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Aktualisiert: 12.10.2017 - 16:29*
Internetradio

ARD steigt angeblich beim Radioplayer Deutschland aus

Vertrag mit Webradio-Aggregator nicht verlängert

Die ARD könnte sich Ende 2017 vom Radioplayer zurückziehen.

Die ARD könnte sich Ende 2017 vom Radioplayer zurückziehen.
Foto: Radioplayer.de

Die ARD steigt wohl Ende 2017 beim Radioplayer Deutschland, der gemeinsamen Internet- und Mobile-Plattform der deutschen privaten und öffentlich-rechtlichen Radiosender, aus. Das wurde auf dem MIZ Radio Innovation Day des Medieninnovationszentrums Babelsberg bekannt. Der Kooperationsvertrag des öffentlich-rechtlichen Senderverbunds mit der Radioplayer Deutschland GmbH laufe zum Jahresende aus und werde nicht verlängert, hieß es auf der Veranstaltung. Die ARD hat entsprechende Informationen bislang noch nicht bestätigt. Update 16:30 Uhr: Die ARD hat die Gerüchte mittlerweile dementiert Überraschende Kehrtwende: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bleibt nun doch Teil des Radioplayers und plant keinen Ausstieg aus der gemeinsamen Plattform der deutschen Radiosender. Alle ARD-Programme können weiterhin auch über das Jahresende hinaus bei dem Internet-Aggregator gehört werden, wie das Unternehmen heute mitteilt. radioplayer.de und die ARD beabsichtigen auch künftig in konkreten Fragen einer hybriden Weiterentwicklung von speziellen, mit DAB+ verknüpften Inhalten eine Fortführung der Zusammenarbeit. Gleichzeitig sei eine Intensivierung der Zusammenarbeit im internationalen Verbund der mittlerweile acht Radioplayer-Länder geplant. Vor allem gegenüber der Auto- und Geräteindustrie soll der Radioplayer als einheitlicher Technologie- und Entwicklungspartner für Audioinhalte fungieren.

Generell habe im September 2017 der 23-köpfige Beirat der Radioplayer Deutschland GmbH - bestehend aus den 19 Gesellschaftern und vier gewählten Mitgliedern - einstimmig entschieden, das Projekt fortzuführen. Entsprechend wurde die Vereinbarung mit Radioplayer WorldWide bis mindestens Ende 2019 verlängert. Alle Mitgliedssender haben neue Teilnahme-Erklärungen für die Lizenzperiode ab April 2018 erhalten.

Die Radioplayer Deutschland GmbH arbeite seit der Gründung im Jahre 2014 mit schwarzen Zahlen, sei absolut werbefrei und finanziere sich ausschließlich über die Beiträge ihrer Mitgliedssender, hieß es. Ende des Updates. Zimmer: ARD und Private sollten gegen Amazon und Co. zusammen halten Gert Zimmer, Geschäftsführer von RTL Radio Deutschland bedauert, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender vom Radioplayer zurückziehen würden. Eine Zusammenarbeit zwischen den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern wäre um so wichtiger, um in Zukunft mit schlagkräftigen, nicht aus der Radiobranche stammenden Wettbewerbern wie Amazon Schritt zu halten, sagte er in einer Podiums-Diskussion auf dem Radio Innovation Day.

Als Trotzreaktion aus dem Ausstieg der ARD beim Radioplayer könnten die Privatradioverbände nun weitere Gespräche über die Migration zum digital-terrestrischen Hörfunk DAB+ auf Eis legen, hieß es dazu am Rand der Veranstaltung weiter.

Es wäre Wasser auf die Mühlen in den ohnehin schon verhärteten Fronten zwischen der ARD und den Privatradios, auch wenn der Radioplayer und DAB+ direkt nichts miteinander zu tun haben. Es gab aber eine Übereinkunft zwischen ARD und Privatfunk, dass private Sender sich weiteren Gesprächen über die Zukunft von DAB+ nicht verschließen würden, wenn die ARD sich umgekehrt am privaten Radioplayer Deutschland beteiligt.

Dr. Nicola Balkenhol, Leiterin Multimedia und Online bei Deutschlandradio sprach sich im Vergleich zur ARD auf dem Panel für den Radioplayer aus. Raue: Infrastrukturförderung für Private "Es muss unser aller Interesse sein, die technische Reichweite zu erhöhen – über UKW und über DAB+", appelliert unterdessen Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue im aktuellen Streit mit den Privaten. "Denn die Beitragszahler erwarten zu Recht, dass sie unser Angebot überall nutzen können. Der Deutschlandfunk kann aber wegen der schlechten UKW-Abdeckung nur von rund 80 Prozent der Bevölkerung empfangen werden, Deutschlandfunk Kultur sogar nur von etwa 64 Prozent. Wir haben uns deshalb gemeinsam mit den Privaten auf den Weg in die Digitalisierung des Hörfunks gemacht".

Man nehme aber auch die von Privaten geäußerten Bedenken ernst: "Deutschlandradio hat immer betont, dass private Radioanbieter während des Simulcast von UKW und DAB+ finanziell gefördert werden sollten", so Raue. In Bayern greife bereits eine Infrastrukturförderung, die Projekte zur Digitalisierung privater Hörfunkangebote unterstützt. "Hier braucht es noch mehr Rückenwind. Gleichzeitig macht der Blick ins Ausland deutlich, dass auch kommerzielle Anbieter von der technologischen Modernisierung durch DAB+ profitieren." Neben allen technischen Vorteilen stelle DAB+ auch den deutlich preiswerteren Verbreitungsweg dar: "Mittelfristig könnte Deutschlandradio die technischen Kosten um 14 Millionen Euro pro Jahr senken. Und selbst wenn die Kosten für den weiteren DAB+-Ausbau und höhere Streamingkosten dagegen gerechnet werden, ergibt sich ein Sparpotenzial von 10 Millionen Euro jährlich." Für Deutschlandradio gehe es nicht darum, UKW-Frequenzen abzugeben, sondern gemeinsam mit allen Öffentlich-Rechtlichen, den Privaten, Bund und Ländern nach Lösungen zu suchen, die sowohl Verbrauchern als auch allen Marktakteuren Sicherheit geben.

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