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05.03.2018 - 12:19
Freenet-Gruppe

Hochfliegende Pläne mit freenet TV und waipu

Neue Werbeformen während des Films im Test

In der vergangenen Woche hat die in Büdelsdorf angesiedelte Freenet AG vorläufige Zahlen zum Geschäftsjahr 2017 vorgelegt. Bekannteste Marken sind mobilcom-debitel oder klarmobil, zum Konzern gehört aber auch ein Anteil am Schweizer Mobilfunknetzbetreiber Sunrise, welcher mit Salt (Ex-Orange) der Swisscom Paroli zu bieten versucht. Ferner ist die Freenet AG im Medien- und TV-Bereich aktiv, sie hat die einst zur Deutschen Bundespost Telekom gehörende Media-Broadcast gekauft, welche früher fast alle Rundfunk- und TV-Sender in Deutschland betrieb. Inzwischen hat sich hier einiges getan - und mit der TV- und Medien-Tochter hat die Freenet AG weitere Pläne, auf die wir in diesem Hintergrundbericht eingehen.

Mit 3,507 Milliarden Euro lag der Gesamtumsatz der Freenet AG um 4,3 Prozent höher als im Vorjahr. Als Gründe werden der Anstieg der Umsatzerlöse im stabilen Kerngeschäft Mobilfunk und eben auch das sich "sehr gut entwickelnde TV-Geschäft" genannt.

3,199 Milliarden Umsatz konnten im Mobilfunk erzielt werden (plus 2,3 Prozent), die Zahl der "werthaltigen" Kunden im Postpaid- sowie im No-Frills-(Discount)-Bereich stieg bis Jahresende 2017 auf insgesamt 9,59 Millionen Kunden, also insgesamt rund 60 000 Kunden mehr. Rechnet man den Kundenverlust im No-Frills-Segment heraus waren es bei Postpaid 198 000 neue Kunden (plus 3,0 Prozent), was die Gesamtzahl auf 6,71 Millionen Kunden gesteigert hat, die einen 24-monatigen Vertrag abschließen und diesen oft mit dem Kauf eines günstigen subventionierten Endgerätes verbinden. Kundenverluste wegen o2-Netzqualität?

Mit freenet TV und waipu hat Freenet große Pläne

Mit freenet TV und waipu hat Freenet große Pläne
Bild: waipu / Exaring AG

Der Kundenverlust im No-Frills-Segment habe auch mit den von den Kunden "wahrgenommenen Problemen mit der o2-Netzqualität" zu tun, berichtete Freenet-CEO Christoph Vilanek im einer telefonisch und im Internet übertragenen Pressekonferenz. Interessant: Ein Viertel der Deutschen würden - statistisch gerechnet - ihre Tarife oder Verträge jährlich wechseln. Digitale Transformation wirkt Die digitale Transformation ist ein zentrales Thema: Beim Einkauf nutzen immer mehr Kunden Cross-Channel-Einkäufe. So könnte ein Vertrag mit Handy im Internet bestellt, aber an den nächsten mobilcom-debitel-Shop ausgeliefert werden, wo man sich gleich das Gerät erklären und einrichten lassen kann. Kundenanfragen kämen heute oft über die App. Bei der Freenet-Tochter Gravis sei die Zahl der Hotline-Anrufe spürbar zurückgegangen. MWC: Keine Innovationen Vilanek war kurz zuvor in Barcelona beim Mobile World Congress (MWC) gewesen, vermisst dort aber bei den Handyherstellern echte Innovationen. "Es kommen keine nachhaltigen Impulse mehr." Dafür entwickelt sich die 2017 gestartete und von teltarif.de getestete Hotspot-Flat recht gut. Die soll als weltweite Hotspot-Flat 2018 richtig ausgerollt werden und eine Antwort auf die außerhalb der EU nach wie vor hohen Roamingkosten sein. Erfreut über TV und Medien Erfreulich entwickelt sich das Segment TV und Medien (Umsatz plus 34,7 Prozent). Obwohl erst seit kurzem gestartet, konnte freenet TV (derzeit über DVB-T2) bereits 975 000 Abo-Kunden einbuchen, im Plan waren nur 800 000 erwartet worden. Beim IPTV-Produkt waipu.tv wurde die erwartete Zahl zahlender Abonnenten mit rund 102 000 ziemlich genau erreicht.

Registriert (aber noch nichts gezahlt) haben sich bereits 464 000 Kunden, 500 000 hatte man angepeilt. Beim Verkauf von Empfangsgeräten habe man das Ziel bei USB-Sticks, Tablets, PCs oder Laptops nicht erreicht. Nur 50 Prozent der Kunden sind der Freenet AG namentlich bekannt, der Rest sind Gutscheinkunden - "wir stammen aus der Welt, wo man den Kunden kennt". Das Ziel: Mehr als 1,2 Millionen zahlende Kunden. Vilanek lobt Mitarbeiter Vilanek lobt die Mitarbeiter der zur Freenet AG gekommenen Media Broadcast. Darunter seien noch einige Beamte (aus Zeiten der Deutschen Bundespost), alle hätten hervorragend gearbeitet. Die technische Umstellung auf DVB-T2 sei erstmalig über Nacht erfolgt, die Anlagen seien jetzt zu 99,8 Prozent technisch verfügbar. In den ersten 24 Stunden seien über 100 000 zahlende Kunden aufs System geladen worden. Bisher hatte sich die Media Broadcast ausschließlich mit Geschäftskunden (B2B) beschäftigt. In einem Jahr wurde eine Endkundenabteilung (B2C) eingerichtet und koordiniert.

"Die Entwicklung unseres TV-Geschäfts in 2017 zeigt deutlich, dass wir vieles richtig gemacht haben. Innerhalb von neun Monaten ist es uns gelungen, fast eine Million zahlende Nutzer von freenet TV zu überzeugen, und mit waipu.tv sind wir, was die Anzahl zahlender Nutzer betrifft, in kurzer Zeit Marktführer geworden", freute sich Vilanek. freenet TV bald über Satellit empfangbar Freenet TV wird wie berichtet bald auch über Satellit zu empfangen sein, dort sei die Marge etwas geringer. Erstmalig werde Freenet damit HD via Satellit anbieten können und gegen den historischen Marktführer HD+ und die neu gestartete M7 antreten. Damit sei das Freenet-Angebot praktisch über Nacht bundesweit in 18 Millionen Haushalten verfügbar. Media Broadcast als Radiobetreiber via DAB+ Die Media Broadcast betreibt den ersten Bundesmux für DAB+ und hat sich für den zweiten bundesweiten Multiplex beworben. Derzeit gebe es noch Klagen, man hoffe aber, bis zum ersten Halbjahr alles geklärt zu haben.

Künftig will die Media Broadcast nicht nur den technischen Betrieb, sondern erstmals auch als Radioprogrammbetreiber auftreten. Gemeinsam mit der Nürnberger Müller-Medien habe man die Antenne Deutschland GmbH gegründet und wolle selbst "Programme erzeugen". In einem Gesamtmarkt von 800 Millionen könnte der geplante "Bundesmux 2" einen Anteil von 10 Prozent erreichen. Zielgruppen- und Regional-Programme über waipu möglich 500 000 Kunden haben sich beim Internet-TV waipu.tv angemeldet, davon sind wie gesagt rund 100 000 zahlende Kunden. Es gelang, den monatlichen Durchschnittsumsatz von 5,6 Euro auf 6,10 Euro zu steigern, der Inhalt wurde von 30 auf 70 Kanäle erweitert. waipu übermittelt bereits die Vollprogramme von Pro7-Sat.1 als HD-Vollprogramm und bietet auch T-VoD (Transactional Video on Demand, also die Bezahlung pro geschautem Film oder Stream) und S-VoD (Subscription, also Abo-Fernsehen) an. Durch Peering-Verträge mit lokalen Anbietern kann waipu weitgehend überall erreicht werden.

Die zunehmende steigende Geschwindigkeit beim Breitband der Kunden treibe IPTV voran. Jetzt müsse man noch den Markenbekanntheit steigern, sehr viel Werbung schalten, was bislang nur über eigene Vertriebskanäle erfolgte. Vilanek will die technische Verfügbarkeit von waipu erhöhen. Als Alleinstellungsmerkmale seines Angebotes nannte er den privaten Videorecorder (im Netz) oder die Möglichkeit mit einem Abonnement in mehreren Zimmern schauen zu können ("Multi-Room"). Der Netpromotor-Score für waipu liege bei 37 Prozent, das heißt Bestandskunden empfehlen das Produkt, der Wert läge bei andern Anbietern drastisch niedriger. Künftig soll eine Registrierung bei waipu auch ohne Eingabe von persönlichen Bankdaten möglich sein. Waipu als Plattform für Inhouse- und Firmen-TV oder für regionale Programme Neuerdings strahlt Freenet über waipu auch Programme und Beiträge von Firmen oder regionalen Veranstaltern aus. Zwei Filialisten wollten mit Freenet "Instore TV" starten. waipu kann TV-Programme auch regional begrenzt an bestimmte Zielgruppen aussenden, ein Schulungskanal für die Mitarbeiter wurde eingerichtet. Mehr Möglichkeiten bei Freenet und waipu Beim freenet-TV werden AppleTV, Google und Amazon dazu kommen. Automatisch sollen die WM-Tore als erster bei Freenet zu sehen sein, da deren Signal "schneller" sei. Die Fußball-WM soll auf allen Samsung-Geräten ab einem bestimmten Herstellungsdatum (Softwarestand) über freenet TV und waipu verfügbar sein. Auch AppleTV, Google Chromecast und Amazon Fire-TV-Stick seien mit waipu.tv nutzbar. waipu kann Wunschfilme gleich in die eigene Bibliothek des Kunden, im Jargon "Waiputhek" genannt, legen. Neue Form der Werbeunterbrechung Als neue Idee können Internet-TV-Programme durch Werbung "angehalten" werden: Der Kunde sieht einen Film. Nun wird als Werbung ein Produkt gezeigt, der Kunde kann auf "mehr Informationen" klicken. Jetzt wird im Hintergrund der laufende Film angehalten, der Kunde schaut sich das Produkt an und bestellt es vielleicht über den Webshop auch gleich. Erst danach läuft der Film weiter, der Kunde kann aber auch zur Echtzeit der ursprünglichen Übertragung zurückspringen.

Vilanek hat es testen lassen, ein Prozent der Zuschauer hätten den "Anschauen"-Knopf gedrückt, bei HbbTV sei die Konversionsrate eher bei 0,04 bis 0,2 Prozent. Freenet sieht es als gute Geschäftsidee, da das Unternehmen an den daraus erzeugten Umsätzen mitverdienen kann. Die volle Synchronisierung vom TV-Schirm mit dem Handy-Bildschirm gehören für ihn übrigens auch dazu. Ausblick Für 2018 sollen Konzernumsatz und Kundenzahlen stabil bleiben, wobei der "besonders werthaltige Vertragskundenbestand" weiter steigen soll. Im TV-Geschäft wird mit einer steigenden Anzahl an Abo-Kunden gerechnet. Die endgültigen Geschäftszahlen 2017 wird die Freenet Group voraussichtlich am 22. März vorlegen.

Als nächster großer strategischer Schritt steht bei den Mobilfunkmarken die Freischaltung von LTE im Telekom-Netz an.

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