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15.08.2018 - 11:16
Kooperation

United Internet (1&1) geht auf Telekom-Vorschlag ein

Zusammenarbeit hätte für beide Seiten Vorteile

Die Diskussion zwischen 1&1/Drillisch/United-Internet-Chef Dommermuth und Telekom CEO Tim Höttges zeigt erste Ergebnisse. Ralph Dommermuth will zusammen mit der Deutschen Telekom das Glasfasernetz in Deutschland gemeinsam ausbauen. „Wir sagen gern unsere Beteiligung zu“, sagte Dommermuth am Dienstag mit Blick auf das Angebot von Telekom-Chef Timotheus Höttges, ab sofort gemeinsam Glasfaserkabel zu verlegen und bundesweit mehr als fünf Millionen Haushalte anzuschließen. Gewichtetes Joint-Venture

1&1 - United-Internet Gründer Ralph Dommermuth (links) und Telekom CEO Timotheus Höttges (rechts): Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

1&1 - United-Internet Gründer Ralph Dommermuth (links) und Telekom CEO Timotheus Höttges (rechts): Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?
Telekom/United-internet, Montage: teltarif.de

Während Höttges allerdings zunächst für eine Kostenteilung von 50:50 plädierte, sprach sich Dommermuth eher für ein „75:25 Joint-Venture“ aus. „Das ist nur fair, dass wir so investieren, wie wir die Netze nutzen“, sagte der Internet-Milliardär gegenüber der Wirtschaftswoche. Der Marktanteil der Telekom liege demnach aktuell bei 42 Prozent, während United Internet auf 14 Prozent komme.

Dommermuth bestätigt laut Wirtschaftswoche, dass es zwischen den beiden Konzernen bereits Kontakte gab: „Wir sind mit der Telekom so verblieben, dass wir uns demnächst mal zum Gespräch treffen.“ Der Breitband-Ausbau ist eine Mammut-Aufgabe für alle Telekommunikationskonzerne in Deutschland. Telekom-Chef hatte dem Konkurrenten vorgeworfen, „bislang kein einziges Kabel selbst verlegt und keinen einzigen Funkmast aufgestellt“ zu haben. Dommermuth entgegnete, mit Versatel das zweitgrößte Glasfasernetz Deutschlands zu betreiben und auch Funkmasten anzuschließen. Telekom und 1&1 - ein sinnovlles Bündnis Die Wirtschaftwoche sieht den Strategieschwenk als ein "historisches Friedenssignal" von Telekom-Chef Höttges.

Dazu blenden wir einige Jahr zurück. Da gab es den Online-Dienst BTX (Bildschirmtext), der um ein Gateway ins "neue" (echte) Internet aufgebohrt worden war, damals war noch der Internet Browser "Netscape" vorherrschend, dem Vorläufer des heute populären "Firefox"-Browsers. Doch die BTX-Kunden blieben mehr als zurückhaltend. Ja, so verriet Sommer im persönlichen Gespräch mit dem Autor dieses Artikels damals, man sei kurz davor, das Angebot der Telekom für den Internetzugang komplett einzustellen. Verkaufstalent Dommermuth Da kam Ralph Dommermuth aus dem westerwäldischen Montabaur und versprach dem damaligen Telekom Chef Ron Sommer den Verkauf von BTX anzukurbeln. Mit großem Erfolg: Er verkaufte Komplett-Pakete, bestehend aus einem einfachem Analog-Modem (mit 28 800 oder 33 600 Bit/s), einer Installations-Diskette (später CD) mit der BTX-T-Online-Software und einem Zugangsvertrag an Schüler, Rentner, Hausfrauen und so weiter. Er erreichte Kunden, die vielleicht noch gar nicht genau wussten, was sie mit BTX oder dem Internet überhaupt anfangen sollten. CDs lagen in Zeitschriften oder in Wurfsendungen im Briefkasten. Ein ähnliches Prinzip setzte America Online (AOL) damals ein.

Internet via T-Online wurde ein Erfolgsschlager, der BTX-Dienst wurde heruntergefahren und schließlich eingestellt (am Ende konnte man darüber nur noch Online-Banking machen, weil das System zuletzt als ziemlich sicher galt, weil einzigartig) Nie Telekom Mobilfunk bei 1&1 Im Mobilfunk kam es nie zu einem Tiefpreis-Angebot von 1&1 im Mobilfunk, vermutlich, weil die Telekom auf die Preis-Vorstellungen aus Montabaur nicht eingehen wollte. Deshalb machten Mannesmann/Vodafone (D2) und E-Plus bei 1&1 das Rennen, o2 folgte durch die Fusion mit E-Plus quasi automatisch.

Die neue 1&1-Tochter Drillisch hatte einst Mobilfunk aus allen Netzen im Angebot, durch die Übernahme verschiedener Service-Provider wie Motorola TelCo (später RSL, am Ende nur noch Telco). Aufgrund Streitigkeiten um Provisionen und Interconnect-Betrug wurden die Verbindungen zwischen Drillisch und Telekom Mobilfunk gekappt, lange bevor 1&1 dort einstieg.

Amüsant: Der heutige 1&1 Chef Martin Witt (und Vorsitzender des Interessenverbandes der mit der Telekom konkurrierenden Netzbetreiber und Diensteanbieter VATM) war lange in leitender Position bei T-Systems tätig gewesen, bevor er zu Debitel (damals noch ohne Mobilcom) gewechselt war. Kooperation im Festnetz Im Festnetz verkaufte 1&1 anfangs nur einen DSL-Zugang (während die Telefongespräche und die eigentliche Leitung zum Kunden bei der Telekom verblieben). Heute gibts im Festnetz nur noch Komplettanschlüsse (Internet und Telefonie), die 1&1 je nach Region von der Deutschen Telekom, aber auch von anderen Netzbetreibern bezieht. Mit dem Kauf des Netzbetreibers Versatel verfügt 1&1 jetzt regional auch über eigene Leitungen, darunter viel Glasfaser bis ins Haus. Zusammenarbeit mit beiderseitigen Vorteilen Die Zusammenarbeit mit der Telekom bringt beiden Unternehmen Vorteile. Beobachter sind auch der Ansicht, dass so vermieden werden soll, dass im Glasfasermarkt zuviel Wettbewerb entsteht, der nur die Preise drücken und langfristig für alle Unternehmen "ungesund" wäre.

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