pda.teltarif.de
Meldung Tipps & Info Tarifrechner 23.08.19
15.07.2019 - 11:21
Niedersachsen

Niedersachsen: Linke und Piraten setzen sich für DAB+ ein

Kritik an Landtagsbeschluss gegen Digitalradio

Unter dem Deck­mantel "Für eine digi­tale Radio­zukunft" hatten die nieder­säch­sischen Land­tags­parteien einstimmig für ein Aus des digital-terres­trischen Hörfunks DAB+ und gegen eine UKW-Abschal­tung gestimmt. Kritik kommt nun nicht nur von öffent­lich-recht­lichen Radio­sendern, Gerä­teher­stel­lern und Medi­enpo­liti­kern von außer­halb, sondern auch von Parteien, die nicht im Landtag vertreten sind.

Die Linke sieht in dieser Entschei­dung einen herben Rück­schritt, denn das vom Landtag gegen­über DAB+ bevor­zugte 5G, das die neuste Ausbau­stufe des Mobil­funk­netzes darstellt und bisher nicht über Test­instal­lationen hinaus der Öffent­lich­keit zugäng­lich war, sei im Vergleich zu DAB+ ein reiner Kurz­stre­cken­funk. Flächen­deckend werde es somit nur in Ballungs­gebieten aufge­baut werden und kann auch nur dort wirt­schaft­lich betrieben werden, für ein Flächen­land wie Nieder­sachsen sei das fatal. Das Argu­ment der Landes­regie­rung, dass "DAB+ eine unnö­tige Über­gangs­tech­nologie sei, da sich mittel­fristig das Inter­netradio durch­setzen werde", ist laut der Linken ein Schein­argu­ment. DAB+ ist barrie­rearm

Linke und Piraten machen sich fürs Digitalradio DAB+ stark

Linke und Piraten machen sich fürs Digitalradio DAB+ stark
Foto: Hama

DAB+ hingegen sei, ähnlich wie UKW, eine barrie­rearme, terres­trische Über­tragungsart, für dessen Empfang ledig­lich ein entspre­chendes Empfangs­gerät erfor­derlich ist. Die Kosten für dieses Empfangs­gerät seien einmalig. Die von der Landes­regie­rung vorge­schla­genen Benut­zung der Inter­netra­dios habe mehrere Nach­teile, da für die Benut­zung stets ein Inter­netzu­gang benö­tigt wird. Für die Bereit­stel­lung des Inter­netzu­gangs allein, unab­hängig von der Nutzung der Inter­netra­dios, fallen monat­lich laufende Kosten an, die die Anschaf­fung eines DAB+ Gerätes in der Summe bei Weitem über­steigen.

"Bei jeder Nutzung der Inter­netra­dios – bedingt durch die Nutzung des Inter­nets – werden Daten im Internet hinter­lassen, deren Daten­sicher­heit und Weiter­nutzung unge­klärt ist (zum Beispiel Einschalt-/Ausschalt­zeit­punkt, persön­liche Präfe­renzen durch die Wahl des Inter­netra­dios und des dort ange­botenen Programms, etc.). Die Benut­zung eines DAB+ Gerätes sei gelebte Anony­mität", ergänzt Lars Leopold, Landes­vorsit­zender der Links­partei in Nieder­sachsen.

Obwohl es 75 Millionen DAB-Geräte welt­weit gibt, das euro­paweite Ausland sich für eine Nutzung von DAB+ entschied und ab 2021 eine Digi­talradio-Pflicht für Neuwagen exis­tiert, habe sich das nieder­säch­sische Landes­parla­ment als erstes und einziges gegen DAB+ ausge­spro­chen.

Die bislang am häufigsten genutzte Über­tragungs­möglich­keit, UKW, stoße jedoch an ihre tech­nischen Grenzen. "Unserer Ansicht nach ist es von essen­tieller Bedeu­tung Radio­empfang auch jenseits von Handys und Mobil­funk­netz zu sichern, beson­ders in akuten Notsi­tuationen. Wir befür­worten daher, dass der NDR sich, insbe­sondere in Betracht der stei­genden Beliebt­heit von DAB+ in Deutsch­land und Europa, für einen weiteren Ausbau auch in Nord­deutsch­land einsetzt. Anstatt die privaten UKW-Radio-Sender vor Wett­bewerb zu schützen, sollte die Förde­rung von DAB+ weiter fort­gesetzt werden", fordert Heidi Reichinnek, Landes­vorsit­zende der Linken in Nieder­sachsen. Piraten unter­stellen Landtag Unwahr­heiten Auch die Piraten in Nieder­sachsen setzen sich für DAB+ an und unter­stellen dem Landtag Unwahr­heiten. So heißt es im Land­tags­beschluss, DAB+ habe sich "auch nach 20 Jahren" nicht durch­gesetzt, sei "Geld­verschwen­dung" und ledig­lich eine "Über­gangs­lösung". DAB+ wurde laut der Piraten in Wirk­lich­keit jedoch erst 2011 in Deutsch­land offi­ziell einge­führt, nachdem zuvor der alte DAB-Stan­dard geschei­tert war. Zudem attes­tiere der Digi­tali­sierungs­bericht der Landes­medi­enan­stalten stetig stei­gende Hörer­zahlen.

Für die vom Landtag vorge­schla­gene Alter­native 5G exis­tiere bisher keine entspre­chende Infra­struktur für den Sende­betrieb. Und die demnächst entste­hende werde weder den öffent­lich-recht­lichen noch den privaten Sendern gehören. "Hier stellt sich also die Frage, womit denn eigent­lich gesendet werden soll. Jetzt also unbe­drängt eine Entschei­dung zu treffen, die das Zeug dazu hat, die Infor­mati­onsfrei­heit massiv zu beschränken, ist nicht akzep­tabel", so die Partei.

Aus Sicht der Piraten sei es sinn­voll, die letzten Mono­pole im UKW-Radio­markt aufzu­brechen und auf eine konse­quente Digi­tali­sierung dieses Marktes zu setzen. "Während das digi­tale Fern­sehen bereits Stan­dard ist, setzt man beim Radio weiter auf Tech­nologie aus dem letzten Jahr­tausend, nur um eigene Sende­gebiete vor der Konkur­renz zu schützen". Erst wenn ein Ende der UKW-Ära defi­nitiv fest­stehe, sei der Weg für ein modernes und viel­fältiges Radio­angebot in Deutsch­land frei. "Wenn es soweit ist, ist 5G eine Geschichte, die man seinen Enkeln an einem Kamin erzählt. Denn UKW wird erst sterben, wenn die heutigen Reich­weiten­vorteile durch digi­tale Tech­nolo­gien wirk­lich schlagbar sind", so die Partei.

Mehr zum Thema DAB+

[Newsübersicht] RSS [Newsversand]