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09.04.2019 - 14:03
Smarte Küche

Lenovo Smart Display im Test: Google hilft beim Kochen

Deutschland-Start: Teils noch schwierige Verständigung

Den Küchen­fern­seher? Kann man vergessen. Das Küchen­radio kann auch weg. Und das teure Tablet muss auch nicht mehr als digi­taler Rezept­block in der Gefah­ren­zone rund um den Herd liegen. Wenn es nach Lenovo geht, soll nämlich das neue Smart Display all diese Aufgaben in der Küche über­nehmen.

Hinter dem Namen verbirgt sich ein unauf­fällig gestal­tetes acht oder zehn Zoll großes Tablet zum Aufstellen mit ange­docktem Laut­spre­cher hinter gelochter Metall­ab­de­ckung - zum Preis von 179 bezie­hungs­weise 239 Euro. Darauf läuft Googles Sprachas­sis­tent Google Assi­stant. Im Gegen­satz zur bekannten Version vom Android-Smart­phone wird hier aber auf dem Bild­schirm auch alles recht nett mit Bildern ange­zeigt und Nutzer können weitere Anfragen stellen - per Sprach­be­fehl oder über das Touch­dis­play. Maxi­maler Zugriff auf alle Daten des Google-Kontos Also Packung auf, Stecker rein und einrichten. Das geht über die App Google Home ziem­lich schnell und einfach. Damit das Smart Display gut funk­tio­niert, muss man aller­dings maxi­malen Zugriff auf alle Daten des Google-Kontos und dessen Akti­vi­täten geben. In einem nächsten Schritt lassen sich abon­nierte Dienste verknüpfen. Für diesen Test sind es der Strea­ming­dienst Spotify und die Steue­rung vernetzter Philips-Hue-Leuchten. Nun noch den Toaster neben dem Herd durch das Display ersetzen. Fertig.

Der Alltags­test: "Hey Google, spiel Radio 1!" Klappt, kein Problem. Das Smart Display spielt über den Dienst TuneIn diverse Radio­sender, der einge­baute Laut­spre­cher schlägt sich ordent­lich. "Hey Google, lies mir die Nach­richten vor." Klappt auch, aller­dings kommen meist die Nach­richten vom Morgen, was am Abend schon etwas veraltet ist. Was noch nicht klappt: Live-TV.

Reines Fern­sehen soll, so heißt es von Lenovo, bald über Dienste wie Zattoo möglich sein. Bis dahin müssen Nutzer etwa über Media­theken-Apps auf dem Smart­phone einen Stream starten und dann per Google Cast an das Smart Display senden. Netflix und Co. funk­tio­nieren bislang nicht. Hier gibt es nur die Antwort, dass so etwas auf dem Smart Display nicht läuft. Apps lassen sich auf dem Gerät übri­gens auch nicht instal­lieren.

Lenovo Smart Display in Deutschland angekommen

Lenovo Smart Display in Deutschland angekommen
Bild: Lenovo

Einfache Kommandos werden verstanden Nach einigen Tagen erweist sich das Smart Display als ganz prak­ti­scher Alltags­be­gleiter. Die meisten Kommandos versteht es gut, so lange man sie einfach hält. Wetter abrufen, eine Karte von Buda­pest anzeigen, das Licht anschalten - alles kein Problem. Wer die Zeit inves­tiert, kann mit dem Google Assi­stant auch zahl­reiche Routinen anlegen und das Smart Display zur Zentrale im vernetzten Heim machen. Dann werden etwa kompa­tible Ther­mo­state für die Heizung geschaltet - oder das Licht geht aus, wenn man die Wohnung verlässt.

Auch Video­te­le­fo­nate sind über Google Duo möglich. Dazu lässt sich das Smart Display auch hoch­kant hinstellen, falls die Gegen­seite ein Mobil­te­lefon nutzt. Wer nicht ständig im Blick der Kamera sein will, schiebt einfach den Sicht­schutz vor. Auch einen mecha­ni­schen Schalter gibt es, der Lenovo zufolge die Mikro­fone deak­ti­vieren kann. Smart Display als Koch­hilfe in der Küche Und taugt das Smart Display nun als Koch­hilfe? Die schnelle Antwort: Ja, mit Einschrän­kungen. Auf das Kommando "Hey Google, zeig mir ein Rezept für Lasagne." gibt es zahl­reiche Ergeb­nisse. Auch andere Rezepte sind vorhanden. Zu speziell sollte es aber nicht sein. Während es einige Speisen in vielen Vari­anten und von vielen Seiten gibt, landet man bei anderen immer nur bei Chef­koch.de.

Die Anlei­tungen selbst sind prak­tisch in einzelne Schritte mit Rezept­über­sicht und Zuta­ten­liste gehalten. Per Sprach­kom­mando oder Finger­tipp geht es zum nächsten Schritt. Wie erfolg­reich das Kochen verläuft, hängt aber weniger vom Lenovo-Gerät selbst ab, als von der Qualität des Rezepts und dem Talent des jewei­ligen Kochs. Jeden­falls sind die Rezepte meis­tens ansehn­lich aufbe­reitet und gut geglie­dert.

Es bleibt aller­dings ein komi­sches Gefühl, etliche Male mit "nächster Schritt", "nächste Zutat" oder - weil die Pause zu lang war - mit "Hey Google, nächste Zutat" voran zu kommen. Nach einer gewissen Zeit nerven die Kommandos und man fängt unwei­ger­lich an, den Touch­screen zu nutzen. Schmut­zige Finger und Soßen­spritzer bringen den digi­talen Küchen­helfer übri­gens nicht aus der Ruhe. Mit einem feuchten Lappen lassen sich alle Koch­spuren gut besei­tigen. Prak­tisch: Per Sprach­kom­mando lassen sich mit dem Smart Display auch mehrere Timer stellen. So behält man den Über­blick, was wann vom Herd oder aus dem Ofen muss. Es gibt noch Verstän­di­gungs­schwie­rig­keiten Die digi­tale Harmonie in der Küche hat aber Grenzen: Der Umgang mit dem Google Assi­stant ist nach wie vor stel­len­weise frus­trie­rend. Weicht man von den eng gefassten Befehlen ab, geht häufig etwas schief - und man muss den Befehl umständ­lich wieder­holen oder neu formu­lieren. Sehr häufig werden auch Befehle falsch verstanden und es landen völlig uner­wünschte YouTube-Videos auf dem Display - das meiste davon ist völliger Schrott. Nervig. Manchmal akti­viert sich das Smart Display auch uner­wartet, während der Fern­seher läuft und quatscht unpas­send dazwi­schen. Die schöne neue Welt ist an manchen Stellen einfach noch nicht so weit.

Fazit: Soll der alte Küchen­fern­seher ohnehin zum Recy­cling, kann so ein Smart Display ein guter Ersatz sein. Videos, Radio, Strea­ming, einfache Inter­net­re­cherche - alles kein Problem. Wer gern nach Rezepten kocht, dem hilft das Gerät mit etwas Übung tatsäch­lich gut weiter. Wunder sollte aber niemand erwarten. Auch der Google Assi­stant macht aus unta­len­tierten Löffel­schwen­kern keine Ster­ne­köche.

Alles in allem ist das Smart Tablet ein gelun­gener Gegen­ent­wurf zu Amazons Echo-Produkten mit Sprachas­sis­tentin Alexa. Man braucht für viele der ange­bo­tenen Funk­tionen aller­dings kein eigenes Gerät. Etliche Funk­tionen des Google Assi­stant können auch vom Smart­phone oder Tablet abge­rufen werden - im Zube­hör­handel gibt es dafür prak­ti­sche Aufsteller. Hinzu kommen Strom­kosten. Das Gerät läuft ständig und braucht pro Woche gut eine Kilo­watt­stunde Strom.

Die USA-Version des Smart Display hatte teltarif.de bereits auf der CES 2018 auspro­biert.

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dpa /

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