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13.03.2018 - 17:15
Digital

"Das Digital": Daten sind das neue Geld

Wie könnte eine Daten-Marktwirtschaft aussehen?

Steuern zahlen in Form digitaler Daten, schlagen Prof. Viktor Meyer-Schönberger und Thomas Ramge vor.

Steuern zahlen in Form digitaler Daten, schlagen Prof. Viktor Meyer-Schönberger und Thomas Ramge vor.

Bild basecamp.telefonica.de

Das Telefónica BASECAMP stammt noch aus E-Plus-Zeiten, als die Marke BASE als Inbegriff der „Flatrate“ aus der Taufe gehoben wurde. Das BASECAMP liegt mitten im Berliner Zentrum, unweit des Bahnhofs Friedrichsstraße und lädt regelmäßig zu hochinteressanten Veranstaltungen ein, wo digitale Themen im „real life“ vorgestellt und hochrangig diskutiert werden. Selbst der bisherige Innenminister Lothar de Maizière saß schon auf dem Podium vor Ort.

Mitten am Tage - mit über 200 Teilnehmern bis zum letzten Platz besetzt - am Dienstagmittag die Vorstellung eines neuen Wirtschaftsbuches, 150 Jahre nach dem Erscheinen des Wälzers“Das Kapital” von Karl-Marx. Das Digital: Kapitalismus-Update für Karl Marx Die Autoren haben ihr Buch “Das Digital. Markt, Wertschöpfung und Gerechtigkeit im Datenkapitalismus” genannt und die lange geltenden Theorien über Märkte, Kapital und Preisbildung für das Digitalzeitalter aktualisiert. Wenn wir mobil telefonieren oder nur ein paar Nachrichtenseiten auf dem Handy lesen oder wenn wir mobil unterwegs sind und dabei nichts tun, entstehen Daten. Daten sind die neue Währung, das neue Geld.

Die Autoren Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Ramge erklären den aktuellen Übergang von den klassischen, Geld basierten, zu sogenannten „datenreichen“ Märkten. Dort entscheiden kaum noch Preise darüber, ob Produkte gekauft werden oder nicht, sondern das automatisierte Auswerten („Matching“) einer Vielzahl von Informationen und Präferenzen des Käufers. Die Idee ist ein Wettbewerb von Entscheidungsassistenten, die am besten völlig neutral dem Kunden alle notwendigen Informationen besorgen sollen, bevor sich dieser für einen Kauf entscheidet. Damit diese Assistenten wirklich „neutral“ bleiben, könnten diese Informationen einen kleinen Betrag kosten. Mit besseren Daten bessere Einkäufe möglich Ein Beispiel: Wenn der Kunde heute in ein Geschäft geht, um ein Handy zu kaufen, hat er vielleicht bestimmte Vorstellungen. Wenn der Verkäufer ihm dann ein Modell hinlegt, das bisher 999 Euro gekostet haben soll und jetzt zum „Sonderpreis“ von 499 Euro angeboten wird, ist der Kunde geneigt, das zu kaufen, obwohl das Handy vielleicht nur 99 Euro „wert“ ist, weil es längst ein besseres Nachfolgemodell gibt oder weil es in der Serie Qualitätsprobleme mit dem Akku gab.

Dem Kunden fehlen all zu oft Informationen über das Angebot und die Produkte. 3000 Jahre lang wurde vor Ort gehandelt. Entscheidungen wurden vor Ort nach subjektiven Kriterien gefällt. Heute gibt es eine Vielzahl von Informationen, die abgerufen und berücksichtigt werden müssen, könnten oder sollten, bevor gebucht oder gekauft wird. Daten sind das Geld der Welt

Das Digital ein Buch über digitale Datenmarktwirtschaft

Das Digital ein Buch über digitale Datenmarktwirtschaft
Telefonica Basecamp

Daten sind nicht mehr nur “das neue Öl” der Welt, sondern auch das neue Geld. Die Autoren fordern neue Formen von Arbeit, Gerechtigkeit und Freiheit und möchten eine neue Art der Steuer von besonders datenreichen Unternehmen erheben. Das weltweite Abschmelzen der Lohnquote in den vergangenen Jahren hat nicht die Kapitaleinkünfte erhöht, sondern nur die Gewinne von “Superstar-Firmen” wie Google oder Facebook steigen lassen, weil sie die Daten ihrer Kunden besonders clever monetarisieren können, also in echtes Geld umwandeln. Die Datensteuer als Pflichtabgabe Die Autoren stellen sich eine “progressive Daten-Sharing-Pflicht“ für Unternehmen vor. Je größer und „datenreicher“ Großunternehmen werden, desto mehr sollen sie einen bestimmten Prozentsatz ihrer Daten für andere kleinere Firmen bereitstellen müssen. Das heißt aber nicht, dass sie auf diese Daten selbst verzichten müssen. Welche Daten das genau sind, soll durch „Zufall“ ermittelt werden, um zu vermeiden, dass nur „unwichtige“ oder „uninteressante“ Daten geteilt werden.

Damit soll ausgeglichen werden, dass datenreiche Märkte immer wieder zur Monopolisierung neigen. Wer die meisten Daten hat, der kann auch die meisten Muster darin erkennen und seinen Kunden den besten Service anbieten. Vorbild Versicherungen So ein System gibt es heute schon: In der Versicherungswirtschaft. Größere Autoversicherer müssen über ihren Verband auch kleinen Versicherungsunternehmen Kalkulationsdaten über Schadenshäufigkeit zur Verfügung stellen, damit diese das Risiko abschätzen und bestimmte Tarife anbieten können. Das analoge Buch - ein digitaler Hit Das Buch „Das Digital” wurde in Deutschland bereits veröffentlicht und ist weltweit in einigen Dutzend Sprachen erschienen. Autoren sind der Österreicher Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Ramge. Mayer-Schönberger war zehn Jahre Professor in Harvard und hat heute den Lehrstuhl für Internet Governance in Oxford inne. Er hat einige Bücher und Beiträge über das digitale Vergessen im Internet und den weltweiten Bestseller “Big Data” geschrieben. Thomas Ramge ist Technologie-Korrespondent bei brand eins und schreibt für The Economist. Er wurde mit zahlreichen Journalistenpreisen ausgezeichnet. Ramge hat bisher elf Sachbücher veröffentlicht, darunter die Bestseller »Die Flicks«, »Data Unser« und »Wirtschaft verstehen mit Infografiken«. Zurzeit arbeitet er für den Reclam Verlag an einem Buch über künstliche Intelligenz.

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