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23.05.2019 - 18:33
Frequenz-Auktion

6 Milliarden in Mainz: Gefangen in der Iterationsschleife

Geboten, bis ein Wunder geschieht oder jemand geht

Ziem­lich vergessen von der Außen­welt sitzen in ein paar abge­schirmten Räumen in der Mainzer Cani­sius­straße ein paar Vertreter von Mobil­funk­anbie­tern, die ange­treten waren, möglichst schnell und möglichst günstig die notwen­digen Frequenzen für den Mobil­funk auf 2,1 und 3,6 GHz zu erstei­gern.

Seit rund 234 Runden bieten die vier Aspi­ranten immer nach dem glei­chen Schema, es geht dabei nur noch um Frequenzen auf 3,6 GHz, die an stark bevöl­kerten Stand­orten benö­tigt werden, um hohe Band­breiten und kurze Ping­zeiten gewähr­leisten zu können. Wer möchte 9 Blöcke?

Kleines Jubiläum in der Canisiusstrasse 21 in Mainz: Die 6 Milliarden Euro Marke wurde heute überschritten.

Kleines Jubiläum in der Canisiusstrasse 21 in Mainz: Die 6 Milliarden Euro Marke wurde heute überschritten.
Foto: Henning Gajek / Teltarif.de

Mal hat die Deut­sche Telekom 9 Blocks ergat­tert, dann bleiben für Voda­fone 8, für Telefónica 6 und für Dril­lisch 6 übrig. Dann schlägt Voda­fone zu und kommt auf 9 (Runde 171), die Telekom hat dadurch weniger. Telefónica würde sich über 7 Blocks freuen, die auch denkbar wären, wenn Telekom und Voda­fone bei jeweils 8 Blöcken glück­lich wären. Dril­lisch scheint sich längst mit 6 Blöcken abge­funden zu haben. Aber dann bietet wieder ein anderer und schon geht das Spiel von neuem los. So schleppt sich das Runde um Runde. In Runde 400 sehen wir 9-8-6-6 (Telekom-Voda­fone-Telefónica-Dril­lisch) und in Runde 401 sind es wieder einmal 8-8-7-6, worauf in Runde 402 wieder 9-8-6-6 Blöcke verteilt werden. Runde 403: 9-7-7-6, Runde 404: 8-8-7-6 und Runde 405: 9-8-6-6. 6 Milli­arden um 17:46 Uhr Heute Abend um 17:46 Uhr mit der letzten Runde dieses Tages wurde in Runde 405 ein neuer Rekord gebro­chen: 6 Milli­arden Euro. Wäre jetzt sofort Schluss, müssten alle Netz­betreiber genau 6 000 994 000 Euro bezahlen. Alle Netz­betreiber haben mehr oder weniger Schulden, ächzen über die hohen (teuren) Auflagen des Netz­ausbaus, über die strikten Versor­gungs­vorstel­lungen der Politik, die aber gleich­zeitig diese Unter­nehmen mutwillig in diese Auktion gejagt haben.

Ob hinter dem Biet­verhalten in Mainz noch ein Plan steht, wird inzwi­schen von manchen Beob­achtern bezwei­felt. Ein Bran­chen­insider, der nicht genannt werden wollte sieht das so: "Da mag keiner zugeben, dass man schon vor 2 Milli­arden Euro hätte aussteigen sollen. Also bieten sie alle weiter."

Plau­sibel könnte alleine noch die Idee sein, durch Hoch­bieten einen Teil­nehmer - und damit meinen die etablierten Anbieter wohl 1&1-Dril­lisch - zur Aufgabe zu bewegen. "Danach könnte", so ein anderer Beob­achter "die Auktion relativ schnell fertig sein". Alles Speku­lation Aber soviel kluge Speku­lationen und Vermu­tungen wir auch hören, die Teil­nehmer in Mainz bieten weiter. Werden sie die 10-Millarden-Schranke reißen? Alleine für die deut­sche Telekom stehen jetzt schon über 2 Milli­arden Euro auf der Uhr. Das sind bei 40 Millionen Telekom-Kunden/Karten genau 50 Euro pro Kunde. Rechnen wir das auf 10 Jahre hoch, wären das 5 Euro im Jahr oder etwa 41,66 Cent im Monat. Und solange man solche gigan­tischen Summen sich so einfach "schön" rechnen kann, wird wohl weiter geboten. Dass das Geld für neue Server, Basis­stationen, Antennen und Zulei­tungen fehlt, wird dann wieder das Alibi für den schlechten Netz­ausbau sein.

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