pda.teltarif.de
Meldung Tipps & Info Tarifrechner 22.07.19
21.04.2019 - 07:21
Werkzeuge

Bohrmaschine per Amazon: Sterben Baumärkte bald aus?

Baumärkte kämpfen um den Heimwerker

Ohne den heißen und trockenen Sommer hätten die deut­schen Baumärkte das Geschäfts­jahr 2018 gleich ganz vergessen können. Vor allem mit Hilfe des in der Dauer­hitze gefragten Garten­sor­ti­ments stiegen die Umsätze doch noch um schmale 1,6 Prozent auf 18,75 Milli­arden Euro. Die Branche befindet sich nach Einschät­zung des Obi-Geschäfts­füh­rers Franz-Peter Tepaß in einem "puren Verdrän­gungs­wett­be­werb" mit "brutal schnellen Verän­de­rungs­pro­zessen". Die Gegner sind aber längst nicht mehr der Markt auf der nächsten grünen Wiese, sondern mäch­tige Internet-Platt­formen wie Amazon.

Nennens­werte Flächen­zu­wächse gibt es bereits seit Jahren nicht mehr, auch 2018 wurden einige wenige der gut 2100 Märkte geschlossen. "Es gibt in Deutsch­land keine weißen Flecken mehr, inner­halb von 20 Minuten findet man überall einen Baumarkt", beschreibt der Obi-Manager die Situa­tion, an der auch die Pleite der Kette Prak­tiker nicht geän­dert hat. Erste Anlauf­stelle für Bohr­ma­schine mitt­ler­weile Online-Shops

Wie können klassische Baumärkte im Online-Zeitalter überleben?

Wie können klassische Baumärkte im Online-Zeitalter überleben?
Bild: dpa

In jedem Smart­phone findet man jeder­zeit die Ange­bote der Online-Platt­formen, die viele Konsu­menten als erstes aufsu­chen, wenn sie beispiels­weise über die Anschaf­fung einer Bohr­ma­schine nach­denken. Auf knapp vier Milli­arden Euro schätzen die Experten des Forschungs­in­sti­tuts IFH die schneller wach­senden Umsätze mit baumarkt­re­le­vanten Waren im deut­schen Netz. Nur ein knappes Fünftel davon holen sich die bekannten Ketten wie Obi, Horn­bach oder Bauhaus mit ihren Online-Auftritten. Der Löwen­an­teil bleibt bei Amazon.

Gefragt ist im Netz vor allem das Sorti­ment für Heim­werker und Garten­aus­stat­tung, zwei Felder, auf denen regel­mäßig auch die Discounter wie Aldi und Lidl mit Akti­ons­ware aktiv sind. Was allein den Baumärkten bleibt, ist der Handel mit Pflanzen und schwierig zu trans­por­tie­renden Baustoffen. "Kein Online-Händler beschäf­tigt sich mit einer Palette Zement", lautet dazu der Kommentar des Obi-Chefs Tepaß.

"Amazon holt sich immer zunächst die am einfachsten zu pflü­ckenden Früchte", pflichtet der Marke­ting-Professor Werner Rein­artz bei. Er verweist auf die Vorteile der Preis­trans­pa­renz und der viel­fäl­tigen Infor­ma­tionen über die Produkte, die Nutzer auf den Platt­formen finden können. Handelt es sich dann noch um ein leicht vergleich­bares Marken­pro­dukt, hat der statio­näre Handel mit seiner ungüns­tigen Kosten­struktur eigent­lich schon verloren. Bera­tung und Schu­lung: Auch bei YouTube Die Baumärkte haben sich daher nicht nur in ihrer Werbung darauf verlegt, ihre Kunden zu größeren Projekten zu ermu­tigen, sie zu infor­mieren, zu schulen und ihnen umfas­sende Ange­bote über das benö­tigte Mate­rial zu machen. Das sei auch drin­gend nötig, denn das Wissen um "Do it yourself" drohe gerade in der jüngeren Genera­tion zu verküm­mern, sagt BHB-Vorstands­spre­cher Ralf Bartsch. "Mit dem Handy kann man halt keinen Nagel in die Wand schlagen." Hilfe und Knowhow suchen die Jungen zuerst auf der Video-Platt­form YouTube und finden dort auch häufig Filme der Baumarkt­ketten.

Die Toom-Baumärkte der Rewe-Gruppe haben im vergan­genen Jahr mit kleinen, für einen kurzen Zeit­raum geöff­neten Läden in City-Lagen expe­ri­men­tiert, um Neues über die Wünsche junger Kunden zu erfahren. "Wir haben wert­volle Anre­gungen erhalten, die wir nun in unsere bestehenden Märkte einfließen lassen", sagt Toom-Chef René Haßfeld. Beispiele seien Blumen­erde zum Selbst­ab­füllen oder Farben in viel klei­neren Einheiten. Doch einen Weg zurück in die Innen­städte werde es schon wegen der hohen Laden­mieten nicht geben.

Gleich­zeitig verwan­deln sich die Baumärkte in Life­style-Zentren mit Coffee-Lounges, Wein­bars, Fein­kost­ständen und hoch­wer­tigen Imbissen. Die Curry­wurst­bude auf dem Park­platz reicht gerade in Ballungs­räumen längst nicht mehr aus. Multi­funk­tio­nale Flächen ersetzen idea­ler­weise die übli­chen Hoch­re­gal­straßen und sind regel­mä­ßiger Schau­platz von Grill-Events, Dübel­kursen und Tape­zier-Lehr­gängen. Und man muss noch nicht einmal selbst mehr Hand anlegen, wenn es nach einem weiteren Vorschlag des IFH Köln geht. Danach sollen die Baumärkte als Vermittler zwischen Kunde und Hand­wer­kern auftreten - Haupt­sache das Mate­rial stammt aus dem eigenen Haus.

Mehr zum Thema Online-Shopping

dpa /

[Newsübersicht] RSS [Newsversand]