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05.12.2019 - 10:10
Guter Wille

Telekom-Chef Wössner: Viel regulatorische Probleme

Es ginge viel mehr, wenn die Bürokratie nicht wäre

Beim Jahres­endge­spräch stellte Telekom Deutsch­land Chef Dirk Wössner Ideen zur Beschleu­nigung und Verein­fachung der Geneh­migungs­bedin­gungen in Deutsch­land vor. Alle Vorschläge klingen vernünftig und logisch, aber die aktu­elle Lage sieht leider anders aus. Muster­geneh­migung für Mobil­funk?

Dirk Wössner erläuterte beim Jahresendgespräch die regulatorischen und organisatorischen Hürden beim schnellen Netzausbau in Deutschland.

Dirk Wössner erläuterte beim Jahresendgespräch die regulatorischen und organisatorischen Hürden beim schnellen Netzausbau in Deutschland.
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

So wird für Mobil­funk­sender beispiels­weise eine „Muster­geneh­migung“ vorge­schlagen, d.h. eine Basis­station wird in einer bestimmten Konfi­gura­tion einmal zuge­lassen und nach diesem Baumuster kann sie dann überall sofort aufge­baut und einge­schaltet werden, die Geneh­migungs­behörden könnten dann im Nach­hinein bei begrün­deten Problemen tätig werden. Die Frei­leitung braucht ein Geneh­migungs­update Wenn ein Bauernhof über eine Frei­leitung an Holz­masten erschlossen ist, darf nicht einfach das Kupfer­kabel durch ein Glas­faser­kabel (mit Stahl­seil wegen der Stabi­lität und Zugbe­lastung) ausge­tauscht werden. Nein, das wäre ein „Update“, d.h. jeder Mast müsste mit Leit­planken versehen und nach den neuesten Sicher­heits­vorschriften extra markiert werden. Unter­schied­liche Geneh­migungen - je nach Bundes­land Geneh­migungen sind je nach Bundes­land unter­schied­lich. Gemeinden, die eine Förde­rung bean­tragen wollen, gehen ein hohes Risiko ein, wenn die Förde­rung am Ende nicht so klappt, wie gedacht. Viele Gemeinden seien orga­nisa­torisch gar nicht in der Lage, diese Antrags­verfahren durch­zuführen. Wössner könnte sich vorstellen, den Gemeinden bei der Antrag­stel­lung zu helfen, "aber das dürfen wir nicht!" Kein digi­taler Prozess - kein Work­flow Wössner bemän­gelte: „Es fehlt ein voll­digi­tales Verfahren, es gibt keinen klaren „Work­flow“ (klar defi­nierter Arbeits­ablauf). Das soge­nannte „Förder­regime“ müsse verein­facht werden, es solle freie Bahn frei für Koope­rationen eben. Warten auf Geneh­migung zur Koope­ration Der aktu­elle Antrag von Telekom und EWE zur Geneh­migung einer gemein­samen Ausbau­gesell­schaft für Glas­faser hätte plan­mäßig 3 Monate dauern sollen, daraus wurden bislang 9 Monate, derzeit sei wohl die letzte Phase erreicht, aber offi­zielle Infor­mationen gebe es nicht.

„Wie darf man sich über Ausbau abstimmen?“ Kartell­recht­lich sei das alles überaus heikel. Gesell­schaft­lichen Konsens umsetzen Dabei gebe es längst einen gesell­schaft­lichen Konsens über den Ausbau digi­taler Infra­struktur. Wössner stellte auch die Frage, ob eine einheit­liche bundes­weite Regu­lierung der Telekom noch sinn­voll sei. Schon beim BREKO Abend hatte Wössner bekannt gegeben, dass die Telekom über 3 Millionen Haus­halte mit schnellem Internet versorgt, das sie von Dritt­liefe­ranten bezieht und es soll mehr werden, aber die recht­lichen Rahmen­bedin­gungen sind kompli­ziert. Renais­sance des Wholebuy? Der „Wholebuy“ (= Telekom kauft Leis­tungen von Dritt­anbie­tern ein) werde schritt­weise immer besser, habe aber noch nicht volle Funk­tiona­lität erreicht. So könne MagentaTV bei Zulie­ferung der Signal­leitung und des Daten­stroms über Fremd­anbieter nur in der OTT-Lösung gebucht werden.

Es gäbe Stadt­werke, die die Telekom nicht auf ihre Leitungen lassen wollten. Es gäbe klei­nere Netz­betreiber, die anfangs Bedenken hätten, die Telekom zu belie­fern, doch dort finde ein Umdenken statt.

Es gäbe sogar Netz­inhaber, die auf der Suche nach Betrei­bern eines bereits aufge­bauten Netzes seien, was auch die Telekom leisten könne. Bei klei­neren Netz­betrei­bern gehe noch die Angst um, bei einer Zusam­menar­beit mit der Telekom in den Sog der Regu­lierung zu geraten. Fertige Glas­faser einkaufen? Die Telekom plane auch bei Fremd­liefe­ranten FTTH einzu­kaufen, derzeit noch im Test­modus. Auch der Verkauf von FTTH-Glas­faser­anschlüssen an andere Anbieter sei ange­dacht, es gebe schon Anfragen, aber dafür fehlten noch die genauen Regu­lierungen der Bundes­netz­agentur. FTTH ist ein Regu­lierungs­thema, der Regu­lierungs­rahmen ist noch unklar, es gibt deut­liche Unter­schiede, ob Sie ein Mehr­fami­lien­haus in der Stadt oder ein Einfa­mili­enhaus auf dem Land mit Glas­faser anschließen wollen.

FTTB (Glas­faser nur bis zum Haus in den Keller) hält Wössner für eine „Über­gangs­tech­nologie“, die rich­tige Lösung sei FTTH bis zum Kunden in die Wohnung zu liefern. Viele gute Absichten Dabei hat Wössner bemerkt, dass alle Betei­ligten durchaus gute Absichten hätten. Der Streit um Tren­ching (=Auffräsen der Gehwege) ist kein Geld-Thema, sondern ein Kompe­tenz-Thema. Muss eine Glas­faser „frost­sicher für die Ewig­keit“ verlegt werden? „Man kann sie sogar in einer Wasser­leitung verlegen, die Glas­faser kann nicht einfrieren.“ Beim Tren­ching kann der Bautrupp etwa 750 Meter pro Tag in einem Ort verlegen. Durch klas­sisches Aufgraben sinkt die Rate auf 100 bis 150 Meter pro Tag. „Tren­ching bedeutet weniger Stress für Anwohner.“ Dabei kann sich Wössner durchaus eine recht­liche Absi­cherung gegen spätere Folge­schäden bei beschä­digten Tren­ching-Leitungen vorstellen, um die „Angst“ vor dieser Technik zu nehmen.

Tren­ching sei 40-50 Prozent pro laufender Meter güns­tiger, anders herum gerechnet könnte man 30-40 Prozent mehr Ausbau pro Jahr fürs gleiche Geld leisten. Auch wenn von öffent­lichen Gebäuden als Standort gespro­chen werde, viele öffent­liche Gebäude hätten die bestehenden Mobil­funk-Miet­verträge gekün­digt, offenbar weil Mieter im Haus dagegen seien. Kunden­beschwerden halbiert Neben allerlei regu­lato­rischen Problemen gibt es auch gute Nach­richten. 30.000 Mitar­beiter/innen im Service der Telekom bedienen aktuell 60 Millionen Kunden und fuhren 40.000 Einsätze im Außen­dienst vor Ort. Dabei hätten sich in den letzten zwei Jahren die Kunden­beschwerden halbiert.

Die Zahl der geplatzten Tech­niker-Termine (Tech­niker ange­kündigt, kam aber nicht) sei auf unter 1,5 Prozent gedrückt worden. An der Hotline konnte die Warte­zeit der Anrufer auf einen Mitar­beiter um 25 Prozent auf unter zwei Minuten gesenkt werden. 42 Prozent der Probleme konnten im ersten Anruf geklärt werden.

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