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13.02.2020 - 14:51
Replik

Huawei: USA solle konkrete Beweise vorlegen

Unternehmen kontert Bericht des Wall-Street Journal

Die Diskus­sion um Huawei setzt sich munter fort. Jetzt liegt eine aufschluss­reiche Stel­lung­nahme des chine­sischen Netz­werk­ausrüs­ters Huawei zur Bericht­erstat­tung des ameri­kani­schen Börsen­maga­zins "Wall Street Journal" vor. Es geht um die soge­nannten "Hinter­türen" in Huawei-Produkten. Huawei: Snowden hat Spio­nage der USA aufge­deckt Huawei spricht Klar­text: "Wie die Snowden-Leaks bewiesen haben, haben die Verei­nigten Staaten welt­weit verdeckt auf Tele­kommu­nika­tions­netze zuge­griffen und andere Länder seit geraumer Zeit ausspio­niert. Der Bericht der Washington Post von dieser Woche darüber, wie die CIA jahr­zehn­telang ein Verschlüs­selungs­unter­nehmen zur Bespit­zelung anderer Länder einge­setzt hat, ist ein weiterer Beweis dafür." Und dann fügt Huawei hinzu: "Die Behaup­tungen der USA, Huawei habe tech­nische Schnitt­stellen zur recht­mäßigen Über­wachung (englisch: "legal inter­ception", also das recht­lich zuläs­sige Abhören durch Ermitt­lungs­behörden nach rich­terli­cher Anord­nung) genutzt, sind nichts weiter als der Versuch einer Verschleie­rung - sie wider­spre­chen jegli­cher allge­mein akzep­tierter Logik im Bereich der Cyber­sicher­heit." Huawei greift nicht verdeckt zu

Im Bild: Die Huawei-Deutschland-Zentrale in Düsseldorf

Im Bild: Die Huawei-Deutschland-Zentrale in Düsseldorf
picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa

"Huawei hat nie und wird nie verdeckt auf Tele­kommu­nika­tions­netz­werke zugreifen, wir haben nicht einmal die Möglich­keit, dies zu tun." Das Unter­nehmen ist fest davon über­zeugt, dass sich das "Wall Street Journal zwei­fels­frei bewusst" sein müsste, dass die US-Regie­rung keine Beweise zur Unter­maue­rung ihrer Behaup­tungen vorlegen könne. Dennoch habe die Zeitung sich entschieden, "die Lügen zu wieder­holen", die von US-Regie­rungs­vertre­tern verbreitet werden. Dies spie­gele die Vorein­genom­menheit des Wall Street Journal gegen­über Huawei wider und unter­grabe seine Glaub­würdig­keit. Hersteller muss Schnitt­stellen einbauen Die Sache hat einen inter­essanten Aspekt, aus dem wohl versucht wird, Huawei einen Strick zu drehen: Huawei muss, wie jeder andere Anbieter auch, Geräte bereit­stellen, die den verab­schie­deten 3GPP/ETSI-Stan­dards entspre­chen. Huawei ist darin verpflichtet, bran­chen­weit gültige Abhör­stan­dards wie den 3GPP-Stan­dard TS 33.107 für 3G-Netze und TS 33.128 für 5G zu befolgen. "Hier enden die Verpflich­tungen von Huawei in Bezug auf das recht­mäßige Abhören", betont das Unter­nehmen.

Huawei beteuert, dass die "tatsäch­liche Verwal­tung und Nutzung der recht­mäßigen Abhör­schnitt­stellen ausschließ­lich von den Netz­betrei­bern und den zustän­digen Behörden durch­geführt" wird. Solche Schnitt­stellen befinden sich demnach immer in geschützten Räum­lich­keiten der Netz­betreiber und werden von Mitar­beitern betrieben, die von den Behörden in den Ländern, in denen sie tätig sind, über­prüft werden. Die Betreiber haben sehr strenge Regeln für den Betrieb und die Wartung dieser Schnitt­stellen. Keine Abhör­technik Huawei betont, keine darüber hinaus­gehende Abhör­technik zu entwi­ckeln oder zu produ­zieren. Huawei selbst habe keinen Zugang zu den (Abhör-)Schnitt­stellen, dieser erfolge über Systeme von Dritt­anbie­tern unter voll­stän­diger Kontrolle der Netz­betreiber. Huawei betont weiter, keines dieser "Dritt­systeme" an Netz­betreiber in Deutsch­land zu liefern, diese werden von anderen Zulie­ferern bereit­gestellt. Huawei sei ledig­lich ein Liefe­rant von Ausrüs­tung. Deswegen sei der Zugriff auf Netz­werke seiner Kunden (also die Netz­betreiber) ohne deren Auto­risie­rung und hinter ihrem Rücken unmög­lich. Huawei sei nicht in der Lage, an den Netz­betrei­bern vorbei Zugangs­kontrollen zu umgehen und Daten aus Netz­werken zu entnehmen, ohne von den normalen Fire­walls oder Sicher­heits­systemen erkannt zu werden. Keine konkreten Einzel­heiten Sogar das Wall Street Journal räume ein, dass die US-Regie­rungs­vertreter nicht in der Lage sind, konkrete Einzel­heiten zu diesen so genannten "Hinter­türen" zu präsen­tieren. Cyber­sicher­heit und der Schutz der Privat­sphäre der Nutzer haben für Huawei höchste Prio­rität. Die Äuße­rungen der US-Regie­rungs­vertreter igno­rierten dabei völlig die enormen Inves­titionen und bewährten Prak­tiken von Huawei und den Netz­betrei­bern im Bereich des Cyber­sicher­heit-Risi­koma­nage­ments. Huawei empört Huawei ist "sehr empört", dass die US-Regie­rung keine Anstren­gungen gescheut habe, Huawei durch angeb­liche Cyber­sicher­heits­probleme zu stig­mati­sieren. Sollten die USA Verstöße von Huawei aufde­cken, fordert das Unter­nehmen die USA erneut eindrück­lich auf, "konkrete Beweise vorzu­legen, anstatt die Medien zur Verbrei­tung von unplau­siblen Gerüchten zu nutzen." Soweit die Erklä­rung. Eine Einschät­zung - von Henning Gajek Die Ausfüh­rungen von Huawei klingen über weite Stre­cken durchaus plau­sibel. Hätten die USA wasser­dichte Beweise gefunden, so hätten sie diese wohl längst vorge­legt. Was nun wirk­lich ist oder nicht, kann man "von außen" natür­lich nur schwer einschätzen. Es verstärkt sich aber der Verdacht, dass die Kritik an Huawei eher wirt­schafts­poli­tischen Motiven entspringt. Glaub­würdig klingt dabei auch die Speku­lation, dass ameri­kani­sche Geheim­dienste sich damit schwer täten, in Huawei-Systeme eindringen zu können.

Man kann sich nur wünschen, dass alle Betei­ligten schnellst­möglich zur Vernunft kommen. Der aktu­elle Covid-19 (bisher als Coro­navirus bekannt) hat zur Absage der wich­tigen Messe MWC geführt und stellt ein viel größeres Problem dar, das nur gemeinsam gelöst werden kann.

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