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22.11.2012 - 16:39
Innovation

Meego-Nachfolger: Jolla stellt Sailfish OS vor

Auch viele Android-Apps sollen auf Sailfish-Geräten laufen

Jolla, das von Ex-Nokia-Mitarbeitern gegründete Unternehmen, hat gestern auf der Startup-Konferenz Slush in Finnland sein mobiles Betriebssystem Sailfish OS vorgestellt. Das neue Betriebssystem nutzt Komponenten von Meego für grundlegende System-Funktionen, besitzt aber eine eigene Benutzeroberfläche, die wie das von Nokia aufgegebene Handy-Betriebssystem das Qt-Framework nutzt. Sailfish OS tritt in Meegos Fußstapfen

Sailfish OS Homescreen

Präsentation von Sailfish OS: Homescreen
Bild: Jolla

Mit einem Film und Präsentationen des Führungsteams stellt Jolla sein Betriebssystem vor. CEO Marc Dillon präsentierte die Bedienung der Benutzeroberfläche im Hands-On. Ähnlich wie bei Meego ist das Multi-Tasking durch Mini-Schaltflächen für mehrere Programme auf dem Homescreen organisiert. Bei Sailfish ermöglichen diese dabei auch den direkten Zugriff auf Anwendungsfunktionen, zum Beispiel Start, Stop und Skippen beim Musik-Player oder die Direktwahl einer Nummer aus dem Telefonbuch. Der Nutzer muss dazu also nicht erst die Oberfläche der App selbst öffnen. Auch wenn er die Oberfläche einer bestimmten App geöffnet hat, kann er durch seitliches Wischen und Halten die Schaltflächen der anderen Programme auf dem Homescreen anzeigen und bedienen.

Ein Menü mit möglichen Funktionen kann der Nutzer in Anwendungen über einen Wisch von oben nach unten herunterziehen. Die Anzeige von Batterie-Ladezustand und Mobilfunk-Empfang hat Jolla bei Sailfish auf den Lockscreen verbannt. Symbole für diese beiden Informationen nähmen nach der Meinung der Jolla-Entwickler zu viel Platz auf dem Bildschirm ein, um ständig angezeigt zu werden.

Daneben gibt es ein Konzept namens "Ambience", wodurch sich nach der Auswahl eines neuen Homescreen-Hintergrund-Bilds automatisch die Farben aller Hintergründe und Schriftzüge an das Farbschema das Bilds anpassen. Android-Apps sollen auch auf Sailfish OS laufen Ob das neue Betriebssystem erfolgreich sein kann, hängt stark vom zukünftigen Angebot an passenden Diensten und Apps ab. Die Jolla-Macher versprechen, dass viele Android-Apps auf Geräten mit Sailfish OS verfügbar sein sollen. Dies wäre prinzipiell auch schon für Meego möglich gewesen, hatte aber praktisch keinen Einfluss auf das tatsächliche Angebot an Apps für das einzige offizielle Meego-Smartphone, das Nokia N9. Es bleibt also abzuwarten, wie sich das App-Angebot für Sailfish entwickelt. Die ersten Smartphones mit Sailfish OS sollen im kommenden Jahr erscheinen. Als Termin nannte Jolla das zweite Quartal 2013. Bis dahin sind die einzigen Geräte, auf denen das neue Betriebssystem ausprobiert werden kann, das Nokia N900, das Entwickler-Gerät N950 sowie das N9.

Auftrennung von Meego in Mer OS und Nemo UI Sailfish OS ist keine direkte Nachfolge-Version des von Nokia geschassten Meego, sondern setzt auf den Betriebssystem-Kern "Mer" auf. Mit dem Mer-Projekt versuchen Teile der Community um Meego und Maemo das Betriebssystem Meego auf Kern-Komponenten zu reduzieren und getrennt von Hardware-Anpassungen und der Benutzeroberfläche (UI: User Interface) weiterzuentwickeln. Das ursprüngliche Meego UI wird ebenfalls vom Mer-Projekt betreut und hört jetzt auf den Namen "Nemo".

Die Trennung könnte Mer zum Beispiel für Hardware-Hersteller interessant machen, die Geräte mit einem Linux-basierten Betriebssystem und eigener Benutzeroberfläche herausbringen wollen. Seinen Einsatz könnte das OS neben Handys und Tablets etwa auch in Media-Playern finden - ähnlich wie es bei Android bereits der Fall ist.

Insbesondere im asiatischen Raum besteht ein Interesse an weiteren Linux-basierten Systemen als Alternative zu Android. Daher existieren auch nach dem Rückzug von Nokia nach wie vor Linux-Projekte, die von Industrie-Größen vorangetrieben werden. So soll Meego zusammen mit dem ebenfalls Linux-basierten LiMo in einem neuen System namens Tizen aufgehen, das von Intel und Samsung entwickelt wird. Bisher sind allerdings noch keine Tizen-Geräte auf den Markt gekommen.

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Susanne Kirchhoff

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