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13.10.2017 - 09:25
5G Broadcasting

DAB+ vs. Internet: WorldDAB-Konsortium warnt vor 5G-Euphorie

DAB+-Sendernetz ist wesentlich preisgünstiger als Mobilfunk-Infrastruktur

Viele sehen den digital-terrestrischen Hörfunk DAB+ nur als eine Brückentechnologie, bis der neue Mobilfunkstandard 5G ab 2020 die digitale Hörfunkverbreitung übernehmen kann. Zuletzt erst machten wieder entsprechende Statements die Runde. Hintergrund ist ein steigender Druck auf Hörfunkveranstalter aufgrund des Wandels bei der Audionutzung - hin zu mehr Individualität, Personalisierung bei Inhalten und auch bei der Werbung, sowie neuen technischen Möglichkeiten etwa durch das Internet im Auto ("Connected Car").

Vor einem solchen Szenario warnt jetzt allerdings der Digitalradio-Weltverband WorldDAB. Würde Radio ausschließlich über den Mobilfunkstandard 5G übertragen, entfielen monatlich alleine 2,2 GB Daten auf die Radionutzung pro Nutzer. Das bedeute, das alleine für den Hörfunk 11 Euro pro Monat und Hörer anfallen. Dagegen sei DAB+ für den Hörer kostenlos. Radio über 5G wäre zehnmal so teuer wie über DAB+

Der Zugang zu Radio über 5G wäre im Vergleich zu DAB+ wohl nicht kostenlos möglich.

Der Zugang zu Radio über 5G wäre im Vergleich zu DAB+ wohl nicht kostenlos möglich.
Foto: Telefonica, Logo: 3GPP, Montage: teltarif.de

Evolved Multimedia Broadcast Multicast Service (eMBMS) ist zwar ein Dienst im Mobilfunkstandard LTE, der Multimediadaten (Audio/Video) gleichzeitig und effizient an viele Nutzer übertragen kann. Der Vorteil gegenüber dem klassischen Streamingverfahren, bei dem ein Datenstrom einzeln zu jedem Nutzer gesendet wird, wäre die deutlich geringere Netzlast, da die Daten nur einmal, zeitgleich an alle, übertragen würden. WorldDAB rechnet jedoch vor, dass 5G selbst in diesem Broadcast-Modus erheblich mehr Kosten als DAB+ verursachen würde. Für eine flächendeckende Hörfunkversorgung gebe es kein Geschäftsmodell auf der Basis kleinzelliger Mobilfunknetze. Die notwendigen Übertragungskapazitäten für Radio seien noch einmal ungleich höher.

Das Konsortium rechnet vor, dass etwa in Sydney ein Sendemast und in London vier für die flächendeckende Verbreitung von DAB+ ausreichten, während man bei 5G mehr als 1 000 Basistationen in Sydney oder 3 900 in London bräuchte. WorldDAB rechnet mit bis zu zehnmal höheren Kosten für Radioveranstalter, wenn man statt DAB+ alleine auf die Mobilfunk-Infrastruktur setzen würde. Außerdem müssten die Betreiber erheblich in den Netzausbau investieren, da es zahlreiche Funklöcher gibt. Kein Zugang ohne "Mautstelle" Auch beim Zugang könnte es problematisch werden: Dieser wäre bei 5G selbst im Broadcasting-Modus wohl kaum ohne "Mautstelle" durch ein Telekommunikationsunternehmen möglich, was immer zusätzliche Kosten für den Kunden bedeuten würde. "Normale" Radiogeräte für den Zugang zu 5G/eMBMS wird es wohl nicht geben.

Auch in Katastrophenfällen sei 5G instabil, mehrere Ereignisse hätten gezeigt, dass die Mobilfunknetze immer als Erstes ausfallen, während klassische Broadcast-Technologien stabil weiterlaufen.

5G könne eine sinnvolle Ergänzung für DAB+ sein, etwa für zusätzlichen Audio-Content wie Spartenprogramme, aber keinesfalls ein vollständiger Ersatz für DAB+, so das Konsortium WorldDAB in seinem Fazit.

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