antwort aus Bonn: "Derzeit ist nicht abzusehen, wie die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU aussehen werden. Unabhängig davon umfassen unsere Mobilfunktarife ja auch heute schon Länder, die nicht EU-Mitglied sind. Zur Tarifgestaltung der BT (British Telecom, daran ist die Deutsche Telekom beteiligt) können wir keine Aussage treffen."

Man werde uns informieren, "wenn es soweit ist." Vodafone Deutschland Unsere Frage: Unterstellt, der "Brexit" würde formal Wirklichkeit, ab wann würden dann für Kunden der Vodafone Deutschland in Großbritannien neue Roaming-Tarife gelten und wenn ja, welche wären das? Welche Regeln würden für Vodafone-Deutschland Kunden im dann formal nicht mehr zu EU gehörenden Großbritannien gelten? Umgekehrt: Welche Tarife können britische Vodafone-Kunden im Netz von Vodafone Deutschland erwarten?

Die Antwort aus Düsseldorf: "Brexit und EU-Roaming sind zwei unterschiedliche paar Schuhe. So nehmen Norwegen, Island und Liechtenstein an der EU-Roaming-Regulierung teil, obwohl sie KEINE Mitglieder der EU sind. Es liegt im Falle des Brexit zunächst an Großbritannien, darüber zu entscheiden, ob sie weiter an der EU-Roaming-Regulierung teilnehmen möchten. Wir haben keinerlei Anzeichen dafür, dass Großbritannien künftig nicht mehr an der EU-Roaming-Regulierung teilnehmen will. Insofern gehen wir davon aus, dass sich selbst im Falle des Brexits an der bestehenden Roaming-Regelung mit Großbritannien vorerst nichts ändern wird." Telefónica Germany (o2) Die Frage: Unterstellt, der "Brexit" würde formal Wirklichkeit, ab wann würden dann für Kunden der Telefónica Deutschland in Großbritannien neue Roaming-Tarife gelten und wenn ja, welche wären das? Welche Regeln würden für Telefónica-Deutschland-Kunden im dann formal nicht mehr zu EU gehörenden Großbritannien gelten? Umgekehrt: Welche Tarife können britische o2-Kunden im Netz von Telefónica Deutschland erwarten?

Die Antwort: "Wir beobachten die derzeitigen politischen Vorgänge in Großbritannien sehr genau und werden uns zu gegebener Zeit dazu äußern, in Abhängigkeit der politischen Entscheidung zum Brexit und der bilateralen Abkommen mit den entsprechenden Roaming-Partnern. Wir bitten um Verständnis, dass wir bis dahin noch keine konkreten Aussagen zum Thema machen können, außer: Vorerst ändert sich nichts." (No) Brexit? Vielleicht wird der Brexit verschoben und die Briten müssen dadurch (ob sie wollen oder nicht) an der bevorstehenden Europawahl teilnehmen. Deren Wahlbeteiligung und Ergebnis könnte ein wichtiges Signal für eine erneute Abstimmung über den Brexit sein. Am Ende könnte sich in England die Vernunft durchsetzen, dass es besser ist, gemeinsam in der EU zu bleiben, als in lähmenden nervtötenden Verhandlungen jedes Detail mit der EU erneut extra zu regeln und hohe Zölle einzuführen, welche die Wirtschaft behindern.

Anderenfalls dürften viele Firmen, die momentan noch in England sind, weil sie eine Basis für EU-Europa brauchen, aus England fortgehen, einige haben das bekanntlich schon getan. Auch viele Banken dürften London verlassen. Falls Brexit, werden britische Prepaid-Karten wieder interessant Sollte der Brexit Wirklichkeit werden und die Mobilfunktarife wirklich "angepasst" werden, werden England-Reisende sich wieder verstärkt nach lokalen Prepaid-Karten, beispielsweise für den Urlaub umsehen oder möglicherweise auf den Urlaub in England ganz verzichten.

Genauso gut ist denkbar, dass im Rahmen eines "bilateralen" Abkommens die erfolgreiche EU-Regulierung einfach bestehen bleibt. Falls sich England nicht am Ende doch noch auf die EU zurückbesinnt und in einer neuen Abstimmung dem "Gespenst Brexit" endgültig den Laufpass gibt.

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