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02.02.2014 - 18:03
"Einvernehmlich"

Editorial: o2-Chef weg

Der überraschende Rücktritt von René Schuster

Mittwochabend erklärte Telefónica Deutschland, besser bekannt unter der Marke ihres Mobilfunknetzes o2, dass der Vorstand des Unternehmens, René Schuster, bereits zum Freitag ausscheiden wird. Natürlich stellen sich sofort die Fragen: "Warum so plötzlich?" und: "Warum jetzt?" Doch auch die in Managerkreisen meist besser vernetzte Wirtschaftspresse kennt derzeit keine Antworten auf diese Fragen, und kann nicht mehr, als die recht dürftige ad-hoc-Meldung zitieren bzw. darüber spekulieren, ob für den Fall, dass die angestrebte Fusion mit E-Plus genehmigt wird, nicht gar der langjährige E-Plus-Chef Thorsten Dirks den Gesamtkonzern leiten könne.

In der Mitteilung von Telefónica o2 ist von einer "einvernehmlichen Vereinbarung" mit Schuster die Rede. Nun kennt man den Spruch: "Der Mitarbeiter verlässt das Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen" aus Arbeitszeugnissen. Er bedeutet regelmäßig, dass ein Aufhebungsvertrag geschlossen wurde. Jedoch kommt es eher selten vor, dass Mitarbeiter wie Unternehmer gleichzeitig auf die Idee kommen, dass jetzt langsam die Zeit gekommen ist, den Arbeitsvertrag zu beenden, und verhandeln dann fröhlich die Details des Auflösungsvertrags miteinander. Meist ist doch die Unternehmerseite die treibende Kraft, und der Mitarbeiter unterschreibt den Auflösungsvertrag, um weiteren Streit zu vermeiden, oder noch einen Vorteil für sich (z.B. eine Abfindung) herauszuschlagen.

Auch die Kurzfristigkeit des Ausscheidens von Schuster spricht dafür, dass Telefónica die Trennung wollte, nicht Schuster. Zwar kann auch ein Chef einen Posten aufgeben und sich eine neue Herausforderung suchen. Doch ist es üblich, dass der scheidende Chef zuvor seinen Vertrag noch erfüllt oder zumindest dem Unternehmen Zeit gibt wird, einen Nachfolger zu suchen und einzuarbeiten. Denn ein Führungsmitarbeiter, der Knall auf Fall seinen Posten hinwirft, ist nicht gerne gesehen. Zwar können auch gesundheitliche Probleme einen kurzfristigen Abgang aus persönlichen Gründen rechtfertigen, doch ist es dann nicht unüblich, diese zumindest kurz zu erwähnen, um die Spekulation über mögliche andere Ursachen zu verhindern. Schwierige LTE-Entscheidung

o2 und René Schuster gehen nun getrennte Wege

o2 und René Schuster gehen nun getrennte Wege
Bild: o2, Montage: teltarif.de

Zudem ist aktuell Berichtssaison, und es ist daher nicht ganz unwahrscheinlich, dass Schuster mit Telefónica Deutschland wichtige Planzahlen bezüglich Umsatz, Gewinn und/oder Kundenzuwachs verfehlte, und die Muttergesellschaft in Spanien nun die "Reißleine" gezogen hat. Der Abschluss des Geschäftsjahres 2013 ist zwar noch nicht veröffentlicht, aber in den drei Quartalen des Vorjahres (Zeitraum bis September 2013) war Telefónica Deutschland bereits hinter das Vorjahr zurückgefallen. Statt eines Gewinns steht unterm Strich sogar ein kleiner Verlust. Sollte sich dieser Trend im vierten Quartal fortgesetzt haben, wäre Telefónica Spanien sicher "not amused".

Derzeit bewegt sich o2 in einem schwierigen Umfeld. Der LTE-Netzaufbau ist alles andere als billig. Will o2 leistungsmäßig mit der Deutschen Telekom und Vodafone mithalten, müssen sie auch ähnlich viel Geld investieren. Nur, dass sich bei o2 diese Investitionskosten auf weniger Nutzer verteilen, pro Kunde also mehr Geld in die Hand genommen werden müsste, als bei den großen Anbietern. Andererseits positioniert sich o2 als Premium-Marke. LTE gar nicht aufzubauen, wie es E-Plus ganz bewusst macht, geht auch nicht. Der aktuelle "langsame" LTE-Aufbau von o2 dürfte aber weder reichen, um kräftig Kosten zu sparen, noch, um anspruchsvolle Kunden zufriedenzustellen.

Auch die Hängepartie bezüglich der E-Plus-Übernahme, wo sich die Kartellämter Deutschlands und der EU monatelang um die Zuständigkeit gestritten haben, statt in der Sache zu entscheiden, lähmt derzeit den Konzern. Gerade teure Netzausbauentscheidungen möchte man ungern treffen, wenn man weiß, dass sich die Entscheidungsgrundlage in wenigen Monaten möglicherweise drastisch ändert. Es liegt daher im Interesse aller Beteiligten, das baldmöglichst eine klare Entscheidung ergeht, ob die Fusion genehmigt wird oder nicht.

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