pda.teltarif.de
Meldung Tipps & Info Tarifrechner 20.07.18
29.10.2017 - 19:29
Zugang

Editorial: Erst beliefert werden und dann beklaut?

Amazon Key mit großen Sicherheitsrisiken

Amazon will Pakete künftig direkt in der Wohnung zustellen, und zwar auch dann, wenn der Kunde gar nicht zu Hause ist. Alles was dafür benötigt wird ist ein elektronischer Schließzylinder in der Hausttür. Klingelt der Paketbote und öffnet daraufhin niemand die Tür, öffnet der Bote die Wohnungstür mit dem "smarten" Schließzylinder per App, legt das Paket ab, und geht dann wieder. Damit der Paketbote dabei nicht aus Versehen etwas aus der Wohnung mitnimmt was ihm nicht gehört, oder das falsche Paket ablegt, wird er vom Öffnen der Wohnungstür bis zum erneuten Schließen der Tür gefilmt. Der Film wird zusammen mit der Benachrichtigung über die Paketzustellung an den Amazon-Kunden geschickt.

Allen Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis Amazon aufgrund öffentlichen Drucks genötigt sein wird, einem Kunden etliche Pakete mit Schmuck und Elektronik kostenlos zu liefern. Denn wenn es einem Angreifer gelingt, sich irgendwo in die Kommunikation zwischen Smart Lock, Amazon und dem Paketboten einzuhacken, dann stehen ihm die Wohnungen der Nutzer von "Amazon Key" im wahrsten Sinne des Wortes offen. Und bisher hat man noch in so gut wie jedem elektronischen System, das komplizierter ist als ein Lichtschalter (mit nur zwei Zuständen: "ein" und "aus"), eine gravierende Sicherheitslücke gefunden. Hohes Sicherheitsrisiko - auch für Einbrecher

Amazon Key

Wenn der Paketbote klingelt und selbst aufmacht: Bedenken gegen Amazon Key
Foto: picture alliance / dpa

Warum geht Amazon dennoch das hohe Risiko ein? Nun, ein Grund dürfte sein, dass Amazon seine Kunden stark binden will, und das gelingt mit Sonderdiensten wie der Lieferung in Abwesenheit sicher besser als mit 08/15-Versand. Hinzu kommt, dass elektronische Türsicherungssysteme im gewerblichen Umfeld beispielsweise schon seit Jahrzehnten benutzt werden - und dort die Vorteile anscheinend die Nachteile überwiegen. Schließlich sind auch mechanische Schlösser alles andere als perfekt: Das meiste, was so im Baumarkt verkauft wird, bietet einem Profi-Einbrecher bestenfalls eine zweistellige Sekundenzahl lang Widerstand. Und selbst viele hochwertige Schlösser aus dem Sicherheits-Fachhandel sind kaum dagegen gefeit, dass ein Profi einen Schlüssel kopiert oder per Lockpicking ein Schloss auch ohne Schlüssel und ohne Einbruchsspuren öffnet.

Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit in Hotels und dort sind sie es sowieso gewohnt, dass täglich fremde Personen das Zimmer betreten: Erst der Zimmerservice um sauberzumachen, dann ein Handwerker, um einen vom Zimmermädchen gemeldeten Schaden zu beheben, und danach noch der Hotel-Manager um zu prüfen, ob alles wieder in Ordnung ist. Wenn nun Saisonarbeiter oder Spezialkräfte sich für drei oder sechs Monate eine möblierte Wohnung mieten, ist das auch nicht viel anders als das Leben in einem Hotel: Warum sollten diese nicht auch den Paketdienst hereinlassen? In ein großes Familienheim wird man hingegen eher weniger den fremden Lieferdienst hereinlassen, aber dort ist auch öfters jemand zu Hause als in einer Single-Wohnung.

Hinzu kommt, dass ein Einbrecher nie ganz sicher sein kann, nicht doch elektronische Spuren zu hinterlassen, wenn er ein elektronisches Schloss knackt. Somit kommen für einen Einbrecher ins Smart Home zwei Sicherheitsrisiken zusammen: Die des klassischen Einbruchs und die der elektronischen Welt. Am Ende könnte das der Grund sein, dass relativ wenige Einbrüche via "smart lock" geschehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Hersteller die elektronische Sicherheit ihrer Geräte dennoch ernst nehmen, und zuverlässige "smarte" Türschlösser ausliefern, die sich nicht schon per PIN 0000 knacken lassen...

Anzeige:
Weitere Editorials

[Newsübersicht] RSS [Newsversand]