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14.08.2019 - 12:05
5G

5G-Netze: Sicherheitsdienste kämpfen um eine Hintertür

Normierung geht in die heiße Phase

Der kommende 5G-Stan­dard sollte nach dem Willen seiner Entwickler deut­lich sicherer werden als die bishe­rigen Stan­dards. So war beispiels­weise eine End-to-End-Verschlüs­selung im Gespräch. Zudem sollen sich Basis­stationen gegen­über den Mobil­funk­geräten iden­tifi­zieren müssen. Das würde das Abhören der Verbin­dungen über IMSI-Catcher unmög­lich machen. Den Schlapp­hüten ist 5G zu gut geschützt

5G ist als sicherer Standard angelegt. Für die Geheimdienste zu sicher.

5G ist als sicherer Standard angelegt. Für die Geheimdienste zu sicher.
Bild: picture alliance/Boris Roessler/dpa

Was vor allem zum Schutz der Privat­sphäre gedacht ist, sperrt aber auch profes­sionelle Schnüffler aus. Die Sicher­heits­maßnahmen gehen vielen euro­päischen Regie­rungen und Straf­verfol­gern deshalb zu weit. Sie gehen auf die Barri­kaden und machen ihren Einfluss geltend, um im Stan­dardi­sierungs­gremium 3GPP eine Locke­rung dieser Siche­rungs­maßnahmen zu ihren Gunsten zu errei­chen.

Unter­stüt­zung bekommen sie nun wohl auch aus den USA. In der ersten Woche im September soll es ein Sonder­treffen der für die Sicher­heit und den Daten­schutz zustän­digen Arbeits­gruppe SA3LI geben. Und das soll diesmal unter starker Betei­ligung von ameri­kani­schen Sicher­heits­behörden wie dem FBI statt­finden. Dazu hat der Telekom-Anbieter Verizon in sein Haupt­quar­tier in Baskin Ridge im Bundes­staat New Jersey einge­laden.

Die Arbeits­gruppe steht unter Zeit­druck. Noch in diesem Jahr sollen die Sicher­heits­bestim­mungen in eine feste Form gegossen werden, Ände­rungen sind dann kaum noch möglich. Netz­betreiber wollen Daten­samm­lung mini­mieren Die Begehr­lich­keiten der Sicher­heits­behörden laufen den Inter­essen der Netz­betreiber diame­tral entgegen. Sie wollen nämlich möglichst nur die anfal­lenden Daten spei­chern, die für das Funk­tionieren der Netze unbe­dingt notwendig sind. Das neue 5G Netz produ­ziert nämlich Unmengen davon, eine Über­tragung und Spei­cherung droht auch das Netz zu verstopfen.

Für die Geheim­dienste ist aber gerade dieser Aspekt inter­essant. Sie würden am liebsten alle diese Para­meter spei­chern. Daraus würden sich dann beispiels­weise exakte Bewe­gungs­profile in GPS-Qualität erstellen lassen. Für die Kosten der Spei­cherung und Auswer­tung haben sie auch schon jemanden im Visier: die Netz­betreiber. Notfalls Gesetze ändern Ange­sichts des Termin­drucks denkt die eine oder andere an der Diskus­sion betei­ligte Partei auch schon Mal über einen Notfall­plan nach. So könnte sich das Bundes­innen­minis­terium im Falles des funk­tions­untüch­tigen IMSI-Catchers auch eine recht­liche Lösung vorstellen. Denkbar wäre es, IMSI- oder IMEI-Daten zukünftig einfach mit rich­terli­chem Beschluss bei den Netz­anbie­tern abzu­fragen.

Aller­dings: Mögli­cher­weise ist Aufre­gung der Schlapp­hüte größ­tenteils umsonst. Laut Alf Zugen­maier, Professor für mobile Netze und Sicher­heit an der Hoch­schule München, stehen die Sicher­heits-Spezi­fika­tion längst fest und sollen Ende des Jahres nur noch formal beschlossen werden. Zugen­maier weist in einem Beitrag der Online-Platt­form heise.de, darauf hin, dass Schnitt­stellen zum Lauschen auch Teil des neuen Stan­dards wären, und dass die End-to-End-Verschlüs­selung längst vom Tisch sei. Der Münchner Experte dürfte die Infor­mationen aus erster Hand haben. Er ist Vize­vorsit­zender einer Arbeits­gruppe des 3GPP, die sich mit Sicher­heit und Daten­schutz beschäf­tigt.

Im Licht dieser Diskus­sion ist es durchaus befremd­lich, dass die USA Huawei vorwerfen, eine Back­door für die chine­sische Regie­rung in die 5G-Tech­nologie einbauen zu wollen. Umge­kehrt scheuen sie sich nicht, dasselbe über die offi­ziellen Gremien voran­zutreiben. Huawei wirft den USA vor, welt­weite Spio­nage zu betreiben und auch die eigenen Bürger durch Zugriffe auf ihre im Ausland gespei­cherten Daten auszu­spio­nieren

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