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19.01.2018 - 13:00
Studie

eSIM könnte in 3-5 Jahren Roaming überflüssig machen

Netzbetreiber befürchten aber Umsatz-Einbußen

Die in Geräte eingebettete virtuelle SIM-Karte, genannt eSIM, weckte bei vielen Verbrauchern zunächst Hoffnung: Sollte es bald möglich sein, mit nur wenigen Klicks den Provider oder das Netz wechseln zu können - ohne den lästigen Tausch der Plastik-SIM-Karte? In der Realität ist davon momentan noch wenig auf dem Markt zu sehen.

Außer in einigen wenigen Consumer-Geräten kommt die eSIM momentan noch überwiegend in vernetzten Maschinen im Internet der Dinge zum Einsatz. Doch welche Gefühle weckt die eSIM bei den Netzbetreibern und Providern? Werden in den kommenden Jahren den Netzbetreibern bislang willkommene Einnahmen durch Roaming wegen der eSIM verloren gehen?

Diesen Fragen ging die Studie eSIM For The Roaming Consumer nach, die das auf Roaming spezialisierte Beratungsunternehmen Rocco im Auftrag des Herstellers Uros durchführte. Uros ist ein international tätiger Hersteller von eSIM-Lösungen für Consumer- und IoT-Geräte. eSIM statt 24-Monats-Tarif: Eine Bedrohung für die Netzbetreiber?

Studie zur Akzeptanz der eSIM als Roaming-Ersatz

Studie zur Akzeptanz der eSIM als Roaming-Ersatz
Bild: Rocco / Uros

Die Studie wurde von Oktober bis November durchgeführt, befragt wurden dabei 107 Netzbetreiber aus 92 Ländern. Im Fokus der Studie stand beispielsweise, wann und wie eSIM-Lösungen in den kommenden Jahren horrende Roaming-Gebühren überflüssig machen könnten. Gleichzeitig wurde den Netzbetreibern aber auch die Frage gestellt, ob sie diese Entwicklung eher als Chance oder als Bedrohung sehen.

Grundsätzlich betrachten 81 Prozent der befragten Netzbetreiber die eSIM erst einmal positiv. Besonders viel Begeisterung gibt es bei den asiatischen Anbietern, in Afrika sind Betreiber skeptisch als euphorisch. In Europa betrachteten 28 Anbieter die eSIM positiv, drei negativ.

Die Betreiber sehen den Vorteil, dass sie über die eSIM-Plattform Dienste und Tarife direkt an den Kunden vermarkten können, ohne dass dieser zu einem Beratungsgespräch oder einem Tarifwechsel in ein Ladengeschäft kommen muss. Andererseits sehen die Anbieter auch die Gefahr, dass die Kundenbindung lockerer werden wird, weil der Kunde viel leichter zu einem Konkurrenz-Anbieter abwandern kann, dessen Produkte besser zu seinen Bedürfnissen passen. Einige Anbieter prognostizieren durch die eSIM auch das Ende von klassischen 24-Monats-Tarifen. Degradiert die eSIM die Netzbetreiber endgültig zu bloßen "Leitungs-Lieferanten"? Ein Trend ist seit vielen Jahren in der Branche sichtbar: Das große Geld im Internet verdienen Diensteanbieter wie Suchmaschinen, soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste, die kein eigenes physisches Netz betreiben, sondern einfach auf den vorhandenen Netzen aufsetzen (OTT-Anbieter).

Die Netzbetreiber fürchten, dass sich dieser Trend durch die eSIM noch verstärken könnte und dass die Netzbetreiber endgültig zu einem bloßen "Leitungs-Lieferanten" degradiert werden, den man nach Belieben wechseln kann. Denn wer als Kunde damit rechnet, gegebenenfalls monatlich per Mausklick auf der eSIM-Plattform den Tarif zu wechseln, der wird auch keine teuren Zusatzdienste seines Netzbetreibers buchen, die diesem lukrative Zusatzeinnahmen sichern könnten.

Gleichzeitig wird es laut den Analysten von Rocco für die Netzbetreiber aber einfacher, Tarife so zu gestalten, dass man beispielsweise das Datenvolumen einfacher auf mehrere Geräte verteilen kann. Die momentan recht starre Bindung von einer SIM mit einem Tarif an ein Gerät würde dann wegfallen. Die Rolle der eSIM beim Roaming auf Reisen Laut der Studie birgt die eSIM das Potenzial, die Roaming-Problematik endgültig zu lösen. Der Kunde würde bei der Einreise in ein Land auf der eSIM einfach für die Dauer des Aufenthalts einen Tarif eines lokalen Providers buchen. Während der Reise wäre der Tourist oder Geschäftsreisende also direkt Kunde eines lokalen Providers und könnte sich die Roaming-Gebühren sparen.

Ein besonders krasses Beispiel für den Roaming-Wahnsinn sei übrigens Macau. Die dortige Bevölkerung würde durchschnittlich 3,2 Geräte besitzen, um den Roaming-Kosten zu entgehen: Eines für Honkong, eines für China und eines für Macau. Ein derartiges Szenario wäre mit der eSIM viel einfacher lösbar.

42 Prozent der Provider würden laut der Studie Touristen erlauben, vorübergehend per eSIM einen Tarif in ihrem Netz zu erwerben, 33 Prozent lehnen dies momentan noch ab, weil sie um ihre bisherigen Roaming-Einnahmen fürchten. 53 Prozent der Anbieter hätten aber kein Problem damit, dass ihre eigenen Bestandskunden bei einem Auslandsaufenthalt kurzzeitig per eSIM einen Tarif des Reiselandes erwerben, 27 Prozent der Anbieter lehnt dies momentan ab.

Allerdings ist es noch nicht absehbar, wann derartige Lösungen wirklich auf dem Markt verfügbar sein werden. Ein kleiner Teil der Anbieter kann sich vorstellen, derartige eSIM-Lösungen zwischen 2018 und 2020 einzuführen. Die Mehrheit von 68 Prozent hat schlicht und ergreifend noch gar keine Ahnung, wann sie einen derartigen Service anbieten werden.

In Deutschland bereits verfügbare eSIM-Lösungen finden Sie in unseren regelmäßigen Berichten zur eSIM.

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