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31.05.2019 - 11:12
5G-Auktion

Mainzer Auktion: BNetzA warnt vor künstlicher Verlängerung

Trotz Warnung geht die Bieterschlacht weiter

Zum Geburtstag des Bundes­verbandes Glas­faser (Buglas) schaute der Präsi­dent der Bundes­netz­agentur Jochen Homann am 28. Mai in Norder­stedt (bei Hamburg) vorbei und wählte klare Worte. Er kriti­sierte die Teil­nehmer, die laufende 5G-Frequenz­auktion künst­lich zu verlän­gern. "Wir sind jetzt in der 11. Woche, das ist nicht erfreu­lich!" Homann warnte Betei­ligte davor, "die Auktion zu diskre­ditieren, indem sie das Bieter­verfahren einfach künst­lich in die Länge ziehen."

Das könnte mögli­cher­weise das Kalkül der Bieter sein, vermutet Homann, dass die Regu­lierungs­behörde jetzt eingreife und die Auktion vorzeitig beende. Am Dienstag Abend lag man bei Runde 431 bei 6,069 Milli­arden Euro.

Die Warnungen des Präsi­denten scheinen unge­hört verhallt zu sein, am Mitt­woch Abend trennten sich die Bieter nach Runde 441. Auf 2,1 GHz bekäme die Deut­sche Telekom 4/0 Blöcke für 851,5 Millionen Euro, Voda­fone 3/1 Blöcke (2021/2026) für 802,6 Millionen Euro, die Telefónica Deutsch­land jeweils 1/1 Blöcke für "güns­tige" 376,8 Millionen Euro und für 1&1-Dril­lisch stünden für 2 Blöcke ab 2026 noch 333,3 Millionen auf der Rech­nung. Warnungen über­hört

BNetzA-Präsident Homann hat vor einer künstlichen Verlängerung der Auktion gewarnt

BNetzA-Präsident Homann hat vor einer künstlichen Verlängerung der Auktion gewarnt
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

Gestritten wird nach wie vor um 3,6 GHz wo die Telekom 8 Blöcke für 1,051 Milli­arden Euro, Voda­fone die gleiche Anzahl für 963,1 Millionen Euro und Telefónica 7 Blöcke für 920,8 Millionen bekäme. Neuling 1&1 Dril­lisch müsste sich mit 6 Blöcken für 800,2 Millionen begnügen.

Der Chef der Deut­schen Telekom, Tim Höttges, der CEO von Voda­fone Hannes Amets­reiter, und auch Markus Haas von Telefónica hatten immer wieder kriti­siert, das Geld für die Lizenzen fehle schluss­endlich beim Netz­ausbau und hatten das mit 100 bis 200 000 Euro pro Station auf 50 bis 60 000 Mobil­funk­masten umge­rechnet.

Das lässt Homann nicht gelten: "Die Unter­nehmen wissen, dass sie die Auflagen auch erfüllen müssen, das ist in das Bieter­fahren auch einge­preist." Homann hat längst verstanden, dass die Unter­nehmen diese Frequenzen lieber umsonst oder in einem Beauty Contest erhalten hätten. Doch die Bietenden sollten belegen, dass ihnen die Frequenzen etwas wert seien.

Ein weiterer Kritik­punkt sind die "100 Mega­hertz" zwischen 3,7 und 3,8 GHz, die für Unter­nehmen "außer­halb der Tele­kombranche" reser­viert wurden. Tim Höttges (Deut­sche Telekom) hatte argu­mentiert, dass die Auktion schon längst vorbei sein könnte, wenn für die regio­nalen Campus­netze weniger Frequenzen reser­viert worden wären. Er vermu­tete sogar, dass ein Design gewählt worden sei, damit der Staat möglichst hohe Einnahmen erzielen könne.

Homann sieht das nicht so: "Die lokalen Frequenzen eignen sich aus physi­kali­schen Bedin­gungen dafür, für die "Indus­trie 4.0" Sensoren unter­einander zu verknüpfen. Das ist ein simpler physi­kali­scher Fakt", stellte Homann klar. Er wolle keine möglichst hohen Einnahmen erzielen. Das deut­sche Vorgehen löse sogar Anfragen aus dem Ausland aus. Die Indus­trie sei stark an Campus­netzen inter­essiert. Dass der Bitkom ein anderes Ergebnis vorlege, habe mit den Firmen zu tun, die ihre Betriebs- und Geschäfts­geheim­nisse schützen wollten. Homann bremste die Erwar­tungen: "Den Weg in die Gigabit-Welt schaffen wir nicht von heute auf morgen, sondern in den nächsten Jahren. Das ist nicht unab­hängig von Zeit und Raum möglich." BNetzA muss Politik abfe­dern

Homann wollte den Auktionsteilnehmern ins Gewissen reden

Homann wollte den Auktionsteilnehmern ins Gewissen reden
Foto: Picture Alliance / dpa

Indi­rekt kriti­sierte der Präsi­dent die Politik. "Die Heils­erwar­tung der Branche und der Medien an 5G sind in Wahl­verspre­chungen umge­wandelt worden. Die Politik sitzt nun in der Ankün­digungs­falle. Es ist unser tägli­ches Leiden der Bundes­netz­agentur, wir müssen das abfe­dern".

Die Argu­menta­tion des Präsi­denten der Bundes­netz­agentur werfen neues Licht auf die scheinbar endlose Auktion in Mainz. Neben dem Ziel, den lästigen vierten Neuein­steiger aus dem Feld zu schlagen, könnte auch der Politik, ange­feuert von wirt­schaft­lichen Inter­essen und öffent­licher Meinung, der Gedulds­faden reißen und sie müssten Homann irgend­wann bitten, sofort den "Not-Aus"-Knopf zu drücken und die Auktion abzu­brechen.

Was wäre dann die Folge: Wird dann einfach die zuletzt aufge­rufene Summe berechnet? Oder bliebe das ganze Geld bei den Bietern und die Netz­agentur nähme nur etwas "Verwal­tungs­kosten"? Wie sollen dann die 29 (eigent­lich 30) Blöcke auf 3,6 GHz unter 4 Bietern aufge­teilt werden? Was ist dabei rechts­sicher? Werden die vier Bieter oder ein unbe­kannter Fünfter ("Ich hätte ja mich auch beworben, wenn ich gewusst hätte, dass die Frequenzen nix kosten") dann vor Gericht ziehen und den Netz­start mit 5G auf den St. Nimmer­leinstag verschieben?

Oder gibt endlich einer der Bieter "nach" und verzichtet auf einen Block? Dann könnte das Ergebnis 8 Blöcke für die Telekom, 7+1 Blöcke (darunter ist ein Doppel­block, der 10 GHz breit ist) für Voda­fone, 7 für Telefónica und 6 für 1&1-Dril­lisch lauten.

Zwischen­zeit­lich lag 1&1-Dril­lisch schon bei 5 Blöcken, die Telekom hätte statt­dessen 9 Blöcke bekommen. Auch damit wäre ein Ergebnis reali­sierbar. Nachdem die Kosten für 1&1 lange stabil blieben, steigen sie inzwi­schen auch an. Wo liegt für Dril­lisch die Schmerz­grenze? Werden wir die Frequenzen viel­leicht erst unter dem Weih­nachts­baum vorfinden? Viele Fragen.

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