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28.05.2017 - 17:59
Verdongelt

Editorial: Wem gehört mein Smartphone?

Viele Apps künftig nicht mehr auf gerooteten Phones?

Die Update-Versorgung der meisten Android-Geräte ist schlecht bis sehr schlecht. Upgrades auf neue Android-Versionen werden meist erst etliche Monate nach dem Erscheinen der neuen Version verteilt. Für Geräte, die schon länger als ein bis zwei Jahre auf dem Markt sind, gibt es oft sogar überhaupt keine Betriebssystem-Upgrades mehr. Und selbst Sicherheits-Patches werden nur sehr, sehr zögerlich verteilt. Besitzer alter Android-Handys werden damit vor zwei Probleme gestellt: Sie können die aktuelle Version vieler Apps nicht mehr installieren, weil ihnen dazu ein ausreichend aktuelles Betriebssystem fehlt. Und zugleich klaffen in ihrem System teils dramatische offene Sicherheitslücken, die schnell zum Verhängnis werden können, zum Beispiel, wenn man beim Browsen auf eine "falsche" Website gerät.

So ist es kein Wunder, dass freie Android-Versionen, wie das inzwischen leider nicht mehr weiterentwickelte CyanogenMod oder dessen Nachfolger Lineage, sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Wenn keines dieser Custom-ROMs aufgespielt ist, traut man sich mit Smartphone-Veteranen wie dem Samsung Galaxy S3 gar nicht mehr ins Internet.

Leider sehen viele App-Hersteller die Nutzer solcher Custom-ROMs oder generell die Nutzer gerooteter Phones kritisch. Das gilt insbesondere für solche App-Betreiber, die über ihre Apps Zugang zu geschützten Inhalten bereitstellen, wie beispielsweise Netflix. Diese haben Angst davor, dass die Root-Nutzer unbemerkt Mitschnitte der Streams oder Downloads erstellen und später zum Beispiel über Tauschbörsen weiterverbreiten könnten. In der Folge wird die Netflix-App beispielsweise nicht mehr zum Download über den Google-App-Store angeboten, wenn Googles SafetyNet-Bibliothek ein gerootetes Gerät erkannt hat. Wem gehört mein Gerät?

Netflix sperrt Nutzer mit Root-Zugriff aus

Netflix sperrt Nutzer mit Root-Zugriff aus
Bild: dpa

Zwar lässt sich derzeit Netflix noch auf anderen Wegen auch auf gerooteten Phones installieren und funktioniert dann auch einwandfrei. Aber es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis erste Apps den Dienst auf Custom-ROMs ganz verweigern werden. Für die User stellt sich damit die Frage, wem ein Android-Smartphone überhaupt gehört: Dem Nutzer? Oder dem Hersteller und Google, die festlegen, was mit dem Smartphone gemacht werden darf und was nicht, insbesondere, welche Apps sich überhaupt installieren lassen? Nun ist Apple zwar besser, was die Versorgung ihrer Geräte mit iOS-Updates anbelangt. Aber dafür ist es auf einem iPhone noch schwieriger, von Apple nicht erwünschte Software wie ein Custom-ROM aufzuspielen.

Auch die App-Anbieter sollten bedenken, dass sie mit dem Aussperren der Root-User insgesamt das Gegenteil von dem erreichen, was sie wollen. Zum einen verringern sie so die mögliche Zahl der User ihrer App. Ist die App oder deren Inhalt attraktiv genug, dass auch User mit gerooteten Phones nicht auf diese verzichten möchten, wird die Community zudem hart daran arbeiten, die Root-Sperre auszuhebeln. Sind die zugehörigen Hacks, um die App auch auf gerooteten Phones zu installieren, dann erstmal im Netz, werden sie sich schnell weiterverbreiten - auch unter denen, die die Hacks nun nicht zum Aushebeln der Root-Sperre, sondern zum Aushebeln der Paywall verwenden wollen. Weitere Editorials

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