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05.12.2019 - 17:04
Funklöcher

Telekom: "Wir jagen Funklöcher" zeigt Ausmaß der Misere

624 Bewerbungen sind eingegangen

Alle Netz­betreiber haben den Netz­ausbau auf ihre Fahnen geschrieben. Die Telekom hatte eine origi­nelle Idee, bei der Jagd nach Funk­löchern die betrof­fenen Gemeinden aufzu­fordern, sich zu melden. Der Trick dabei: Die Gemeinden mussten einen Gemein­derats­beschluss mitlie­fern, in dem sich die Gemeinde für Mobil­funk Ort ausspricht und (mindes­tens) einen geneh­migungs­fähigen Standort anbieten.

Der Erfolg war klar: In drei Monaten hat es 624 Bewer­bungen gegeben. Bis zur letzten Stunde der Bewer­bungs­frist am 30. November gingen Bewer­bungen aus allen Teilen Deutsch­lands ein. Allein in der letzten Woche der Bewer­bungs­phase waren es rund 250. Beson­ders viele Bewer­bungen kamen dabei aus Rhein­land-Pfalz (133), gefolgt von Nord­rhein-West­falen (95) und Bayern (70). 539 Kommunen meldeten 624 Bewer­bungen, einige Kommunen meldeten gleich mehrere Orts­teile an. Liebenau schnellste Kommune

Mit der Aktion "Wir jagen Funklöcher" hat die Telekom ins Schwarze getroffen. 624 bzw. 539 Anträge von Gemeinden, die ihre Funklöcher gestopft haben möchten

Mit der Aktion "Wir jagen Funklöcher" hat die Telekom ins Schwarze getroffen. 624 bzw. 539 Anträge von Gemeinden, die ihre Funklöcher gestopft haben möchten
Foto: Telekom

Die erste Kommune, die sich um einen Platz beworben hatte, war das hessi­sche Liebenau (34396) mit dem Stadt­teil Zwergen (bei Kassel in Nord­hessen). Deren Bewer­bung ging kaum mehr als 24 Stunden nach dem Start der Aktion ein. Die Last-Minute-Bewer­bung kam aus dem bran­denbur­gischen Temnitztal (16845, bei Neuruppin). Sie traf am 30. November, 23.55 Uhr, fünf Minuten vor Tores­schluss, ein.

„‘Wir jagen Funk­löcher‘ zeigt, dass Mobil­funk­ausbau anders gehen kann, wenn alle an einem Strang ziehen“, freut sich Walter Golde­nits, Tech­nikchef der Telekom Deutsch­land. „Wir haben sehr viel Begeis­terung und Enga­gement der Bewerber-Kommunen gespürt. Wir haben ein Inter­esse und die Kommunen haben ein Inter­esse – und das Ergebnis ist: Ein Funk­loch weniger. Es zeigt sich, dass es sich lohnt, neue Wege zu gehen. Prag­matismus zahlt sich aus. Jetzt ist es an uns, die Gewinner zu küren und dort so schnell wie möglich LTE in Betrieb zu nehmen". Mehr als 50 Stationen Wie schon berichtet, gilt als sicher, dass es mehr als 50 neue Stationen geben wird. "Wir werden die Chancen, sofort bauen zu können, natür­lich nutzen", betonen Telekom-Tech­nikchef Golde­nits und sein Telekom-Deutsch­land­chef Wössner.

Die ersten Kommunen werden voraus­sicht­lich schon im 1. Quartal 2020 einen LTE-Mobil­funk­mast der Telekom erhalten. Bis Ende 2020 sollen alle 50 Funk­löcher geschlossen sein. And the Winner is... Viel­bach Die rhein­land-pfäl­zische Gemeinde Viel­bach (56244, eigen­stän­dige Gemeinde) bei Rans­bach-Baum­bach, unweit der Auto­bahn A3 ist die erste Gewin­nerin der Aktion.

Weitere 18 Gemeinden sind bereits ausge­wählt. Bei ihnen fehlt noch der letzte formale Schritt, eine Unter­schrift unter dem Miet­vertrag für das Grund­stück, auf dem dann der zukünf­tige Mobil­funk­standort stehen wird. Es handelt sich dabei um die folgenden Orte:

In den kommenden Wochen werden die Experten der Telekom die Bewer­bungen prüfen und dann die 50 Gewinner der Aktion „Wir jagen Funk­löcher“ bekannt geben. Aktion sorgt für Beschleu­nigung

Telekom-Teams sind unterwegs um den Ausbau der Funklöcher zu planen und zu organisieren

Telekom-Teams sind unterwegs um den Ausbau der Funklöcher zu planen und zu organisieren
Foto: Telekom

Neben den (mehr als) 50 Stationen, die gebaut werden, sorgt die Aktion in einigen Kommunen für eine Beschleu­nigung des ohnehin geplanten Mobil­funk­ausbaus. Nehmen wir die Gemeinde Sonnen­berg in Bran­denburg: Sie wird im Rahmen der Aktion einen neuen LTE-Sende­mast erhalten. Außerdem wird die Telekom einen bereits bestehenden GSM-Funk­mast mit LTE-Antennen moder­nisieren. In einem weiteren Orts­teil der Gemeinde wird die Telekom einen Antrag auf Mitnut­zung eines Funk­masts eines Wett­bewer­bers stellen. Somit profi­tiert Sonnen­berg von „Wir jagen Funk­löcher“ gleich drei­fach.

Unter den bisher geprüften Bewer­bungen befinden sich zudem rund 60 Gemeinden, in denen die Telekom im Rahmen ihres Stan­dard­ausbau-Programms in den kommenden Monaten ohnehin einen LTE-Funk­mast errichtet.

Aus diesem Grund wurden diese Bewer­bungen nicht zum Wett­bewerb zuge­lassen. Eine dieser Kommunen ist die hessi­sche Stadt Liebenau. Durch das Enga­gement der Stadt konnte der bereits geplante Ausbau vorge­zogen und das Funk­loch bereits geschlossen werden. Was bei „Wir jagen Funk­löcher“ anders ist Norma­lerweise geht der Netz­betreiber auf eine Kommune zu und meldet seinen Ausbau-Wunsch an. Kommune und Netz­betreiber loten dann gemeinsam aus, ob die Kommune dem Netz­betreiber bei der Standort-Findung helfen kann. Ist das nicht der Fall, geht der Netz­betreiber alleine auf die Suche nach einem privaten Vermieter. Anschlie­ßend meldet der Netz­betreiber der Gemeinde, dass er einen Standort gefunden hat. Dieser Prozess würde im Ideal­fall nur acht Wochen dauern. Prak­tisch gehen aber oft Monate ins Land. Und hier setzt „Wir jagen Funk­löcher“ an: Die Gemeinde kommt auf die Telekom mit einem klaren Versor­gungs­wunsch zu und bietet im glei­chen Zug einen konkreten Standort an. Ein mona­telanges Abtasten und Abfragen entfällt. Es geht schneller und es wird echter Bedarf befrie­digt - eine echte Win-Win-Situa­tion für alle Betei­ligten. Eine Einschät­zung Wir haben uns diese Liste auf der Land­karte ange­schaut. Das sind Orte, die man als Außen­stehender gerne als "Ende der Welt" bezeichnen möchte, Orte, die teil­weise berühmt und viel besucht sind (wie die Burg Eltz, die Burg, die auf dem 500 DM-Geld­schein abge­bildet war) und dort wird es bald (endlich) Netz geben. Und die anderen? Gerne würden wir über ähnliche Aktionen beim Netz­betreiber Voda­fone oder Telefónica/o2 lesen. Gibt es Orte, die bislang völlig uner­schlossen sind und erst­malig nur von Voda­fone oder nur von Telefónica/o2 erschlossen werden?

Viel­leicht gibt es solche Orte ja (wo seit kurzem nur Voda­fone oder nur Telefónica funk­tionieren und sonst nichts und wir kennen sie nur nicht) oder schlagen die Kosten­rechner bei diesen Netz­betrei­bern die Hände über dem Kopf zusammen ("ein Sender für eine Hand­voll Einwohner rechnet sich doch nie").

Spätes­tens, wenn bei bestimmten Kunden­gruppen eine Wande­rung einsetzt, weil das bislang gewählte Netz am Wunschort keine Aussicht auf Netz­versor­gung bietet, werden diese Kosten­rechner ins Grübeln kommen. Doch dann könnte es längst zu spät sein.

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