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19.01.2019 - 15:27
Umstritten

"Koa Sender net": Graswang diskutiert über Sendemast

250 Einwohner in Bayern sind überwiegend skeptisch

Das Bundesland Bayern hat mit den Mobilfunkanbietern einen Mobilfunkpakt geschlossen, damit der Netzausbau vorankommt. Ganz Bayern soll ausgebaut werden, bis auf das eine oder andere "gallische" Dorf.

82488 Graswang gehört zur Gemeinde Ettal, bekannt durch das Kloster und deren Klosterlikör oder Schloss Linderhof. Das alles wiederum liegt in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen, bekannt durch Olympia und Skisprungmeisterschaften. „Wang“ ist ein von Natur aus mit Vegetation bestandenes Gebiet oder ein natürlich grünendes Gelände. Orte auf -wang sind sehr alt und gehen auf Gründungen in germanischer Zeit zurück. Belegt ist jedoch, dass Graswang bereits vor Ettal bewohnt war.

Um die Mobilfunkversorgung in und um Graswang zu verbessern, möchte die Deutsche Telekom auf dem etwa 941 Meter hohen Berg "Rauhbichel" einen etwa 30 Meter hohen Sendemast aufstellen, um in der Gegend schnelles mobiles Internet und guten Handyempfang zu ermöglichen. Diese Vorstellung hat in Graswang für erhebliche Diskussion gesorgt, wie der regionale Radiosender Radio Oberland und die in München erscheinende Tageszeitung Münchner Merkur berichten. Geplanter Sender beschäftigt Einwohner

Der idyllische Ort Graswang bei Ettal, nahe Garmisch-Partenkirchen soll mit Mobilfunk besser versorgt werden. Skilangläufer werden das zu schätzen wissen, die Bürger sind noch skeptisch.

Der idyllische Ort Graswang bei Ettal, nahe Garmisch-Partenkirchen soll mit Mobilfunk besser versorgt werden. Skilangläufer werden das zu schätzen wissen, die Bürger sind noch skeptisch.
Foto: Picture Alliance / dpa

Bei der letzten Gemeinderatssitzung in Ettal kamen etwa 20 Bürger aus Graswang vorbei. Ihr Thema: Der geplante Sendemast der Telekom. Zwar hat Graswang nur 250 Einwohner, doch die Bedenken gegen den Mast sind deutlich. Gemeinderat Korbinian Ostler sieht das so: „Es gibt eine Grundversorgung hier, damit sind die Leute zufrieden. Wir brauchen so ein Riesending nicht, von dem wir nicht wissen, welche gesundheitlichen Risiken davon ausgehen, und das die Landschaft und das Ortsbild extremst verschandeln würde.“

Rund eine Stunde wurde lebhaft diskutiert, dann wurde von einer privaten Bürger-Befragung berichtet. Demnach hätten sich 77 Prozent gegen den Sendemasten ausgesprochen, 6,5 Prozent seien dafür gewesen. Bürgermeister Pössinger glaubt, selbst gesundheitliche Probleme "offenbar aufgrund von Mobilfunkstrahlung" gehabt zu haben, möchte aber auch an die Zukunft denken: „Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran, das ist auch die klare Linie der Politik in Bayern. Wir können uns dem auf Dauer nicht mehr verschließen und müssen auch an unsere jungen Leute denken, von denen wir nicht wollen, dass sie unser Tal aus beruflichen Gründen verlassen. Dann müssen aber auch die technischen Voraussetzungen bei uns passen, zum Beispiel, dass Homeoffice problemlos möglich ist.“ Möglichst im Gespräch bleiben Graswang möchte „im Spiel bleiben und das Mitspracherecht gegenüber der Telekom behalten“. Der Bürgermeister verwahrte sich gegen ein kategorisches Nein, schlug Alternativen wie einen ehemaligen Schießplatz zwischen Graswang und Linderhof vor. Andernfalls könnten Telekom und Staatsforsten den Masten "in der Dickelschwaig aufbauen" und dagegen gäbe es keine Chance mehr, zu widersprechen. Erneute Befragung Der örtliche Kirchen-Pater regte an, nochmal eine offizielle Befragung der Graswanger Bürger durch die Gemeinde zu veranlassen, mit allen Argumenten bezüglich Pro und Contra. Das Ergebnis könnte man dann der Telekom übermitteln, der Gemeinderat stimmte zu. Eine Einschätzung Bürgermeister Pössinger möchte den Mast „möglichst weit von der Wohnbebauung wegbekommen“, was bedeutet, dass die Handys gute Sicht zum Sendemasten haben müssen, weil sie sonst mit maximaler Leistung senden müssen, um den Kontakt nicht zu verlieren. Im Gegenteil: Funktechnisch gesehen sollte dieser Sender idealerweise mitten im Ort stehen (vielleicht gut im Kirchturm versteckt), denn dann könnte die Sendeleistung durchaus geringer sein, die Wirkung wäre eine bessere, weil Daten schneller fließen und Verbindungen stabiler würden. Die Graswanger könnten sich dazu in der Schweiz umschauen, wo deutlich niedrigere Grenzwerte unterm Strich für eine bessere Netzabdeckung sorgen.

Die Telekom möchte auf den hohen Berg, um die zwischen den Orten verlaufende Staatsstraße 2060 und den Nachbarort Dickelschwaig und die darumliegenden Berge und Wandergebiete auch versorgen zu können, verständlich.

Nun wird es eine Bürger-Befragung in Graswang geben, wobei das Mindestalter auf 16 Jahre festgelegt wurde. Es dürfte an der Jugend liegen, den älteren Mitbürgern zu "erklären", wofür Mobilfunk gebraucht wird und warum eine gute Netzversorgung wichtig ist. Beispielsweise, wenn man tief im Wald einmal dringend Hilfe holen muss. Ohne Netz ist das so einfach nicht zu machen.

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