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02.07.2014 - 12:32
Offiziell

Offiziell: o2 darf E-Plus übernehmen - EU-Kommission hofft auf vierten Netzbetreiber (Update)

o2 muss bis zu 30 Prozent der Netzkapazitäten abgeben

Der Mobilfunker Telefónica Deutschland mit der Marke o2 darf seinen Konkurrenten E-Plus übernehmen. Die EU-Kommission genehmigte in Brüssel die milliardenschwere Hochzeit auf dem deutschen Mobilfunkmarkt unter Auflagen.

Der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, Joaquín Almunia, erklärte dazu: "Die von Telefónica eingegangenen Verpflichtungen gewährleisten, dass die Übernahme von E-Plus den Wettbewerb auf dem deutschen Tele­kommuni­kationsmarkt nicht beeinträchtigen wird. Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen."

"Wir haben jetzt den wichtigsten Meilenstein auf unserem Weg erreicht, die Transaktion abzuschließen", sagt Markus Haas, CSO Telefónica Deutschland Holding AG. In einer Mitteilung bekräftigt Telefónica den Plan, die Übernahme noch im dritten Quartal 2014 zu vollziehen. Auflagen: o2 muss bis zu 30 Prozent der Netzkapazitäten verkaufen

Die EU-Kommission hat die Übernahme von E-Plus durch o2 unter Auflagen genehmigt.

Die EU-Kommission hat die Übernahme von E-Plus durch o2 unter Auflagen genehmigt.
Bild: dpa

Die EU-Kommission hat die Übernahme nur für den Fall genehmigt, dass drei Auflagen vollständig eingehalten werden. Das Ziel der Vorgaben aus Brüssel ist, Wettbewerber in Deutschland zu stärken. Langfristig hoffen die Wettbewerbshüter, dass ein neuer, dann wieder vierter, Netzbetreiber den Markteintritt wagen wird.

Demnach ist o2 verpflichtet "vor dem Abschluss des Zusammenschlusses bis zu 30 Prozent der Netzkapazität des neuen Unternehmens zu verkaufen", heißt es in der Mitteilung der EU-Kommission. Bis zu drei Käufer muss o2 dafür finden. Mit Drillisch erzielte o2 bereits eine Einigung über die Übernahme von 20 Prozent der Netzkapazität.

Die EU-Kommission verlangt dabei, dass die Käufer einen speziellen Kanal für Sprach- und Datenverkehr erhalten. Die Abrechnung soll nicht nach dem Verbrauch erfolgen, sondern pauschal für die abzugebende Kapazität. Die im Voraus feststehende Kapazität soll den Anbietern ein Anreiz sein, Kunden mit attraktiven Preisen zu gewinnen.

o2 konkretisierte inzwischen seine Pläne: Demnach sehe die Vereinbarung vor, zunächst - wie schon mit Drillisch vereinbart - 20 Prozent der Netzkapazität abzugeben. Der Zugang erfolge als Bitstream-Access. Drillisch könne später weitere 10 Prozent Kapazität des Netzes erwerben. o2 muss Vermögenswerte und Frequenzspektren verkaufen Weiterhin soll das fusionierte Unternehmen Frequenz-Spektren und Vermögenswerte verkaufen. Käufer könnte beispielsweise ein neuer Marktteilnehmer sein, der ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen möchte. Alternativ komme auch ein Anbieter infrage, der o2 ein Teil der Netzkapazität abgekauft hat - also zum Beispiel Drillisch.

Nach eigenen Aussagen bietet Telefónica Kauf-Interessenten Frequenzpakete im 2,1- und 2,6-Gigahertz-Bereich an. Außerdem bestehe für den Käufer die Möglichkeit von National Roaming und der passiven Mitbenutzung von Mobilfunkstandorten. LTE für alle interessierten Marktteilnehmer In Zukunft muss Telefónica allen interessierten Marktteilnehmern Zugang zum LTE-Netz gewähren.

Diese Auflage könnte Sprengkraft für den deutschen Discounter-Markt entwickeln. Denn o2 muss künftig ermöglichen, dass Anbieter über das o2-Netz LTE-Dienstleistungen verwirklichen können. Theoretisch könnte ein Anbieter im Vodafone- oder Telekom-Netz LTE über o2 abwickeln. Das setzt die beiden Netzbetreiber unter Druck, die eigene LTE-Politik zu überdenken.

Bestehende Großkunden-Vereinbarungen muss das neue Unternehmen weiterführen. Telefónica teilte bereits mit, Verträge mit Service Providern sollen bis in das Jahr 2025 verlängert werden. Auch der Wechsel in andere Netze soll den Anbietern erleichtert werden. Offene Fragen: Wer wird Chef des noch namenlosen Unternehmens Im Bereich der offenen Fragen liegt, wie das fusionierte Unternehmen heißen soll. Auch wer Chef des künftigen Marktführers werden soll, ist noch nicht bekannt. Seit Monaten ist E-Plus-Chef Thorsten Dirks für den Chefposten im Gespräch.

Die Auflagen sollen dafür sorgen, dass die Preise für die Verbraucher nicht steigen. Denn mit dem Zusammenschluss sinkt die Zahl der Anbieter auf dem deutschen Mobilfunkmarkt von vier auf drei.

Update: Die Zusammensetzung der Unternehmensspitze des neu fusionierten Unternehmens unter Thorsten Dirks wurde bekannt gegeben.

Bereits vor der offiziellen Erklärung durch die EU-Kommission hatte sich Entscheidung zur Genehmigung der Fusion von o2 und E-Plus durch Medienberichte verbreitet. In einer Stellungnahme zur Fusion begrüßte Konkurrent Vodafone unter anderem die Forderung, dass das fusionierte Unternehmen einen Teil seines Frequenzspektrums abgeben muss.

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Hans-Georg Kluge mit Material von dpa

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