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19.03.2020 - 12:20
Netzneutralität

Netflix und Co. könnten im Notfall abgeschaltet werden

EU redet mit Diensten über weniger Bandbreite

"Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wann ich einen Film auf Netflix anschaue und welchen Verbrei­tungsweg ich für Radio oder Fern­sehen nutzen soll". Viele Leser haben ziem­lich empört auf den Appell, das Strea­ming-Verhalten in den Krisen­zeiten zu über­denken und vor allem während der Haupt­geschäfts­zeiten weniger - vor allem über Mobil­funk - zu streamen, reagiert. Aktuell gibt es laut der Telkos wie der Telekom, Voda­fone oder Telefónica auch noch keinen Anlass für Panik, es seien noch genü­gend Netz-Reserven vorhanden.

Aber: Mit einem Daten­durch­satz von neun Terabit pro Sekunde hat der Inter­netknoten DE-CIX in Frank­furt am Main in dieser Woche bereits seinen bislang höchsten Wert erreicht und damit einen neuen Welt­rekord aufge­stellt. Doch damit ist nicht genug, es wird erwartet, dass der Traffic schon in Kürze um 30 Prozent steigen wird. Bei der Telekom habe man daher bereits im Januar die "Notfall- und Pande­miepläne" akti­viert. Oberstes Ziel sei es, "den Betrieb der Infra­struktur sicher­zustellen und aufrecht­zuer­halten". BNetzA: Netz­neutra­lität könnte bei Bedarf ausge­hebelt werden

Könnte Netflix der Saft abgedreht werden?

Könnte Netflix der Saft abgedreht werden?
(c) dpa

Was im Moment noch keiner wahr­haben will: Stößt die Infra­struktur tatsäch­lich an ihre Grenzen, könnte das Strea­ming über Netflix, YouTube und Co. gestoppt oder die Dienste nur noch mit begrenzter Daten­rate durchs Netz gelenkt werden.

Auf Anfrage des Baye­rischen Rund­funks (BR24) erklärt die Bundes­netz­agentur: Soge­nanntes "Verkehrs­manage­ment", also die bevor­zugte Behand­lung von bestimmten Daten­strömen, sei grund­sätz­lich zulässig, solange "objektiv unter­schied­liche tech­nische Anfor­derungen" vorhanden seien. Ein lebens­wich­tiger Daten­austausch zwischen Kliniken ließe sich somit anders kate­gori­sieren als ein Katzen­video auf YouTube – und könne im Ernst­fall auch entspre­chend behan­delt werden.

Zudem sehe die EU-Verord­nung zur Netz­neutra­lität Ausnahmen im Falle von einer "außer­gewöhn­lichen Über­lastung" vor, etwa bei einer "erheb­lichen Zunahme des Netz­verkehrs aufgrund von Notsi­tuationen". Im Ernst­fall werde die Politik eingreifen.

Der BR rät: Wer im Fall der Fälle auf bestimmte Filme und Serien auch zu Haupt­geschäfts­zeiten nicht verzichten möchte, der kann diese bei vielen Strea­ming-Anbie­tern auch herun­terladen. So stünden die Filme auch zur Verfü­gung, wenn das Netz schwä­chelt oder bestimmte Ange­bote gedros­selt werden. Auch der BR rät: Wer das Netz schonen möchte, der solle eher Neben­verkehrs­zeiten nutzen. Etwa die klas­sische Fern­sehzeit ab 20 Uhr, wo viele nicht mehr arbeiten. EU-Kommis­sion wendet sich an Netflix Im Moment können die deut­schen Netze die erhöhte Daten­nutzung in der Coro­nakrise noch verkraften. Zwischen den Zeilen liest man aber auch eine gewisse Unsi­cher­heit heraus, was die weitere Entwick­lung betrifft. Wegen der Sorgen, die verstärkte Nutzung von Video-Strea­ming­diensten könnten in der Krise das Internet ausbremsen, hat sich die EU-Kommis­sion an Netflix gewandt. Das berichtet der Nach­rich­tensender n-tv.

Dabei sei es unter anderem um die Idee gegangen, die Bild­qualität bei starker Auslas­tung auto­matisch von HD- auf Stan­dard-Auflö­sung runter­zuschrauben, teilte die Kommis­sion mit.

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