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Meldung Tipps & Info Tarifrechner 16.06.19
Mobile Payment

Bezahlen per Handy: Mobile Payment mit NFC

Mobile Bezahlsysteme wie Vodafone Wallet, Android Pay und Apple Pay

Die Idee des "Mobile Payment", des Bezahlens per Handy, ist nicht neu: Anstelle vieler verschiedener Karten mit jeweils einer eigenen PIN für den bargeldlosen Zahlungs­verkehr oder dem ständigen Suchen nach Kleingeld für Parktickets oder Busfahrkarten soll das Handy genügen, um bargeldlos einzukaufen.

Nach wie vor gibt es allerdings kein einheit­liches Bezahlsystem: Mobiles Bezahlen wird seitens der Anbieter sehr unterschiedlich realisiert, beispielsweise per NFC (Near Field Communication) oder gescanntem QR-Code in Kombination mit einer speziellen Smartphone-App. Je nach technischer Ausführung gestaltet sich Mobile Payment damit mehr oder weniger kompliziert.

Bezahlen per Handy: Mobile Payment

Bezahlen per Handy: Mobile Payment
Bild: teltarif.de

Dies ist einer der Gründe, weshalb Kunden bislang noch zurückhaltend auf entsprechende Angebote reagieren, hinzu kommen Sicherheits- und Datenschutz­bedenken sowie die Tatsache, dass deutsche Kunden immer noch am liebsten mit Bargeld bezahlen. Dennoch soll laut Prognosen von Vertretern der Bundesbank und Kreditkarten­unternehmen wie Visa die Anzahl der Akzeptanz­stellen weiter steigen und das Bezahlen per NFC mit dem Smartphone bis 2020 an allen Kassenterminals zum Standard werden. Inhaltsverzeichnis

  1. Mobile Payment im Supermarkt
  2. Kontaktloses Bezahlen mit Wallet-Apps
  3. Im Testbetrieb: Banking-Apps und Alternativen
  4. Zukunft: Apple Pay, Google Pay und Co. in Deutschland?
Im Supermarkt mit dem Smartphone bezahlen Das bargeldlose Bezahlen per Handy gibt es bei Aldi Nord seit Juni 2015, bei Aldi Süd und Lidl seit Dezember 2015, Rewe stieg erst 2016 ein. An der Supermarkt-Kasse muss für den Bezahlvorgang lediglich das Smartphone in einem Abstand von bis zu vier Zentimetern über das Display des Bezahl­terminals gehalten werden. Die Daten­übertragung zwischen Handy und Kassen­terminal erfolgt dabei über Nahfunk (NFC). Der entsprechende Betrag wird dann über eine zuvor installierte Wallet-App, häufig auch virtuelle oder digitale Geldbörse genannt, vom Kredit­karten- oder Giro­konto abgebucht. Inzwischen gibt es außerdem Bezahl-Apps, die nach dem Prepaid-Prinzip funktionieren und automatisch mit einem bestimmten Betrag wieder aufgeladen werden, wenn das Guthaben zur Neige geht. Die genannten Anwendungen werden auch in weiteren Supermärkten, Shops, Kauf­häusern und Tankstellen als Zahlungsmittel akzeptiert. Inzwischen haben auch einige Banken und die Sparkasse eine entsprechende Funktion in ihren hauseigenen Mobile Banking-Apps integriert.

NFC-Logo für kontaktloses Bezahlen an den Kassenterminals

NFC-Logo für kontaktloses Bezahlen an den Kassenterminals
Visa

Um mobil bezahlen zu können, ist ein NFC-fähiges Smartphone mit aktuellem Android-Betriebs­system (mindestens Android 4.4) und einem integrierten NFC-Chip erforderlich.

Bis zu einem Einkaufswert von 20 oder 25 Euro gibt es je nach Bezahl-App häufig keine PIN-Abfrage. Für viele Kunden stellt dies ein Sicherheitsrisiko dar. Die generelle Aktivierung der PIN-Eingabe sollte gegebenenfalls beim jeweiligen App-Anbieter erfragt werden.

Bei anderen Apps (wie beispielsweise Google Pay) wird gänzlich auf eine PIN-Angabe verzichtet. Hier wird die Sicherheit dadurch gewährleistet, dass eine Zahlung allgemein nur mit entsperrtem Smartphone möglich ist. Ist das Smartphone nicht durch Passwort, Fingerabdruck, Iris, Gesichtserkennung usw. geschützt, ist eine Nutzung nicht möglich. Der Coupon-Anbieter Payback hat eine eigene Bezahl-App entwickelt, mit der unter anderem bei real, Galeria Kaufhof, dm, Aral und Allnatura über QR-Code und NFC bezahlt werden kann. Die Supermarktketten Edeka, Marktkauf und Netto setzen auf Bezahl­lösungen mit einer eigenen App ohne NFC. Wallet-Apps für kontaktloses Bezahlen Nachdem die Branchenriesen Google Pay und Apple Pay im Juni bzw. im November 2018 den Eintritt in den deutschen Markt wagten, begannen entsprechende Apps von Drittanbietern an Bedeutung zu verlieren. Diese sind zwar nicht mehr, wie bei frühen Angeboten der Netzbetreiber, an einen Mobilfunkvertrag oder eine NFC-SIM-Karte gebunden, erfordern aber eine Registrierung.

Wallet-Apps: Die digitale Geldbörse

Wallet-Apps: Die digitale Geldbörse
Bild: teltarif.de

Nachdem Glase (ehemals SEQR) im Dezember 2018 gegen die Branchenriesen Google Pay und Apple Pay kapitulierte und den Geschäftsbetrieb aufgeben musste, bleibt von den ehemaligen "Big-Playern" im Bereich des Kontaktlosen Bezahlens mittels Drittanbieter-Apps nur Boon übrig ("Tap & Pay"). Die Nutzung ist dabei nur auf von von Mastercard zugelassenen Smartphones möglich. Wie bei anderen aktuell verfügbaren mobilen Bezahldiensten basiert die Funktionsweise beider Apps auf der HCE-Technologie (Host Emulation Card), einer speziellen Software-Lösung, mittels der unter anderem der digitale Zahlungsverkehr abgewickelt wird. HCE wurde von Google erstmals in das Smartphone-Betriebssystem Android 4.4 integriert. Apple setzt hingegen auf die eigene Software für NFC-Zahlungen, weshalb kontaktloses Bezahlen per HCE vom iPhone derzeit nicht unterstützt wird. boon.

boon. - die Bezahl-App von Wirecard

boon. - die Bezahl-App von Wirecard
Foto: boon. (Wirecard)

Der Zahlungs­dienstleister Wirecard stellt mit boon. schon seit längerem eine App zum mobilen Bezahlen an Mastercard-Terminals zur Verfügung. Mit der virtuellen boon.-Card ist darüber hinaus auch Online-Shopping möglich. Jeder Zahlvorgang ist mit einer PIN-Eingabe gesichert, ab Android 6.0 funktioniert auch die Freigabe per Fingerabdruck. Das Konto kann per Bank­überweisung oder Kreditkarte aufgeladen werden und es gibt zwei verschiedene Guthaben-Modelle mit unterschiedlichem Limit (siehe unten­stehende Tabelle). Das automatische Aufladen sorgt dafür, dass immer ausreichend Guthaben verfügbar ist. Da das Bezahlen mithilfe eines vorab generierten Codes erfolgt, können bis zu fünf Zahlvorgänge hintereinander im Offline-Modus abgewickelt werden, anschließend ist jedoch eine WLAN- oder mobile Daten­verbindung vonnöten, um neue Codes zu generieren. Google Pay

Google Pay

Google Pay

Der im Jahr 2015 als Android-Pay gestartete und im Januar 2018 in Google-Pay umgetaufte Bezahldienst von Google startete im Juni 2018 auch auf dem deutschen Markt. Da inzwischen vielen Banken und die Sparkasse auf eigene Lösungen setzen und Google Pay eher als Konkurrenten sehen, hielt sich die Kooperationsbereitschaft mit Google seitens der deutschen Banken eher in Grenzen. Google konnte dieses Problem jedoch durch ein Abkommen mit Paypal umgehen, das das Zahlen mit Google-Pay mit anschließender Abbuchung des Betrags über das Paypal Konto des Kunden ermöglicht. Durch diese Kooperation ist somit die Nutzung von Google Pay nicht mehr den Kunden kooperierender Banken vorbehalten, sondern faktisch für jeden Inhaber eines Bankkontos durch den Umweg über Paypal möglich. Dies stellt auch den größten Pluspunkt gegenüber dem Mitbewerber Apple Pay dar. In direkter Konkurrenz stehen Google Pay und Apple Pay jedoch nicht, da Google Pay ausschließlich auf Android Geräten und Apple Pay ausschließlich auf Apple Geräten nutzbar ist. Zu beachten ist jedoch, dass die Nutzung von Google Pay in Verbindung mit Paypal nicht funktioniert, wenn bei Paypal lediglich eine Kreditkarte hinterlegt ist, da Paypal die mit Google Pay ausgegebenen Beträge ausschließlich von verknüpften Giro-Konten abbucht. Google Pay ist auch auf NFC-fähigen Smartwatches nutzbar, welches mit dem hauseigenen Betriebssystem Wear OS von Google ausgestattet sind. Apple Pay

Apple Pay

Apple Pay

Auch das im Jahr 2014 gestartete Apple Pay hat in Deutschland einige Jahre auf sich warten lassen. Einige Monate nach Google Pay stand im November 2018 dann endlich auch bei Apple Pay der Deutschlandstart an. Da Apple den Anbietern von Drittanbieter-Apps den Zugriff auf die NFC-Technik verwehrt, hatten Inhaber von Apple Geräten davor auch nicht die Möglichkeit, auf eine solche App auszuweichen. Die Erlösung für diesen Nutzerkreis ist aber noch getrübt, da nach wie vor viele namenhafte Geldhäuser auf der Liste der unterstützten banken fehlen, anders als bei Google Pay besteht auch nicht die Möglichkeit, ein Paypal-Konto zwischenzuschalten. Zu den aktuell unterstützten banken gehören unter anderem die Deutsche Bank, Comdirekt, die Fidor Bank, die HypoVereinsbank und N26. Auch bei Apple ist die Nutzung auf den hauseigenen Smartwatches problemlos möglich. Die Bezahl-Apps boon, Google Pay und Apple Pay

  boon. Google Pay Apple Pay
Systemanforderung
(mindestens)
Android 4.4 Android 5.0 iOS 8.1
WatchOS
Kontaktlos Bezahlen
(Voraussetzung)
NFC- und HCE-fähiges Mastercard-zertifiziertes Android-Smartphone iPhone (ab iPhone 6), iPad (Standard, Air, Mini und Pro), Apple Watch (alle Versionen)
Kontogebühr 3 Monate kostenlos 1),
danach 1,49 Euro monatlich
kostenlos
Bezahlen im Ausland nur mit boon. PLUS 2),
Gebühr von 1,25 Prozent des Umsatzes 2)
Richtet sich nach Girokonto oder Kreditkarte, von der abgebucht wird
Guthaben aufladen per
Kreditkarte gebührenfrei Nicht auf auf Guthabenbasis
Überweisung gebührenfrei Nicht auf auf Guthabenbasis
Lastschrift nein Nicht auf auf Guthabenbasis
Maximales Guthaben
Start boon. BASIC: 100 Euro Nicht auf auf Guthabenbasis
Upgrade boon. PLUS: 5000 Euro 4) Nicht auf auf Guthabenbasis
Stand: Februar 2019, Alle Angaben ohne Gewähr.
1) 12 Monate kostenlos bei Registrierung vor dem 1. April 2018.
2) Mit boon. BASIC sind in Deutschland nur inländische Transaktionen möglich.
3) Gilt nicht für Einsätze im Euro-Währungsraum.
4) Für ein Upgrade auf boon. PLUS ist ein aktueller Identitätsnachweis (Personal­dokument) und ein gesonderter Adressnachweis (z. B. Kontoauszug) erforderlich - siehe: boon. FAQ.
Die gescheiterten Wallet-Apps der Netzbetreiber Alle deutschen Netzbetreiber haben sich mittlerweile von ihren eigenen Wallet-Apps und Bezahldiensten verabschiedet: Die SIM-basierte Lösung der Mobil­funk­anbieter Telefónica (Base-Wallet, mpass), Deutsche Telekom (MyWallet, Clickandbuy) und Vodafone (Vodafone Wallet) konnte sich nicht durchsetzen und wurde von den Kunden nur im geringen Maße angenommen.

Telefónica folgt einem neuen Trend in der mobilen Bezahl-Landschaft: o2-Banking ist ein mobiles Bankkonto fürs Smartphone, das in Kooperation mit der Fidor Bank AG entstanden ist und sich laut Mitteilung des Anbieters in kurzer Zeit zur beliebtesten Direktbanking-App in Deutschland gemausert hat. Kontaktlos bezahlen kann man bisher nur mit der Debit-Mastercard, die jeder o2-Banking-Kunde kostenlos erhält. Doch möglicherweise wird auch diese in naher Zukunft digital. Hauseigene Apps der Banken Verschiedene Banken haben schon seit längerem Verfahren für kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone eingeführt.

Aufgrund der bereits erwähnten herstellerseitigen Beschränkung der NFC Moduls durch Apple auf den eigenen Zahlungsdienst, sind diese Angebote der Banken Android-Smartphones vorbehalten. So bieten inzwischen u.a. die Deutsche Bank, die Postbank, die Volks- und Raiffeisenbanken und die Sparkassen eigene Apps für die mobile Bezahlung an, diese funktionieren ähnlich wie Google Pay und Apple Pay über die NFC-Technik. Es bleibt abzuwarten, ob das Vordrängen von Google Pay und Apple Pay auf den deutschen Markt das Ende der hauseigenen Lösungen der deutschen Banken mit sich bringen wird oder ob diese sich langfristig doch gegen die "Big-Player" aus den USA durchsetzen können. Jedenfalls werden die deutschen Banken auf eine Zusammenarbeit mit Apple angewiesen sein, da sie keine alternativen Apps für Apple Geräte anbieten können.
Außerdem gibt es auch in Deutschland mittlerweile erste Ansätze für das anonyme Bezahlen mit Bitcoins über einige Bitcoin-Wallets, die Zahlungen per QR-Code-Scan oder NFC mit dem Smartphone ermöglichen. Diese bleiben aber eine Rand­erscheinung, wie zum Beispiel das lokale Angebot von Pey in Hannover. Noch nicht in Deutschland: weitere Bezahldienste der Smartphone-Hersteller Seit einigen Jahren planen auch schon weitere Smartphone-Hersteller den deutschen Markt mit eigenen mobilen Bezahldiensten zu erobern: Samsung Pay, Huawei Pay und Microsoft Pay sind zwar bisher größtenteils in den USA, China und teilweise auch schon in Europa gestartet, aber immer noch nicht in Deutschland.

Dennoch haben wir bereits einzelne Bezahl-Apps für Sie ausprobiert: Lesen Sie unseren Bericht zum Test von Samsung Pay in Barcelona). Mehr zum mobilen Bezahlen im teltarif-Podcast In einer aktuellen Folge des teltarif-Podcast "Strippenzieher und Tarifdschungel" diskutieren unsere Redakteure den derzeitigen Stand und die Aussichten für Mobile Payment in Deutschland.

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