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Meldung Tipps & Info Tarifrechner 24.08.19
Mobile Payment

Bezahlen per Handy: Mobile Payment mit NFC

Mobile Bezahlsysteme wie Vodafone Wallet, Android Pay und Apple Pay

Die Idee des "Mobile Payment", des Bezah­lens per Handy, ist nicht neu: Anstelle vieler verschie­dener Karten mit jeweils einer eigenen PIN für den bargeld­losen Zahlungs­verkehr oder dem stän­digen Suchen nach Klein­geld für Park­tickets oder Busfahr­karten soll das Handy genügen, um bargeldlos einzu­kaufen.

Nach wie vor gibt es aller­dings kein einheit­liches Bezahl­system: Mobiles Bezahlen wird seitens der Anbieter sehr unter­schied­lich reali­siert, beispiels­weise per NFC (Near Field Commu­nica­tion) oder gescanntem QR-Code in Kombi­nation mit einer spezi­ellen Smart­phone-App. Je nach tech­nischer Ausfüh­rung gestaltet sich Mobile Payment damit mehr oder weniger kompli­ziert.

Bezahlen per Handy: Mobile Payment

Bezahlen per Handy: Mobile Payment
Fotos: Kondor83-fotolia.com/teltarif.de, Montage: teltarif.de

Dies ist einer der Gründe, weshalb Kunden bislang noch zurück­haltend auf entspre­chende Ange­bote reagieren, hinzu kommen Sicher­heits- und Datenschutz­bedenken sowie die Tatsache, dass deut­sche Kunden immer noch am liebsten mit Bargeld bezahlen. Dennoch soll laut Prognosen von Vertre­tern der Bundes­bank und Kreditkarten­unternehmen wie Visa die Anzahl der Akzeptanz­stellen weiter steigen und das Bezahlen per NFC mit dem Smart­phone bis 2020 an allen Kassen­termi­nals zum Stan­dard werden. Inhalts­verzeichnis

  1. Mobile Payment im Super­markt
  2. Kontakt­loses Bezahlen mit Wallet-Apps
  3. Im Test­betrieb: Banking-Apps und Alter­nativen
  4. Zukunft: Apple Pay, Google Pay und Co. in Deutsch­land?
Im Super­markt mit dem Smart­phone bezahlen Das bargeld­lose Bezahlen per Handy gibt es bei Aldi Nord seit Juni 2015, bei Aldi Süd und Lidl seit Dezember 2015, Rewe stieg erst 2016 ein. An der Super­markt-Kasse muss für den Bezahl­vorgang ledig­lich das Smart­phone in einem Abstand von bis zu vier Zenti­metern über das Display des Bezahl­terminals gehalten werden. Die Daten­übertragung zwischen Handy und Kassen­terminal erfolgt dabei über Nahfunk (NFC). Der entspre­chende Betrag wird dann über eine zuvor instal­lierte Wallet-App, häufig auch virtu­elle oder digi­tale Geld­börse genannt, vom Kredit­karten- oder Giro­konto abge­bucht. Inzwi­schen gibt es außerdem Bezahl-Apps, die nach dem Prepaid-Prinzip funk­tionieren und auto­matisch mit einem bestimmten Betrag wieder aufge­laden werden, wenn das Guthaben zur Neige geht. Die genannten Anwen­dungen werden auch in weiteren Super­märkten, Shops, Kauf­häusern und Tank­stellen als Zahlungs­mittel akzep­tiert. Inzwi­schen haben auch einige Banken und die Spar­kasse eine entspre­chende Funk­tion in ihren haus­eigenen Mobile Banking-Apps inte­griert.

NFC-Logo für kontaktloses Bezahlen an den Kassenterminals

NFC-Logo für kontaktloses Bezahlen an den Kassenterminals
Visa

Um mobil bezahlen zu können, ist ein NFC-fähiges Smart­phone mit aktu­ellem Android-Betriebs­system (mindes­tens Android 4.4) und einem inte­grierten NFC-Chip erfor­derlich.

Bis zu einem Einkaufs­wert von 20 oder 25 Euro gibt es je nach Bezahl-App häufig keine PIN-Abfrage. Für viele Kunden stellt dies ein Sicher­heits­risiko dar. Die gene­relle Akti­vierung der PIN-Eingabe sollte gege­benen­falls beim jewei­ligen App-Anbieter erfragt werden.

Bei anderen Apps (wie beispiels­weise Google Pay) wird gänz­lich auf eine PIN-Angabe verzichtet. Hier wird die Sicher­heit dadurch gewähr­leistet, dass eine Zahlung allge­mein nur mit entsperrtem Smart­phone möglich ist. Ist das Smart­phone nicht durch Pass­wort, Finger­abdruck, Iris, Gesichts­erken­nung usw. geschützt, ist eine Nutzung nicht möglich. Der Coupon-Anbieter Payback hat eine eigene Bezahl-App entwi­ckelt, mit der unter anderem bei real, Galeria Kaufhof, dm, Aral und Alna­tura über QR-Code und NFC bezahlt werden kann. Die Super­markt­ketten Edeka, Markt­kauf und Netto setzen auf Bezahl­lösungen mit einer eigenen App ohne NFC. Wallet-Apps für kontakt­loses Bezahlen Nachdem die Bran­chen­riesen Google Pay und Apple Pay im Juni bzw. im November 2018 den Eintritt in den deut­schen Markt wagten, begannen entspre­chende Apps von Dritt­anbie­tern an Bedeu­tung zu verlieren. Diese sind zwar nicht mehr, wie bei frühen Ange­boten der Netz­betreiber, an einen Mobil­funk­vertrag oder eine NFC-SIM-Karte gebunden, erfor­dern aber eine Regis­trie­rung.

Wallet-Apps: Die digitale Geldbörse

Wallet-Apps: Die digitale Geldbörse
Fotos: Kondor83-fotolia.com/teltarif.de/Apple, Montage: teltarif.de

Nachdem Glase (ehemals SEQR) im Dezember 2018 gegen die Bran­chen­riesen Google Pay und Apple Pay kapi­tulierte und den Geschäfts­betrieb aufgeben musste, bleibt von den ehema­ligen "Big-Playern" im Bereich des Kontakt­losen Bezah­lens mittels Dritt­anbieter-Apps nur Boon übrig ("Tap & Pay"). Die Nutzung ist dabei nur auf von Master­card zuge­lassenen Smart­phones möglich. Wie bei anderen aktuell verfüg­baren mobilen Bezahl­diensten basiert die Funk­tions­weise beider Apps auf der HCE-Tech­nologie (Host Emula­tion Card), einer spezi­ellen Soft­ware-Lösung, mittels der unter anderem der digi­tale Zahlungs­verkehr abge­wickelt wird. HCE wurde von Google erst­mals in das Smart­phone-Betriebs­system Android 4.4 inte­griert. Apple setzt hingegen auf die eigene Soft­ware für NFC-Zahlungen, weshalb kontakt­loses Bezahlen per HCE vom iPhone derzeit nicht unter­stützt wird. boon.

boon. - die Bezahl-App von Wirecard

boon. - die Bezahl-App von Wirecard
Foto: boon. (Wirecard)

Der Zahlungs­dienstleister Wire­card stellt mit boon. schon seit längerem eine App zum mobilen Bezahlen an Master­card-Termi­nals zur Verfü­gung. Mit der virtu­ellen boon.-Card ist darüber hinaus auch Online-Shop­ping möglich. Jeder Zahl­vorgang ist mit einer PIN-Eingabe gesi­chert, ab Android 6.0 funk­tioniert auch die Frei­gabe per Finger­abdruck. Das Konto kann per Bank­überweisung oder Kredit­karte aufge­laden werden und es gibt zwei verschie­dene Guthaben-Modelle mit unter­schied­lichem Limit (siehe unten­stehende Tabelle). Das auto­mati­sche Aufladen sorgt dafür, dass immer ausrei­chend Guthaben verfügbar ist. Da das Bezahlen mithilfe eines vorab gene­rierten Codes erfolgt, können bis zu fünf Zahl­vorgänge hinter­einander im Offline-Modus abge­wickelt werden, anschlie­ßend ist jedoch eine WLAN- oder mobile Daten­verbindung vonnöten, um neue Codes zu gene­rieren. Google Pay

Google Pay

Google Pay

Der im Jahr 2015 als Android-Pay gestar­tete und im Januar 2018 in Google-Pay umge­taufte Bezahl­dienst von Google star­tete im Juni 2018 auch auf dem deut­schen Markt. Da inzwi­schen vielen Banken und die Spar­kasse auf eigene Lösungen setzen und Google Pay eher als Konkur­renten sehen, hielt sich die Koope­rati­onsbe­reit­schaft mit Google seitens der deut­schen Banken eher in Grenzen. Google konnte dieses Problem jedoch durch ein Abkommen mit Paypal umgehen, das das Zahlen mit Google-Pay mit anschlie­ßender Abbu­chung des Betrags über das Paypal Konto des Kunden ermög­licht. Durch diese Koope­ration ist somit die Nutzung von Google Pay nicht mehr den Kunden koope­rierender Banken vorbe­halten, sondern faktisch für jeden Inhaber eines Bank­kontos durch den Umweg über Paypal möglich. Dies stellt auch den größten Plus­punkt gegen­über dem Mitbe­werber Apple Pay dar. In direkter Konkur­renz stehen Google Pay und Apple Pay jedoch nicht, da Google Pay ausschließ­lich auf Android Geräten und Apple Pay ausschließ­lich auf Apple Geräten nutzbar ist. Zu beachten ist jedoch, dass die Nutzung von Google Pay in Verbin­dung mit Paypal nicht funk­tioniert, wenn bei Paypal ledig­lich eine Kredit­karte hinter­legt ist, da Paypal die mit Google Pay ausge­gebenen Beträge ausschließ­lich von verknüpften Giro-Konten abbucht. Google Pay ist auch auf NFC-fähigen Smart­watches nutzbar, die mit dem haus­eigenen Betriebs­system Wear OS von Google ausge­stattet sind. Apple Pay

Apple Pay

Apple Pay

Auch das im Jahr 2014 gestar­tete Apple Pay hat in Deutsch­land einige Jahre auf sich warten lassen. Einige Monate nach Google Pay stand im November 2018 dann endlich auch bei Apple Pay der Deutsch­land­start an. Da Apple den Anbie­tern von Dritt­anbieter-Apps den Zugriff auf die NFC-Technik verwehrt, hatten Inhaber von Apple Geräten davor auch nicht die Möglich­keit, auf eine solche App auszu­weichen. Die Erlö­sung für diesen Nutzer­kreis ist aber noch getrübt, da nach wie vor viele namen­hafte Geld­häuser auf der Liste der unter­stützten banken fehlen, anders als bei Google Pay besteht auch nicht die Möglich­keit, ein Paypal-Konto zwischen­zuschalten. Zu den aktuell unter­stützten banken gehören unter anderem die Deut­sche Bank, Comdi­rekt, die Fidor Bank, die HypoVereinsbank und N26. Auch bei Apple ist die Nutzung auf den haus­eigenen Smart­watches problemlos möglich. Die Bezahl-Apps boon, Google Pay und Apple Pay

  boon. Google Pay Apple Pay
System­anfor­derung
(mindes­tens)
Android 4.4 Android 5.0 iOS 8.1
WatchOS
Kontaktlos Bezahlen
(Voraus­setzung)
NFC- und HCE-fähiges Master­card-zerti­fiziertes Android-Smart­phone iPhone (ab iPhone 6), iPad (Stan­dard, Air, Mini und Pro), Apple Watch (alle Versionen)
Konto­gebühr 3 Monate kostenlos,
danach 1,49 Euro monat­lich
kostenlos
Bezahlen im Ausland nur mit boon. PLUS 1) Richtet sich nach Giro­konto oder Kredit­karte, von der abge­bucht wird
Guthaben aufladen per
Kredit­karte gebüh­renfrei Nicht auf auf Gutha­benbasis
Über­weisung gebüh­renfrei Nicht auf auf Gutha­benbasis
Last­schrift nein Nicht auf auf Gutha­benbasis
Maxi­males Guthaben
Start boon. BASIC: 100 Euro Nicht auf auf Gutha­benbasis
Upgrade boon. PLUS: 5000 Euro 2) Nicht auf auf Gutha­benbasis
Stand: August 2019, Alle Angaben ohne Gewähr.
1) Mit boon. BASIC sind in Deutsch­land nur inlän­dische Trans­aktionen möglich.
2) Für ein Upgrade auf boon. PLUS ist ein aktu­eller Iden­titäts­nach­weis (Personal­dokument) und ein geson­derter Adress­nach­weis (z. B. Konto­auszug) erfor­derlich - siehe: boon. FAQ.
Die geschei­terten Wallet-Apps der Netz­betreiber Alle deut­schen Netz­betreiber haben sich mitt­lerweile von ihren eigenen Wallet-Apps und Bezahl­diensten verab­schiedet: Die SIM-basierte Lösung der Mobil­funk­anbieter Telefónica (Base-Wallet, mpass), Deut­sche Telekom (MyWallet, Click­andbuy) und Voda­fone (Voda­fone Wallet) konnte sich nicht durch­setzen und wurde von den Kunden nur im geringen Maße ange­nommen.

Telefónica folgt einem neuen Trend in der mobilen Bezahl-Land­schaft: o2-Banking ist ein mobiles Bank­konto fürs Smart­phone, das in Koope­ration mit der Fidor Bank AG entstanden ist und sich laut Mittei­lung des Anbie­ters in kurzer Zeit zur belieb­testen Direkt­banking-App in Deutsch­land gemau­sert hat. Kontaktlos bezahlen kann man bisher nur mit der Debit-Master­card, die jeder o2-Banking-Kunde kostenlos erhält. Doch mögli­cher­weise wird auch diese in naher Zukunft digital. Haus­eigene Apps der Banken Verschie­dene Banken haben schon seit längerem Verfahren für kontakt­loses Bezahlen mit dem Smart­phone einge­führt.

Aufgrund der bereits erwähnten herstel­lersei­tigen Beschrän­kung der NFC Moduls durch Apple auf den eigenen Zahlungs­dienst, sind diese Ange­bote der Banken Android-Smart­phones vorbe­halten. So bieten inzwi­schen u.a. die Deut­sche Bank, die Post­bank, die Volks- und Raiff­eisen­banken und die Spar­kassen eigene Apps für die mobile Bezah­lung an, diese funk­tionieren ähnlich wie Google Pay und Apple Pay über die NFC-Technik. Es bleibt abzu­warten, ob das Vordrängen von Google Pay und Apple Pay auf den deut­schen Markt das Ende der haus­eigenen Lösungen der deut­schen Banken mit sich bringen wird oder ob diese sich lang­fristig doch gegen die "Big-Player" aus den USA durch­setzen können. Jeden­falls werden die deut­schen Banken auf eine Zusam­menar­beit mit Apple ange­wiesen sein, da sie keine alter­nativen Apps für Apple Geräte anbieten können.
Außerdem gibt es auch in Deutsch­land mitt­lerweile erste Ansätze für das anonyme Bezahlen mit Bitcoins über einige Bitcoin-Wallets, die Zahlungen per QR-Code-Scan oder NFC mit dem Smart­phone ermög­lichen. Diese bleiben aber eine Rand­erscheinung, wie zum Beispiel das lokale Angebot von Pey in Hannover. Noch nicht in Deutsch­land: weitere Bezahl­dienste der Smart­phone-Hersteller Seit einigen Jahren planen auch schon weitere Smart­phone-Hersteller den deut­schen Markt mit eigenen mobilen Bezahl­diensten zu erobern: Samsung Pay, Huawei Pay und Micro­soft Paysind zwar bisher größ­tenteils in den USA, China und teil­weise auch schon in Europa gestartet, aber immer noch nicht in Deutsch­land.

Dennoch haben wir bereits einzelne Bezahl-Apps für Sie auspro­biert: Lesen Sie unseren Bericht zum Test von Samsung Pay in Barce­lona). Mehr zum mobilen Bezahlen im teltarif-Podcast In einer aktu­ellen Folge des teltarif-Podcast "Strip­penzieher und Tarif­dschungel" disku­tieren unsere Redak­teure den derzei­tigen Stand und die Aussichten für Mobile Payment in Deutsch­land.

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