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06.06.2019 - 14:44
Alles Giga?

VATM: 15,2 Mio. Gigabit-fähige Anschlüsse in Deutschland

VATM legt neue Zahlen vor

Erst­malig im Sommer und erst­malig Zahlen zu rein Gigabit-fähigen Anschlüssen, das ist neu beim VATM, dem Verband der Anbieter von Tele­kommu­nika­tions­dienst­leis­tungen und Mehr­wert­diensten, der diese Zahlen auf der Leit­messe für Breit­band-Netze und Inhalte der Anga Com in Köln gestern vorstellte. Erste reine Gigabit-Studie

Das VATM-Präsidium (v.l.): Uwe Nickl (Deutsche Glasfaser), Martin Witt (vatm Präsident, 1&1), Dr. Christoph Clement (Vodafone), Jürgen Grützner (vatm Geschäftsführer)

Das VATM-Präsidium (v.l.): Uwe Nickl (Deutsche Glasfaser), Martin Witt (vatm Präsident, 1&1), Dr. Christoph Clement (Vodafone), Jürgen Grützner (vatm Geschäftsführer)
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

Die erste Gigabit-Studie wurde zusammen mit Dialog Consult und Prof. Gerpott erstellt und zählt nur Anschlüsse, die mindes­tens "bis zu einem GBit/s erlauben“. Genauer: Gezählt wurden nur echte Glas­faser­anschlüsse bis ins Haus - also FTTH oder FTTB oder Kabel-TV-Anschlüsse (HFC) nach DOCSIS-3.1-Proto­koll. Nicht berück­sich­tigt wurden Kupfer-Anschlüsse, auch nicht mit Vecto­ring oder auf LTE-Mobil­funk­basis. 15,2 Millionen Anschlüsse

Die Zahl der Gigabit-fähigen Anschlüsse in Deutschland steigt.

Die Zahl der Gigabit-fähigen Anschlüsse in Deutschland steigt.
Grafik: Dialog Consult / VATM

Aus den Vorgaben zur Daten­erhe­bung wurde die Zahl 15,2 Millionen ermit­telt. Das sind reine Gigabit-fähige Anschlüsse, die es bis Ende Juni in Deutsch­land geben wird (Die letzten Tage des Monats wurden hoch­gerechnet).

„Die Zahlen sind gut, die Wett­bewerber (der Deut­schen Telekom) bauen immer schneller“, freut sich der VATM. „Aber ohne eine konse­quen­tere Politik, den Einsatz neuer Tech­nolo­gien, Büro­kratie­abbau und Regu­lierung und ohne dass die Telekom endlich der Glas­faser den Vorrang vor Kupfer einräumt, werden wir die Ziele der Bundes­regie­rung nicht mehr errei­chen können“, stellt VATM-Präsi­dent Martin Witt mit aller Deut­lich­keit fest.

Gigabit-fähige Anschlüsse von Telekom und den Wettbewerbern

Gigabit-fähige Anschlüsse von Telekom und den Wettbewerbern
Grafik: Dialog-Consult / VATM

„Wir haben mit 15 Millionen Gigabit-taug­lichen Anschlüssen – also Kabel­anschlüssen und Glas­faser bis zum Haus/Endkunden – bei hohen Zuwachs­raten ein sehr gutes Ergebnis erreicht“, betont Witt. 94,7 Prozent der Gigabit-fähigen Anschlüsse stammten von den Wett­bewer­bern der Telekom. Allein vier Millionen HFC-Anschlüsse wurden seit Ende 2018 mit DOCIS 3.1 auf Giga­bit­fähig­keit aufge­rüstet.

Gigabitfähige Kabel-TV-Anschlüsse (in Deutschland überwiegend von Vodafone-Kabel-Deutschland und Unitymedia)

Gigabitfähige Kabel-TV-Anschlüsse (in Deutschland überwiegend von Vodafone-Kabel-Deutschland und Unitymedia)
Grafik: Dialog-Consult / VATM

Die Zahl aller FTTB/H-Anschlüsse (also ohne Kabel-TV) ist in Deutsch­land um 10 Prozent auf rund 4,04 Millionen gestiegen. Davon hätten die Wett­bewerber 80 Prozent der FTTB/H-Anschlüsse (3,24 Millionen) in Deutsch­land gebaut. „Mit dem smarten Mix von Gigabit-Tech­nolo­gien, leis­tete das Kabel­netz seinen deut­lich sicht­baren Beitrag, auch auf dem Land. Dort seien pro Einwohner im letzten halben Jahr sogar mehr Gigabit-Anschlüsse als in Städten und Ballungs­gebieten geschaffen worden, betonte Dr. Chris­toph Clément, VATM-Präsi­diums­mitglied und Mitglied der Geschäfts­leitung bei Voda­fone Deutsch­land. Voda­fone ist sehr dran inter­essiert, die bean­tragte Fusion des Kabel-TV-Anbie­ters Unity­media geneh­migt zu bekommen, da sich die Kabel-TV-Netze relativ schnell und einfach auf höchste Geschwin­digkeiten aufrüsten lassen. Auch Neubau von Kabel­stre­cken sei geplant, wo es bisher kein TV-Kabel gab, beispiels­weise in Lücken, die Zeiten der dama­ligen Bundes­post nicht geschlossen wurden.

Glasfaseranschlüsse. Take-Up-Rate: Anteil der Kunden, welche die schnelleren Geschwindigkeiten tatsächlich buchen.

Glasfaseranschlüsse. Take-Up-Rate: Anteil der Kunden, welche die schnelleren Geschwindigkeiten tatsächlich buchen.
Grafik: Dialog-Consult / VATM

Etwa 20 Prozent aller mit Glasfaser anschließbaren Haushalte "gehören" der Telekom.

Etwa 20 Prozent aller mit Glasfaser anschließbaren Haushalte "gehören" der Telekom.
Grafik: Dialog-Consult / VATM

Hand­lungs­bedarf auf dem Land

Deutlich zeigt der TÜV-Rheinland auf: Je schneller das Internet, desto geringer der ländliche Anteil.

Deutlich zeigt der TÜV-Rheinland auf: Je schneller das Internet, desto geringer der ländliche Anteil.
Grafik: TÜV Rheinland / VATM

„Gerade auf dem Land besteht – was der Politik seit einem Jahr­zehnt bekannt ist – der größte Hand­lungs­bedarf“, unter­streicht VATM-Präsi­dent Witt. In der Stadt standen bis Mitte 2018 für 83,2 Prozent der Haus­halte Anschlüsse mit mehr als 100 MBit/s Band­breite zur Verfü­gung, in halb­städ­tischen Gebieten 53,6 Prozent und in länd­lichen 19,4 Prozent, wie der TÜV Rhein­land ermit­telt hat.

Der VATM möchte die Sonder­rechte der Telekom für die Nutzung von Vecto­ring gegen­über der echten Glas­faser (FTTB/H) und die Senkung der aktuell noch höher regu­lierten Preise für die Vermie­tung der alten Kupfer­anschlüsse“.

Seit Jahren fordern VATM und Hand­werks­kammern (DIHK) eine Aus- und Fort­bildungs­initia­tive für Berufe rund um den Glas­faser­ausbau. „Schnel­lere Verle­getech­niken werden manchmal büro­kratisch im wahrsten Sinne des Wortes ausge­bremst. Zudem muss die Bear­beitung der Anträge für Baumaß­nahmen besser koor­diniert und beschleu­nigt werden“, kriti­siert Uwe Nickl, VATM-Präsi­diums­mitglied und Chef der „Deut­sche Glas­faser“, die gerade ihren 500.000sten FTTH-Anschluss gebaut hat. Die deut­sche Glas­faser konzen­triert sich dabei auf länd­liche Regionen, wo die Deut­sche Telekom „nichts tut“ und baut unge­fördert in „eigen­wirt­schaft­licher Regie“ aus. Die Wett­bewerber der Telekom bauten schneller als die Nach­frage steigt, damit die Glas­faser- und Mobil­funk-Netze stehen, wenn die Nach­frage ansteigt, weil die Masse der Unter­nehmen und Bürger Gigabit-Netze braucht“, so Witt.

Auf dem Wunsch­zettel des VATM steht der Abbau der Büro­kratien, um den eigen­wirt­schaft­lichen Ausbau ankur­beln, eine opti­mierte Förde­rung und die Frei­gabe neuer Verle­getech­nolo­gien wie Tren­ching. Gutscheine („Voucher“) für Bürger, die sich für Glas­faser inter­essieren, sollen die Baukosten für den Haus­anschluss „finan­zieren“. Und natür­lich darf das Zauber­wort „Open Access“ nicht fehlen, was besagt, wenn jemand schon Glas­faser gebaut hat, sollen „andere“ nicht parallel dazu bauen dürfen, sondern die bereits gebaute Leitung mieten dürfen. In der Praxis ist das nicht so einfach, da es regel­mäßig zu „Diskus­sionen“ darüber kommt, was dieser Zugang kosten soll. Abschal­tung der Kupfer­leitungen? Erst­malig greift der VATM ein Tabu auf: Man solle über die Abschal­tung alter Kupfer­netze nach­denken, wenn dadurch die Nutzung und Renta­bilität des besten Netzes so gestei­gert werden kann, dass staat­liche Förde­rung in Milli­arden­höhe über­flüssig sein könnte.“

Für den VATM-Präsi­denten steht fest: „Wenn wir für Deutsch­land das Beste errei­chen wollen, müssen wir auf Wett­bewerb und deut­lich bessere Rahmen­bedin­gungen setzen.“ Der VATM will bei der Bundes­regie­rung errei­chen, „dass endlich gehan­delt und nicht nur Geld verspro­chen wird.“

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