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20.01.2020 - 11:48
Merkwürdig

US-Firma sammelte Milliarden Fotos für Gesichtsdatenbank

Computerbrille mit Gesichtserkennungsfunktion geplant?

Eine obskure US-Firma hat laut einem Bericht der "New York Times" rund drei Milli­arden Bilder von Menschen aus dem Internet zusam­menge­stellt, um eine umfas­sende Daten­bank zur Gesichts­erken­nung zu entwi­ckeln. Im vergan­genen Jahr sei der Zugang dazu mehr als 600 Behörden als Service ange­boten worden, schrieb die Zeitung am Wochen­ende unter Beru­fung auf das Unter­nehmen namens Clear­view. Angaben dazu, welche Behörden das waren, macht Clear­view nicht. Auf ihrer Website lässt die Firma aller­dings auf die Aufklä­rung von Sexu­alver­brechen spezia­lisierte kana­dische Ermittler lobend zu Wort kommen.

Für die Daten­bank seien öffent­lich zugäng­liche Bilder bei Platt­formen wie Face­book und YouTube oder dem US-Bezahl­service Venmo einge­saugt worden, hieß es. Eine Samm­lung in dieser Dimen­sion würde bisher bekannt­gewor­dene Daten­banken zur Gesichts­erken­nung über­treffen. In den USA etwa prüfen die Behörden die Iden­tität der Einrei­senden per Gesichts­erken­nung - greifen dabei aber auf die Bilder zurück, die speziell dazu aufge­nommen wurden. Prototyp einer Compu­terbrille mit Gesichts­erken­nungs­funk­tion

Gesichtsdatenbank: Wofür wurde sie angelegt?

Gesichtsdatenbank: Wofür wurde sie angelegt?
Bild: dpa, Bearbeitung: teltarif.de

Die zuvor prak­tisch unbe­kannte Firma Clear­view trat erst durch die Recher­chen der "New York Times" an die Öffent­lich­keit. Ein früherer Geld­geber war US-Milli­ardär Peter Thiel. Der PayPal-Mitgründer und Face­book-Investor ist für seine liber­tären Ansichten und als einer der wenigen erklärten Unter­stützer von Präsi­dent Donald Trump im Silicon Valley bekannt. Sein Spre­cher sagte der Zeitung, Thiel habe Clear­view im Jahr 2017 mit 200 000 Dollar unter­stützt und dafür einen Anteil bekommen. Er sei ansonsten nicht betei­ligt.

Gründer von Clear­view ist der 31 Jahre alte Hoan Ton-That, der aus Austra­lien in die USA kam. Zuvor hatte er einige wenig erfolg­reiche Geschäfts­ideen gehabt, wie etwa eine App, mit der sich Nutzer auf ihren Fotos Trumps charak­teris­tische Frisur verpassen konnten. Er habe zwischen­zeit­lich an eine Karriere als Model gedacht, dann aber beschlossen, ins Geschäft mit der Gesichts­erken­nung einzu­steigen, sagte er der "New York Times".

Der Bericht enthielt noch ein weiteres alar­mierende Details. Nachdem einige Poli­zisten auf Bitten der Jour­nalistin ihr Foto durch die Daten­bank durch­laufen ließen, seien sie von Clear­view-Vertre­tern mit der Frage ange­rufen worden, ob sie mit der Presse sprä­chen. Der Firma zufolge hat die Soft­ware nur Alarm wegen unge­wöhn­licher Such­anfragen geschlagen. Außerdem räumte Ton-That auf Anfrage der Zeitung ein, dass Clear­view auch den Proto­typen einer Compu­terbrille mit Gesichts­erken­nungs­funk­tion entwi­ckelt habe - es gebe aber keine Pläne, diese zu vermarkten.

Der Bericht löste schon am Wochen­ende erste poli­tische Reak­tionen aus. US-Senator Ron Wyden, Mitglieder der Demo­krati­schen Partei, zeigte sich besorgt und forderte, Ameri­kaner müssten wissen, ob ihre Fotos heim­lich in einer privaten Daten­bank landen.

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dpa /

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